Aufsatz 
Schillers Wallenstein. Eine Vortragsprobe
Entstehung
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Das Bankelt selbst, welches den ganzen 4. Act der Piccolomini füllt, ist ein überaus gelungenes Lebensgemälde, ein wahres Meisterstück dra- matischer Gestaltung.

Im 5. Aufzug sehen wir den Knoten geschürzt; der Fürst ist verur- theilt und geächtet, Octavio, dem er so blind vertraut hatte, führt bis zur An- kunft des Königs von Ungarn den Oberbefehl, und hat bereits Manchen seiner Pflicht gewonnen:

Der Kaiser hat noch treue Diener; auch im Lager Gibt es der braven Männer guug, die sich Zur guten Sache munter schlagen werden.

Wallensteins Unterhändler, der Sesin, ward vom Grafen Gallas aufge- fangen und sammt den Depeschen an die Schweden, nach Wien geschickt Doch: Noch hat der Fürst sein Schicksal in der Hand, noch ist keine That gelhan, die unwidersprechlich den Hochverrat bezeugt und ihn verdammt.

Wird er diese That vollführen? Oder wird er seinem Kaiser weichen?- Die Antwort darauf gibt uns die Katastrophe: Wallensteias Tod.

Der Feldherr ist durch die Gefangenname seines Unterhändlers sehr in die Enge getrieben. Er, der mit dem Gedanken des Verrat' s nur ein ver- messenes Spiel getrieben, muss jetzt Farbe bekennen; er muss nun entweder den ganzen Zorn seines Kaisers über sich ergeh'n lassen, oder die Fahne des Hochverrats offen aufpflanzen.

Wie? Sollt' ichs nun im Ernst erfüllen müssen, Weil ich zu frei gescherzt mit dem Gedanken?

Verflucht, wer mit dem Teufel spielt.

Beim grossen Gotlt des Himmels!-Es war nicht

Mein Ernst, beschlossne Sache war es nie.

In dem Gedanken bloss gefiel ich mir,

Die Freiheit reizte mich, und das Vermögen.

In diesem entscheidenden Moment erscheint der schwedische Abgesandte

Oberst Wrangel; es beginnt die mündliche Unterhandlung; noch wünscht der Fürst Bedenkzeit, noch schwankt er:

Wenn eine Wahl noch wäre, noch ein milder er

Ausweg sich fände jetzt noch will ich ihn

Erwählen, und das äusserste vermeiden.