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neben ihr besondere Wortformen ausgeprägt sein, in welchen die in ihm haftenden Be- sonderungen, als zu ihm vermittelt, ihren Ausdruck flnden. Wir selbst treten dabei mit unserm Denken und Auffassen in ein doppeltes Verhältniss zu diesen Begriffen, je nach- dem wir dieselben als sich selbst bestimmend, oder durch uns bestimmt auffassen. So haben sich denn dafür auch zweierlei Wortformen gebildet. Das selbständige Allgemeine ist zunächst nicht durch uns bestimmt, sondern bestimmt sich durch sich selbst, d. i. es setzt eine der in ihr als verschwunden gedachten Bestimmungen nun als präsent ihr zu- kommend aus sich heraus. Zum sichtlichen und hörbaren Ausdruck dafür bedarf es einer eignen Wortform, d. i. das Verb in seiner aktiven Form. So enthalten also die Verben nicht mehr Bestimmungen, die auf sich selbst bezogen gedacht werden, sondern solche, die für das Substantiv gelten und in denen sich dasselbe selbst bestimmt. Sage ich z. B.:„der Baum blüht,“ so ist Baum und blüht als in organischer, innerlicher, un- mittelbarer Einheit gefasst, und nicht ich mit meinem Denken und Beobachten bin est der dieselbe setzt und hervorbringt, vielmehr hat das Subjekt selbst in seinem Prädika, sich aus sich eine ihm präsente Bestimmtheit herausgeboren und ich mit meinem Sagen und Denken bin nur das todte Aussprechen und Dollmetschen dieses Verhältnisses. Ge- wöhnlich erklärt man das Verb als eine Thätigkeit des Substantiv bezeichnend; allein Thun ist an sich schon eine ganz bestimmte Selbstbestimmung und schliesst somit eine Menge derselben von sich aus. Leiden, das Gegentheil von Thuen, wäre dann gar kein Verbum mehr, da doch in Wahrheit beide, thuen wie leiden, Bestimmungen sind, die wir als Selbsthestimmungen der Substantiva auffassen und danach geformt haben.
§ 3.
Das selbständige Allgemeine hat aber nicht blos Bestimmungen an sich, die es sich selbst giebt, sondern ich durch mein Denken, Urtheilen, Unterscheiden, finde an ihm noch andre Bestimmungen, die ich ihm also selbst gebe und beilege. So denke und spreche ich:„der Baum ist schön.“ Schön ist nämlich nicht eine Bestimmung, die der Baum qua Baum sich selbst giebt, sondern ich, der Urtheilende, durch mein Reflektiren auf ihn und andre, bringe die an sich gesonderte Bestimmung„schön“ an„Baum“ und vermittle durch mein Denken die Einheit zwischen beiden. Noch deutlicher zeigt dies die Vergleichung der beiden Sätze:„die Flur ist blühend' und„der Baum ist blühend.“ Im ersten Fall nämlich ist die Einheit zwischen„blühend“ und„Flur“ auch durch die Form des Satzes in unsre Vorstellungskraft verlegt, und wir nehmen an diesem Ausdruck keinen Anstoss, da er der Wirklichkeit durchaus entspricht. Weniger angemessen dage- gen lautet der Satz:„der Baum ist blühend“; denn die ursprüngliche innere Einheit zwi- schen beiden ist nun gebrochen und in ein fremdes Medium mein Denken verlegt. Dich- terisch erlauben wir uns wiederum mit vollem Recht die Ausdrucksweise:„die Flur blüht“ und setzen dann in der Form des Satzes ein Sichselbstbestimmen der Flur, indem wir sie gleichsam personificiren. Die Wortform nun für solche Bestimmungen, die ihre Beziehung nicht auf sich, sondern auf das Substantiv haben, und die wir an demselben durch unser Re-


