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mals vor und mache dabei die ihm nötig erſcheinenden Bemerkungen. Denn es wäre nicht zu billigen, wenn er den Schülern den Text in die Hand geben und ſie ſich dann ſelbſt überlaſſen wollte. ¹) Viel⸗ mehr mache er ſie auf etwaige Schwierigkeiten aufmerkſam. Doch dürfen dabei nicht ſolche Dinge zur Sprache gebracht werden, deren Kenntnis von den Schülern unbedingt verlangt werden muß. Meiſtens genügen kurze Andeutungen. Kommt z. B. das Wort„Bild“ in einem Satze vor, ſo bemerkt der Lehrer, wenn er es nicht den Schülern freiſtellen will eine der gelernten Vokabeln(imago oder effigies) zu wählen, es ſolle das Wort nach der 5. Deklination gebraucht werden. Die Jungen werden angewieſen, die be⸗ treffende Vokabel darüberzuſchreiben oder, wenn ſie ſich derſelben nicht ſogleich entſinnen können, einſtweilen die Bemerkung des Lehrers zu notieren. Gebraucht ein Schüler ein anderes als das bezeichnete Wort, ſo erhält er dafür einen Fehler, auch wenn die betreffende Bildung an ſich ganz richtig war.— Zu den Worten„wir ſind“ wird z. B. bemerkt, daß„wir“ an dieſer Stelle nicht beſonders zu überſetzen ſei; die Schüler ſtreichen es alsdann aus. Sollen mehrere Wörter des deutſchen Textes im Lateiniſchen durch ein einziges wiedergegeben werden, z. B.„ihr ſollt eingedenk ſein,“ ſo werden alle dieſe zuſammen⸗ gehörigen Wörter des Textes unterſtrichen. Dies geſchieht jedoch nur ſo lan=, als die betreffenden Bil⸗ dungen den Schülern noch einigermaßen neu ſind.
Hat der Lehrer zu einem Satze die nötigen Erläuterungen gegeben, ſo fragt er, ob jemand noch über einen Teil desſelben Auskunft wünſche. Die Schüler müſſen es durchaus vermeiden hierbei lateiniſche Wörter zu nennen. Nur ſolchen Frageſtellern wird eine Antwort erteilt, die nicht Dinge zu ergründen verſuchen, deren Kenntnis von ihnen gefordert werden kann.— Sobald die Schüler mit der Ausarbeitung der Überſetzung begonnen haben, geſtattet der Lehrer keinem mehr eine Frage an ihn zu richten, da als⸗ dann jede Störung vermieden werden muß.— Die einzelnen Arbeiten werden numeriert und mit dem Datum verſehen.— Haben die Schüler die Überſetzung fertig niedergeſchrieben, ſo muß ihnen noch ſo viel Zeit bleiben, daß ſie ihre Arbeit nochmals gründlich durchgehen können. Der Lehrer weiſe ſie an ſich dabei zunächſt zu überzeugen, ob ſie keine grammatiſchen, dann ob ſie keine orthographiſchen Fehler be⸗ gangen haben, zuletzt ob die Wortſtellung, die Interpunktion ꝛc. überall richtig iſt.
Von Zeit zu Zeit tritt an die Stelle des Exercitiums das Extemporale d. h. die Übung, bei wel⸗ cher der deutſche Text nur langſam vorgeſprochen doch nicht aufgezeichnet wird, ſo daß die Schüler ge⸗ nötigt ſind ſogleich die Üüberſetzung niederzuſchreiben.— Gegen das Ende des Sextakurſus laſſe der Lehrer manchmal den diktierten Text variieren. ²) Wenn die Schüler ſchon vielfach mündliche Übungen der Art vorgenommen haben, iſt dieſe Aufgabe, die ſie auf den freieren Gebrauch der Sprache vorbereiten ſoll, nicht zu ſchwierig.
Bei der Korrektur der Hefte unterſtreiche der Lehrer das Fehlerhafte und mache es durch einen Strich am Rande kenntlich, deſſen Stärke auch den Grad des Verſtoßes andeuten muß. Er bemerke ſich zugleich die hauptſächlichſten Fehler, indem er entweder bloß die betreffenden Wörter in ſeinem Texte unterſtreicht oder die falſchen Bildungen und die Namen der Schüler beſonders aufſchreibt. Sind viele Formen falſch gebildet worden, oder haben gar einige Schüler eine Anzahl von Vokabeln nicht gewußt, ſo iſt dies ein Beweis dafür, daß der Lehrer die Arbeit nicht genügend vorbereitet hatte.— Unter jedes Exercitium ſetze er außer der Angabe der Fehlerzahl noch eine Note. Dies iſt deshalb nötig, weil die Angehörigen der Schüler ſonſt nicht imſtande wären den Wert der Arbeit zu beurteilen. So lange noch die Einrichtung des Certierens beſtand, war es leicht nach dem Platze, den ein Schüler erhielt, auf den
¹) Schmid’'s Encyklopädie Bd. 11. S. 669. ²) Schiller, der lateiniſche Stil, S. 11. Schrader, Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre, S. 358.


