Aufsatz 
Rückblick auf die ersten 25 Jahre der Anstalt
Entstehung
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direktor Dr. Greiff, den Allerhöchsten Erlaß bekannt machte, daß Seine Majestät geruht hatten, der Anstalt den Namen Kaiser-Friedrichs-Gymnasium beizulegen. Es war dies ein köstliches Geschenk, das Seine Majestät der jungen Schule durch Verleihung Seines Kaiser- lichen Namens in die Wiege legte, und dieses erhebende Zeichen Allerhöchster Huld und Gnade wird für alle Zeiten Lehrern und Schülern der Anstalt ein Antrieb sein, sich des kaiserlichen Stifters würdig zu erweisen.

Im Namen des Königlichen Provinzialschulkollegiums sprach Herr Provinzialschulrat D. Dr. Lahmeyer der jungen Anstalt warme, zu Herzen gehende Glück- und Segenswünsche aus. Auch dieses Gymnasium solle kräftiges Zeugnis ablegen, daß es all sein Lernen, all sein Forschen, all sein Vermögen in den Dienst stelle für Gott, König und Vaterland. Der Direktor führte in längerer Rede aus, wie die Gymnasialbildung eine religiös-sittliche, eine propädeutisch-wissenschaftliche und eine deutsch-nationale sein solle. Die Schule möge sich zur Ehre Gottes und zum Frommen ihrer Zöglinge bewähren als Pflanz- und Pflegestätte echt christlicher Gesinnung, gründlicher humanistischer Bildung und treuer, hingebender Vaterlandsliebe.

So hatte das erste Königliche Gymnasium in der Stadt Frankfurt der Erziehung der Jugend seine Pforten geöffnet. Der Bedeutung der Anstalt entsprach das stattliche Gebäude nach innen und außen. Die Klassenzimmer waren einfach, aber zweckmäßig ausgestattet. Der schöne Festsaal war mit einer wohltönenden Orgel versehen, das physikalische Lehr- zimmer, der Zeichensaal, Gesangsaal, die Sammlungsräume zweckentsprechend eingerichtet, die Turnhalle geräumig, hell und mit Geräten wohl ausgerüstet, der Schulhof groß und mit alten breitästigen Platanen bepflanzt. Die Anstalt konnte als eine musterhaft eingerichtete Schule gelten. Seitdem sind freilich die Ansprüche an unsere Schulbauten gestiegen, neue großartige Schulgebäude der Stadt Frankfurt haben den Bau des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums übertroffen, aber noch immer hat die Anstalt mit ihren äußeren Einrichtungen allen Anforde- rungen voll genügen können; sie bildet mit dem Dienstwohngebäude des Direktors und den gärtnerischen Anlagen eine Zierde des östlichen Stadtteils.

Die Anstalt entwickelte sich in den nächsten Jahren in dem erwarteten Maße; 1889 konnte die UI, 1890 die O1 eröffnet werden. Die erste Reifeprüfung fand am 13. Februar 1891 unter dem Vorsitz des Königlichen Provinzialschulrats Herrn Geheimen Regierungsrat D. Dr. Lahmeyer statt. Sämtliche Schüler der 0 I, acht an der Zahl, bestanden die Prüfung, unter ihnen ein von Geburt an bplinder Schüler, der in beiden Teilen der Prüfung, in der schriftlichen wie in der mündlichen, den Anforderungen in vollem Umfange genügte. Seitdem haben im ganzen 352 Oberprimaner die Schule mit dem Zeugnis der Reife verlassen, und mancher unter ihnen hat bereits, obgleich noch jung an Jahren, der Anstalt durch besondere wissenschaftliche oder berufliche Leistungen Ehre gemacht.

In den äußeren Einrichtungen trat im Laufe der Jahre da und dort noch eine Ande- rung ein. Im Jahre 1904/05 wurde an der Turnhalle ein Ankleidezimmer und ein Geräteraum angebaut; im Jahre 1909 ist die mangelhafte Luftheizung durch eine Niederdruckdampfheizung ersetzt worden, die eine wesentliche Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse für Lehrer und Schüler bedeutet, und endlich ist im letzten Jahre mit der Einführung elektrischen Lichtes zunächst in der Aula, im Zeichensaal und in dem physikalischen Lehrzimmer und seinen Nebenräumen begonnen worden.