Aufsatz 
Schillers Wallenstein. Eine Vortragsprobe
Entstehung
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Uebrigens soll uns dieses Vorspiel nur den Geist und die Gesinnung des Wallenstein'schen Heeres vergegenwärtigen, dem der Kaiser wenig gilt, der Feldherr alles; es soll uns einen Blick werfen lassen in die Gefahr, wel- che der bestehenden Ordnung droht, wenn es den ehrgeizigen Friedland ge- lüsten sollte, von seiner furchtbaren Macht einen schlimmen Gebrauch zu machen:

Seine Macht ist's, die sein Herz verführt,

Sein Loger nur erklärt uns sein Verbrechen.

Es soll uns ferner ein Bild jener traurigen Zeit entrollen: Sechzehn Jahre der Verwüsltung, Des Raubs, des Elends sind dahin geflohn, In trüben Massen gähret noch die Welt, Und keine Friedenshoffnung strahlt von fern. Ein Tummelplalz von Waffen ist das Reich, Verödet sind die Städte, Magdeburg Ist Schutt, Gewerb und Kunstfleiss liegen nieder; Der Bürger gilt nichts mehr, der Krieger alles, Straflose Frechheit spricht den Sitten Hohn, Und rauhe Horden lagern sich, verwildect Im langen Krieg, auf dem verheerten Boden, es zeigt uns die übermütige Stimmung der verwilderten Krieger gegen den hifflosen Bauer, den bedrängten Bürger, gegen das ruhige, geordnete Leben, ja selbst gegen das ferne Staatsoberhaupt. Die einzelnen Krieger sind nach ihrer verschiedenen Individualität und Herkunft prächtig gezeichnete Gestalten, alle Söhne ihrer rauhen Zeit, aufge- wachsen auf dem Boden des wilden Lagerlebens, und, ausser den Arkebusie- 3 ren, begeisterte Jänger des rohen Kriegshandwerkes. Doch hat der Dichter auch hier die entsetzliche Wirklichkeit idealisirt; er hat die Rohheit, Gemeinheit, das unsägliche Elend jener fürchterlichen Leit nicht in voller Blösse aufgedeckt, sondern, echt poetisch, bloss angedeutet. Welch' eine herrliche Gestalt ist der Wachtmeister in seinem Eigen- dünkel und seiner Superklugheit, der erste Jäger in seinem gewissenlosen Leichtsinn, ein echter Repräsentant der kriecgerischen Abenteurer jener Zeit: Flott will ich leben und müssig geh'n, Alle Tage was Neues seh'n,