Aufsatz 
Schillers Wallenstein. Eine Vortragsprobe
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

Mich dem Augenblick frisch vertrauen,

Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,

Dass keine Sorg' mich mehr anwangdelt.

Wie wol thut uns der höhere Sinn des Kürassiers, der, obgleich Sol- dat mit Leib und Seele, doch auch Gefühl hat für andre Stände:

Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,

Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.

Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat, Ohne Heimat muss der Soldat

Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,

Darf sich an eig'nem Herde nicht wärmen.

Er muss vorbei an der Städte Glanz,

An des Dörfleins lustigen grünen Auen,

Die Traubenlese, den Erntekranz

Muss er wandernd von ferne schauen.

So sind auch der zweite Jäger, der Trompeter, die Tyroler Scharf- schützen, die Kroaten, die Marketenderin, womit Schiller der Tochter des Gastwirtes von Blasewitz, einem Dorfe bei Dresden, wohin er während seines Aufenthaltes bei Körner einige Male kam, ein unsterbliches Denkmal setzte, trefflich gezeichnete, nach Charackter, Nationalität und Stimmung wol unter- schiedene Gestalten.

Die allbekannte Kapuzinerpredigt dichtete Schiller erst kurz vor der ersten Aufführung, ein Band des Abraham a St. Clara hatte dazu den Impuls gegeben.

Wir haben also im Lager keine zusammenhängende Handlung, sondern aneinander gereihte Genrebilder voll lebendiger Wahrheit und Natürlichkeit, welche durch die freiere, volksthümliche Versart, Reimpaare mit meist vier Hebungen, nicht wenig gefördert wird.

Von der eigentlichen Handlung enthält das SchauspielDie Piccolomini die Exposition, das Trauerspiel:Wallenstein's Tod, die Katastrophe.

Inden Piccolomini begegnen uns gleich in den ersten Szenen zwei einander entgegenstehende Principien: Die übermütige Soldatesca, repräsen-