Aufsatz 
Einleitung zu einer Kasuslehre der griechischen Sprache und Gebrauch des Akkusativ / von G. R. Hoffmann
Entstehung
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flektiren finden und daran knüpfen, ist das Eigenschaftswort, recht sachgemäss griechisch 6ι˙ϑετεινον, lateinisch adjectivum genannt. Sein inniges Zusammengehen mit dem Sub- stantiv wird äusserlich durch die Abwandlung nach genus und casus und in der ersten Form des einfachen Satzes durch die copula sein,?uez vermittelt.

§ 4.

Diese erste und einfachste Verbindung des Substantiv mit einer ihm gehörigen Be- stimmung giebt den einfachen Satz: ein Subjekt(allgemeine Bestimmtheit) mit seinem Prädikat(besondere Bestimmung). Insofern sich darin der allgemeine Begriff des Sub- stantiv durch das aktive Verb selbst bestimmt oder seine Besondernng durch mich, den Urtheilenden, empfängt(Adjektiv mit copula), enthält er immer folgenden allgemeinen Inhalt: das Subjekt bestimmt sich selbst, oder: das Subjekt erhält durch den Urtheilen- den oder Sprechenden eine Bestimmung. Es kann aber endlich ein Subjekt eine Beson- derung weder durch sich selbst, noch durch mich, den Urtheilenden, erhalten, sondern durch ein drittes an sich fremdes, das sich damit an ihm betheiligt. Nehmen wir z. B.

den Satz: der Baum wird gesehen, so ist dieswird gesehen eine Bestimmung, die ich, der Urtheilende, zwar auffasse und ausspreche. Ich selbst aber habe sie nicht an das Subjekt herangebracht, sondern ich spreche wiederum nur das Verhältniss aus, in wel- chem der Baum zu einem andern Selbständigen steht, welches ihn sieht und durch dessen Selbstbestimmung sich diese Besonderung an ihm vollführt. Die Wortform dafür giebt die passive Form des Verb und die Zusammenstellung mit einem Subjekt den passiven Satz mit dem allgemeinen Inhalt: das Subjekt ist durch ein Andres bestimmt.

§ 5.

So wie im Substantiv eine Vielheit darin immanenter Bestimmungen verschlossen liegt, durch deren Heraussetzung es erst in besonderer Weise bestimmt wird, so sind und bleiben nicht minder diese so herausgesetzten Bestimmungen genauerer Besonderung fähig und bedürftig. Sie sind an und für sich ganz allgemeine Bezeichnungen, deren Bestimmtheit für den besonderen Fall wiederum noch in anderen Beziehungen ruhen kann. In dem Satz:der Knabe sieht hat sich das Subjekt zwar in seinem Prädikat bestimmt, doch ohne dass das Prädikat darum für sich selbst einer unbestimmten Allge- meinheit enthoben wäre.Sehen ist in dieser Allgemeinheit nämlich nur die Anweisung auf ein durch ein bestimmtes Bild, wie: Berg, Baum, Gegend, besondertes Sehen. Dies Sehen hat also seinen festen Inhalt in einer ausser ihm seienden Bestimmtheit, ja in der eines Substantiv. Damit ist aber für dieses Substantiv sein eigentliches Wesen, kraft dessen es sich nur auf sich beziehen muss, getilgt. Während Verba und Adjektiva eben Bestimmungen sind, die nur für das Substantiv gelten sollen, ist nun das Substantiv selbst für eine andere Wortform, für ein Verbum, als Bestimmung gesetzt. Es ist also in das Gegentheil seines Wesens verkehrt und dies wird an ihm durch die vom Nomi- nativ abwéichende Form angedeutet. So entstanden die verschieden abgewandelten For-