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ziemlich anſtrengend iſt; denn wenn der betreffende Schüler nicht vollkommen deutlich ſpricht, wird er von den zur Antwort aufgerufenen Mitſchülern nicht verſtanden.— Dem Lehrer erwächſt aus dieſem Verfahren der Vorteil, daß er die ganze Klaſſe beſtändig im Auge behalten kann.— Die Schüler, welche der Lehrer die Wörter abfragen läßt, betrachten dies als eine Auszeichnung, und ſolche, deren Fleiß anfangs zu wünſchen übrig ließ, die jedoch dann regelmäßig muſterhaft geantwortet haben, fühlen ſich, wenn der Lehrer ſie zum Abfragen aufruft, in ſeiner Achtung wieder völlig hergeſtellt und werden dadurch zu unabläſſiger Anſtrengung ermuntert.— Selbſtverſtändlich hat der abfragende Schüler ſich ſtreng an die im Vokabelheft oder Wörterverzeichnis gegebene Ordnung zu halten; auch muß die Reihenfolge der zum Antworten aufzurufenden Schüler in jeder Stunde eine andere ſein. Nie darf ein Schüler zur Antwort aufgerufen werden, ehe die Vokabel geleſen iſt. Daß der Schüler, der die eine Wörtergruppe abzufragen hatte, dieſe auch ſelbſt gewußt habe, wird der Lehrer ſchon annehmen können, wenn er die andere mit Sicherheit weiß. Am beſten läßt der Lehrer die Vokabeln ſtets gleich zu Anfang der Stunde abfragen; durch das raſche Antworten werden die Schüler zu reger Aufmerkſamkeit angeſpornt und zeigen alsdann auch bei den anderen Uebungen die gehörige Munterkeit.
Der antwortende Schüler wiederholt, ehe er die Bedeutung angiebt, immer zuerſt das geleſene Wort, damit ſich beide, in der ſtets gleichen Aufeinanderfolge, dem Gedächtniſſe recht feſt einprägen. Sind zu einer Vokabel mehrere Bedeutungen zu lernen, ſo werden ſie genau in der im Verzeichniſſe ein⸗ gehaltenen Ordnung angegeben. Wo es keine große Schwierigkeit hat, laſſe man gelegentlich auch von den Schülern ſelbſt feſtſtellen, welche von den angeführten Bedeutungen die älteſte iſt, und in welcher Seitfolge ſich die anderen aus dieſer Grundbedeutung entwickelt haben. So wird es nicht ſchwer fallen, wenn die Wörter fluvius, flumen, fluctus zum Vergleiche herbeigezogen ſind, herauszufinden, daß die Grundbedeutung von fluctuo„wogen“ iſt, und daß die Bedeutung„ſchwanken“ ſich erſt aus dieſer ent⸗ wickelt hat. Die Schüler ziehen daraus den Schluß, daß nicht nur die Form, ſondern auch die Bedeutung der Wörter keine feſte, ſondern im Laufe der Zeiten weitgehenden Veränderungen unterworfen iſt.
Weil im Wörterverzeichnis die Subſtantiva nicht nur nach der Endung, ſondern auch nach dem Geſchlechte gruppiert ſind, iſt es nicht nötig, daß jeder Schüler, wenn z. B. eine Anzahl masculina auf or aufgegeben waren, zu jeder Vokabel noch die Bezeichnung des Genus hinzuſetzt. Dies würde die Ant⸗ worten unendlich einförmig machen und viele Zeit koſten. Die Schüler prägen ſich ſchon infolge deſſen, daß die Vokabeln nach dem Geſchlechte geordnet ſind, dieſes leichter ein. Deshalb beſchränke ſich der Lehrer darauf einmal zu fragen, welches Geſchlecht die gelernten Wörter hätten. Bei den neu zu erler⸗ nenden Subſtantiven jedoch muß, wenn ſie verſchiedenen Deklinationen angehören, außer dem Genitiv auch das Genus angegeben werden.
Die Nominativformen der Adjektiva werden ſtets vollſtändig angeführt, alſo asper, aspera, as- perum; ruber, rubra, rubrum; celer, celeris, celere; pauper, pauper, pauper. Bei den Adjektiven einer Endung laſſe man von einer Anzahl von Schülern die Nominativform dreimal wiederholen, von den übrigen dieſelbe einmal ſagen und die des Genitivs hinzufügen. Zugleich mit jeder Gruppe von Adjektiven wird das entſprechende Beiſpiel der Grammatik repetiert.
Zu den regelmäßigen Verben nach der 1. Konjugation wird erſt dann das a verbo hinzugeſetzt, wenn die Schüler ſchon alle Formen des Aktivs gelernt haben, und ſomit jeder weiß, welche Formen es ſind, die man als die Stammformen anzuführen pflegt.
Der Lehrer wird, um völlig ſicher zu gehen, daß kein Schüler etwas Falſches in ſein Aufgaben⸗ heftchen einträgt, am beſten ſelbſt diktieren, was eingeſchrieben werden ſoll. Werden ſämtliche Aufgaben ſorgfältig notiert, ſo ſind auch die Eltern imſtande, die Hausarbeit zu kontrollieren. Um ſie dabei mög⸗
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