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In diese eingeflochten ist die an poetischen Schönheiten unendlich rei- che, wenn auch vom kritischen Standpunkte aus nicht ganz zu billigende, hochberühmte Episode, die Liebesgeschichte zwischen Max und Thekla. Schiller hat sie mit unverkennbarer Vorliebe gearbeitet; sie war seinem idealen Sinn gewissermassen ein Labsal für die reale Haltung der übrigen handelnden Personen.
Allein troz der Liebenswürdigkeit Maxens und Theklas, troz des Inter- esses, das sie namentlich weicheren Gemütern einflössen, können diese über- schwänglichen Charactere den strengeren Anforderungen, die man an das Drama stellen muss, nicht entsprechen. Denn diese Liebesepisode wächst nicht organisch aus der Haupthandlung heraus; die idealen Gestalten stehen gewis- sermassen ausserhalb derselben. Sie können daher nichts anderes thun, als aus der Welt, in der sie sich nicht zurechtfinden, scheiden; der Selbstmord erscheint als die einzige Rettung der Reinen.
Historische Begründung hat diese Episode nicht; denn Octavio Picco- lomini hatte keine Kinder, und Wallensteins Tochter, die spätere, damals zehn-
jährige Gräfin Kaunitz, war zur Zeit der Handlung mit der Mutter in Nieder- österreich.
Die im Drama mehr in den Vordergrund tretenden Persönlichkeiten las- sen sich leicht in zwei Gruppen theilen, nähmlich in des Herzogs Gegner, und in diejenigen, die auf seiner Seite stehen.
Dem Fürsten am nächsten gerückt hat der Dichter den Feldmarschall Illo und den böhmischen Grafen Terzky.
Ersteren, einen Mann voll Leidenschaftlichkeit und Energie, können wir als Repräsentanten soldatischen Trozes und Übermutes betrachten. Er macht aus seiner Gesinnung kein Hehl, wie wir aus der Unterredung mit Ouesten- berg ersehen, und doch ahnt dieser noch Argeres in ihm.
Dieser Illo, fürcht' ich, Denkt noch viel schlimmer, als er spricht.
Bei ihm kommt der Groll gegen das Kaiserhaus am deutlichsten und entschiedensten zum Durchbruch; er drängt Wallenstein fortwährend zur schleu- nigen Ausführung seines Vorhabens. Mit der Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit seines Characters ist Tapferkeit gepaart. Buttler sagt von ihm;


