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schäftigung der Schüler werden nach einem billigen Maasstabe bemessen; in den oberen Klassen wird darauf gerechnet, dass dieselben auch Zeit für eigne Thätigkeit, zumal wenn sie sich nach einer bestimmten Seite hin wendet, behalten. In der Ueberzeugung, dass sie darin ein wohl berechnetes Maas beobachtet, lässt sie sich nicht durch die ent- gegengesetzten Urtheile beirren, von welchen die einen sich über Ueberbürdung der Schüler mit häuslichen Arbeiten beklagen, die andern darüber, dass die Schüler nicht genug mit Aufgaben versehen werden; ja sie sieht sogar in diesen widersprechenden Urtheilen eine Rechtfertigung des von ihr beobachteten Maasses.
Indem ich für diesmal diese Mittheilungen hiermit beschliesse, erlaube ich mir den Wunsch auszusprechen, dass die Eltern und Angehörigen unserer Schüler denselben ihre geneigte Beachtung zu Theil werden lassen, und behalte mir vor, dieselben bei nächster Gelegenheit fortzusetzen.
Chronik.
Das Schuljahr wurde am 16. April 1849 wieder eröffnet.
Die Stelle des am 26. Juli 1846 verstorbenen Oberlehrer Woltersdorf ist noch nicht wieder definitiv besetzt. Der Professor Dr. Johann Gottlieb Kunisch, welcher, wie ich früher berichtet, seit dem 1. Januar 1848, in Folge eines unglücklichen Falles an das Zimmer gefesselt, nicht mehr unterrichtet hatte, schied im Laufe des Jahres aus der Zahl der Lehrer aus, indem er durch Pensionirung in den Ruhestand versetzt wurde. Nicht ohne Betrübniss sahen seine Kollegen ihn aus ihrer Mitte treten, nachdem er durch siebenunddreissig Jahre an der Anstalt mit rastlosem Eifer ununterbrochen thätig gewesen war, und sich ihnen stets als ein wohigesinnter und wackerer Amtsgenosse, als ein theilnehmender und aufrichtiger Freund bewährt hatte. Die Anstalt wird seinen Leistungen und seiner Wirksamkeit ein dankbares Andenken bewahren. Die Stunden, welche demselben im Lektionsplane noch zugetheilt waren, wurden auf dieselbe Weise wie im vorigen Jahre vertreten.
Einen anderen sehr schweren Verlast erlitt die Anstalt durch den am 6. Juni er- folgten Tod des zweiten Lehrers an der Septima Wacholett. Derselbe war bald nach Ostern an einem Brustleiden erkrankt, welches in raschem Fortschritte seinem Leben nach wenigen Wochen ein Ziel setzte. Wenn ich hier seiner Thätigkeit an unserer Anstalt, welche auch bei den Eltern unserer Schüler dankbare Anerkennung gefunden hat, so wie der äusserst günstigen Erfolge derselben rühmend gedenke, so kann ich nicht verschweigen, dass dieser Verlust um so mehr zu beklagen ist, als dieser Lehrer mit einem aus dem Inneren seines Wesens entsprungenen Eifer eine seltene Lehrge- schicklichkeit und einen Umfang des Wissens verband, welcher ihn seine Aufgabe in ihrer ganzen Bedeutung zu würdigen befähigte.


