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Wilbrandt; 1. und 2. März 1895: Philotas von Lessing, Le diplomate par Scribe, der Teufel mit dem alten Weib von Hans Sachs; 14. und 16. Dezember 1899: Die Perser des Aeschylus, übersetzt von H. Koechly, vertont von dem Erbprinzen Bernhard von Meiningen; 2. und 4. No- vember 1905: König Oedipus von Sophokles in der Bearbeitung von A. Wilbrandt.— Als der erste Direktor der Anstalt, Geheimer Regierungsrat Dr. Ha rtwig, in den Ruhestand trat, führte die Abschiedsfeier eine größere Anzahl früherer Schüler zu einem„Verein ehema- liger Kaiser-Friedrichs-Gymnasiasten“ zusammen. Der Verein bemüht sich, den Zusammenhalt zwischen den ehemaligen Schülern des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums und zwischen diesen und der Schule zu wahren. Er ist zugleich darauf bedacht, ein Stiftungs- kapital zu sammeln, das ehemalige Schüler während ihrer Studienzeit unterstützen soll. Zurzeit zühlt der Verein 125 Mitglieder. Der erste Vorsitzende des Vereins war der Kandidat W. Frölich; gegenwärtig wird der Verein von Dr. Erich Schwartze, Oberlehrer an dem hiesigen Oberlyzeum, geleitet. Die Zusammenkünfte der ehemaligen Schüler, an denen Mitglieder des Lehrerkollegiums gern teilnehmen, legen Zeugnis ab von der dem Gymnasium bewahrten Treue, Anhänglichkeit und Dankbarkeit.
Als ein Beweis dafür, daß die Anstalt auch bei den Eltern der Schüler freundliches Wohlwollen und gütige Anerkennung gefunden hat, darf wohl die Gründung der Kaiserin- Friedrich-Stiftung gelten. Frau Freifrau von Bethmann, deren Söhne unsere Anstalt besucht hatten, überwies im Jahre 1909 aus Anlaß des fünfzigsten Geburtstages Sr. Majestät der Anstalt eine Summe von 2000 ℳ als Grundstock einer Stiftung, die zum ehrenden Gedächtnis Sr. Majestät hochseligen Frau- Mutter den Namen„Kaiserin-Friedrich-Stiftung“ erhielt und den Zweck verfolgt, den Hinterbliebenen der Lehrer(auch der nicht festange- stellten) und der Beamten der Anstalt im Falle des Bedürfnisses Beihilfen zu gewähren. Die Satzung der Stiftung ist im Jahresbericht 1910 abgedruckt.
Schließlich sei noch erwähnt, daß das Kaiser-Friedrichs-Gymnasium mit den anderen höheren Lehranstalten unserer Stadt, insbesondere mit denen, die humanistischen Charakter tragen, immer freundliche Beziehungen unterhalten hat. Der edle Wetteifer, die segensreiche Berufsgemeinschaft, in die die junge Anstalt eintrat, gründete sich besonders auf den schon bei der Eröffnung ausgesprochenen Wunsch,„Selbst Tüchtiges zu leisten und sich der Tüch- tigkeit der Schwesteranstalten zu freuen“.
Zu dem Wachsen, Blühen und Gedeihen der Anstalt haben viele tüchtige Männer ihr gut Teil beigetragen; sie haben ihr bestes Wissen und Können freudig in den Dienst der Schule gestellt. Besonderer Dank aber gebührt den Herren, die bei der Gründung der Anstalt in den Lehrkörper eingetreten sind und ihr bis heute ihre treuen Dienste gewidmet haben. Möge ihnen noch eine lange gesegnete Wirksamkeit an der Anstalt beschieden sein. Der Anstalt selbst wünschen wir, daß Gottesfurcht und Königstreue auch ferner ihre festesten Stützen sein und bleiben mögen und daß der Geist der Liebe und des Friedens stets die Herzen der Lehrenden und Lernenden erfülle. Möge die Aussaat des Geistes und der Gesittung immer herrlicher aufgehen und noch reichere Frucht bringen zur Ehre Gottes, zum Wohle unserer Schüler und zum Heile unseres geliebten deutschen Vaterlandes.
Mit diesem Segenswunsche scheidet der Unterzeichnete von der Anstalt, an der zu
wirken ihm eine Freude und Ehre war. Dr. Rudolf Busse.


