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die Augen der Schüler möglichſt geſchont werden ſollen. Dem Lehrer iſt es, wenn er auch beim Ein⸗ ſchreiben der Noten in die Hefte der Schüler ſich recht großer Schrift bedient, nicht ſchwer, dieſelben dahin zu bringen, daß ſie ebenfalls groß und deutlich ſchreiben. Am beſten weiſt er ſie an ſich in der Größe der Schrift genau nach den von ihm in ihre Hefte geſchriebenen Worten zu richten. Iſt ein Schüler im Zweifel, wie ein Wort zu trennen ſei, ſo gebe der Lehrer ihm die gewünſchte Auskunft und erkläre, zugleich an den betreffenden Beiſpielen die wichtigſten Regeln über die Silbentrennung. Iſt dies wieder⸗ holt geſchehen, ſo laſſe er ſich von dem Schüler das Wort gleich nach den Silben getrennt vorſagen und entſcheide nur, ob der Schüler das Richtige getroffen hat oder nicht.— Daß man bei der Fertigung der Abſchrift die Wörter, in denen etwas verfehlt worden iſt, unterſtreichen läßt, ¹) ſcheint deshalb bedenklich, weil die Schüler dann nur auf dieſe ihre Aufmerkſamkeit richten, und der Lehrer ſich leicht damit begnü⸗ gen wird nur die unterſtrichenen Wörter anzuſehen.
Die Verlegung der Abſchrift in die Stunde iſt deshalb notwendig, weil die Schüler, wenn ſie dieſelbe neben ihren ſonſtigen Arbeiten noch zu Hauſe fertigen ſollten, das von ihnen zu fordernde Maß der Arbeitszeit überſchreiten müßten. Doch bringt ſie den großen Vorteil mit ſich, daß die Schüler unter der Aufſicht des Lehrers die Abſchrift, die ja auch eine Übung im Schönſchreiben ſein ſoll, außer Ver⸗ hältnis beſſer machen, als dies ſonſt zu geſchehen pflegt.
Iſt die Abſchrift fertig, ſo ſetzen die Schüler die Korrektur darunter. Sämtliche Fehler werden der Reihe nach berichtigt und zwar jedes Wort genau ſo eingetragen, wie es in dem Exercitium hätte ſtehen müſſen; dies gilt auch von der Anwendung großer und kleiner Anfangsbuchſtaben. An der Arbeit ſelbſt wird nichts geändert; doch ſind die allenfalls fehlenden Interpunktionszeichen nachträglich einzufügen. — Während die Schüler mit der Ausarbeitung der Korrektur beſchäftigt ſind, läßt der Lehrer einen nach dem andern heraustreten und ſieht ſeine Abſchrift durch. Findet ſich auch nur ein Fehler, oder iſt ſie nicht von Anfang bis zu Ende mit größter Sorgfalt geſchrieben, ſo wird dem Schüler aufgegeben, für den folgenden Tag, an dem die Hefte wieder eingeſammelt werden, die Abſchrift nochmals zu machen.
Mit einer guten Klaſſe mag es der Lehrer ab und zu verſuchen nach vorausgegangener genauer Beſprechung des Exercitiums die Abſchrift fertigen zu laſſen, ohne daß er den Text an die Tafel ſchreibt. Die Schüler werden alsdann, wenn ſie dieſer Forderung gewärtig ſein müſſen, der Beſprechung ſtets mit der größten Aufmerkſamkeit folgen.
Gelegentlich kann der Lehrer auch die Aufgabe ſtellen, daß ein Stück des mündlich aus dem Deutſchen in das Lateiniſche übertragenen Übungsſtoffes zu Hauſe ſchriftlich überſetzt werde; oder laſſe er eine Anzahl von Wörtern verſchiedener Deklinationen in beſtimmten Kaſus niederſchreiben und ebenſo verſchiedene Verba in beſtimmten Konjugationsformen, auch zu Subſtantiven in einzelnen Kaſus Adjektiva ſetzen.*) Doch wird er ſolche häusliche ſchriftliche Arbeiten nur ausnahmsweiſe verlangen, ſtets getreu dem Grundſatze, daß die Hauptarbeit in die Schule, nicht auf das Haus verlegt werden muß, da ſonſt eine übermäßige Anſtrengung der Schüler unausbleiblich wäre.
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¹) Schwart, dir Organismus der Gymnaſien in ſeiner praktiſchen Geſtaltung, Berlin 1876, S. 30. ²) Ellger, der lateiniſche Unterricht in Sexta, Zeitſchr. für Gymnaſialweſen, 1873, S. 170. 4


