Das Kgl. Kaiser Friedrichs-Gymnasium wurde bei Beginn des Sommerhalb- jahrs 1888 eröffnet und vollendet mit diesem Schuljahr das fünfundzwanzigste Jahr seines Bestehens.
Bereits seit Anfang der achtziger Jahre war die Gründung eines neuen humanistischen Gymnasiums in der Stadt Frankfurt zu einem dringenden Bedürfnis geworden. Das Städtische Gymnasium in der Junghofstraße hatte an Schülerzahl so zugenommen, daß es längst nicht mehr alle Anmeldungen berücksichtigen konnte; selbst solche Schüler, die für den gymnasialen Unterricht wohl geeignet waren, mußten wegen Cberfüllung der Anstalt abgewiesen werden. Die Königliche Staatsregierung entschloß sich daher, nach längeren Verhandlungen mit der Verwaltung der Stadt, ein Königliches Gymnasium zu errichten, zu dem die Stadt vertrags- mäßig den Bauplatz kostenlos zur Verfügung stellte. Die Unterrichtsverwaltung nahm auf den Notstand des Städtischen Gymnasiums sogar soweit Rücksicht, daß sie sich bereit erklärte, das neue Gymnasium sogleich mit allen Klassen von Sexta bis Obersekunda zu eröffnen und auch die drei Klassen der Vorschule vollständig einzurichten. Demgegenüber verpflichteten sich die städtischen Behörden, eine bestimmte Schülerzahl in diesen Klassen zu gewährleisten und für den Fall, daß durch die freiwillige Anmeldung die festgesetzte Zahl nicht erreicht werden sollte, eine Anzahl von Schülern aus dem Städtischen Gymnasium der neuen Anstalt zu überweisen.
Im Jahr 1884 begann der Bau. Im Frühjahr 1888 war er fertiggestellt und die innere Ausstattung der Räume soweit vollendet, daß die Eröffnung für April in Aussicht genommen werden konnte. Zum Leiter der Anstalt war der Direktor des Königlichen Gymnasiums zu Hanau, Professor Dr. Theodor Hartwig, bereits seit dem 1. November 1887 in bestimmte Aussicht genommen. Mit ihm hat der Dezernent im Kgl. Provinzialschulkollegium, Herr Geheimer Regierungsrat D. Dr. Lahmeyer, während des Winters die nötigen Vorbereitungen für die Eröffnung der Anstalt mit großem Eifer betrieben und in einem ausgedehnten Schrift- wechsel alle Einzelheiten auf das fürsorglichste behandelt. Die Annahme der Anmeldungen hatte der Direktor des Städtischen Gymnasiums, Herr Dr. Reinhardt(jetzt Geheimer Ober- regierungsrat und vortragender Rat im Unterrichtsministerium), in dankenswerter Bereit- willigkeit übernommen. So konnte am 11. April 1888 unter der Beteiligung der Vertreter staatlicher und städtischer Behörden mit 184 Schülern, die sich auf die Vorschule und die Klassen VI— OII verteilten, die feierliche Eröffnung der Anustalt vollzogen werden.
Die Eröffnung fiel in eine ernste Zeit. Der greise Heldenkaiser war wenige Wochen vorher nach einem an Ruhm und Erfolgen unvergleichlichen Leben dahingeschieden und sein erlauchter Sohn, dem seit den Tagen von Weißenburg und Wörth Nord und Süd in gleicher Liebe und Verehrung zujubelten, hatte als Kaiser Friedrich III. schwerleidend den Thron seiner Väter bestiegen. Bange Sorgen erfüllte die Herzen der Deutschen, und alle zur Feier Versammelten hätten sich eine frohere Zeit für die Eröffnung der Anstalt gewünscht. Um so größer war die Freude, als der Vertreter des Herrn Ministers, Se. Exzellenz Herr Ministerial-
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