— 15— tung zu beobachten. Und dies ist es, wodurch die Theilname an ihm bedeutend abgeschwächt wird, so dass er Vielen in einem gehässigeren Lichte erscheint als der hochverräterische Friedland. Allein wenn man bedenkt, dass jenes un- bedingte Vertrauen Wallensteins kein sittlich edler Characterzug war und nicht aus menschlicher Theilname entsprang, sondern einem Traume und der abergläubischen Uberzeugung, in Octavio das treueste Werkzeug seiner Pläne gefunden zu haben, den Ursprung verdankte; wenn man ferner erwägt, dass Octavios Zweck ein besserer, und seine Mittel keineswegs verwerflicher waren, als die seines Gegners: so wird man dem Ausspruche derer, die ihn geradezu für einen Schurken erklären, nicht beistimmen können. Zudem hören wir von ihm selbst, dass er dem Fürsten„sein Bedenken geäussert, dringend, mit Ernst ihn abgemahnt habe“; die innerste Gesinnung musste er freilich, wollte er in des Kaisers Interesse handeln und seine eigene Sicherheit nicht gefähr- den, auf's tiefste verbergen. Übrigens fühlt er das zweideutige seiner Hand- lungsweise selbst: Es ist nicht immer möglich,
Im Leben sich so kinderrein zu halten,
Wie's uns die Stimme lehrt im Innersten.
Ia steter Notwehr gegen arge List
Bleibt auch das redliche Gemüt nicht wahr.
Das eben ist der Fluch der bösen That,
Dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.
Ich klügle nicht, ich thue meine Pflicht,
Der Kaiser schreibt mir mein Betragen vor.
Wol wär' es besser, überall dem Herzen
Zu folgen, doch darüber würde man
Sich manchen guten Zweck versagen müssen.
Hier gilt's, mein Sohn, dem Kaiser wol zu dienen,
Das Herz mag dazusprechen, was es will.
Diesen Missbrauch des Vertrauens muss Octavio aber auch schwer büssen;
er muss den Vorwurf Buttlers und der Gräfin Terzky, dass er des Herzogs Ermordung und des eigenen Sohnes Tod wenigstens theilweise mitverschuldet habe, hinnehmen, ohne ihn zurückweisen zu können; er kann der Klage der Gräfin über die Verödung ihres Hauses nur in tiefster Wehmut antworten:
Auch mein Haus ist verödet,


