Aufsatz 
Rückblick auf die ersten 25 Jahre der Anstalt
Entstehung
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Maße zu verwirklichen. Auch durch Vorträge, die Angehörige anderer Berufskreise vor den Schülern hielten, suchte die Schule ihre Zöglinge nach mancherlei Richtungen hin anzuregen und für das Leben zu bilden. So hielt vor einigen Jahren ein Augenarzt in unserer Aula einen Vortrag über Bau, Pflege und Krankheiten des Auges, ein Landrichter sprach über die wichtigsten Grundsätze und Einrichtungen unseres Staats- und Rechtslebens, im letzten Winter unterrichtete ein praktischer Arzt unsere Primaner in der ersten Hilfe bei Unglücksfällen. Außerdem wurden Besichtigungen von technischen Werkstätten und Anlagen, von öffentlichen und gewerblichen Einrichtungen, von Museen, Sammlungen und historischen Denkmälern im Laufe der Jahre wiederholt mit den Schülern unternommen. Dazu kommt eine wohlgeordnete, reichhaltige Schülerbibliothek, die den Schülern Unterhaltung, Anregung und Belehrung auf den verschiedensten Gebieten gewährt.

Der körperlichen Ausbildung ihrer Zöglinge hat die Schule zu jeder Zeit eine besondere Fürsorge gewidmet. Außerhalb des lehrplanmäßigen Turnunterrichts wurden unter der Leitung zweier Lehrer besondere Spielstunden abgehalten, die von den Schülern, namentlich aus den unteren und mittleren Klassen, gern und eifrig besucht wurden. In den ersten Jahren fanden sie auf dem Schulhofe statt, von 1897 ab auf dem Spielplatz im Prüfling; seit 1910 wird der schöne Spielplatz im Ostpark benutzt. Auch der edle Ruder- sport wird seit 1895 von der Anstalt eifrig gepflegt. Zu wiederholten Malen hat unsere Mannschaft beim Schülerwettrudern der hiesigen höheren Lehranstalten den Sieg davon- getragen. Die Ausbildung unserer Ruderer besorgt Jahr für Jahr der Frankfurter Ruderverein, dem die Anstalt dafür zu besonderem Danke verbunden ist. Für die Förderung des Schwim- mens erfreut sich die Anstalt eines staatlichen Zuschusses, der es unseren Schülern ermöglicht, in einer Badeanstalt im Main zu bestimmten Stunden unter Aufsicht eines Anstaltslehrers gegen einen ermäßigten Preis das Schwimmen zu lernen und zu üben. Auch am Wettschwimmen beteiligten sich unsere Schüler wiederholt mit gutem Erfolg; davon legen mehrere Ehren- urkunden Zeugnis ab, die die Wände unserer Anstalt schmücken.

Dem kameradschaftlichen Verkehr, der Selbsterziehung und Selbstbelehrung der Schüler dienten mehrere Schülervereine. Der älteste, gegründet 1906, ist der Schüler-Steno- graphenverein(Stolze-Schrey)Kaiser Friedrich. Die Erfolge des Vereins sind aner- kennenswert. In Prima gibt es jetzt nur wenige Schüler, die nicht stenographieren können. Durch Unterhaltungsstunden undWerbeabende, zu denen ihnen die Aula oder der Gesang- saal überlassen werden, sucht sich der Verein bei den Schülern und deren Eltern Freunde zu gewinnen. Ein Schülerturnverein wurde im Jahre 1911 gegründet. Der 18. Oktober, der Geburtstag Kaiser Friedrichs, gilt als Stiftungstag. Der erste Protektor des Vereins war der Kandidat Dr. Fritz Kahle(jetzt Oberlehrer in Düsseldorf). Nach seinem Scheiden von der Anstalt hat der Lehrer Georg Mahrt das Protektorat über den Verein in dankens- werter Weise übernommen. Ein Violinchor übt im Winter unter der Leitung des Gesang- lehrers Döpfer. Der Chor trat bei besonderen Gelegenheiten, wie an Kaisers Geburtstag und bei musikalischen Abendunterhaltungen mit seinen Leistungen wiederholt an die ÖOffent- lichkeit und hat immer allgemeine Anerkennung gefunden. Auch in dramatischen Auffüh- rungen haben sich die Schüler versucht und zwar in folgenden: Am 19. Dezember 1891: Musikalisch-theatralische Abendunterhaltung, Akt II und III von Uhlands Herzog Ernst von Schwaben; 15. und 16. Dezember 1893: Antigone von Sophokles in der Bearbeitung von