Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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terredung mit dem außerordentlichen Geſandten des Königs von England, Lord Arthur Chicheſter of Belfaſt, deſſen Sekretär er bei der Weiterreiſe mitnahm. So gelangte Ludwig am Abend des 28. Juni nach dreiwöchentlicher Gefangenſchaft wieder wohlbehalten in Darmſtadt an, freudig begrüßt von ſeinen Untertanen.*)

An demſelben Tage, an welchem Mansfeld die Mannheimer Rheinbrücke überſchrit⸗ ten hatte und nach Landau aufgebrochen war, waren Tilly und Cordova bei Steinheim und Aſchaffenburg über den Main geſetzt,(23. Juni) um zur Beſetzung der Unterpfalz zu ſchrei⸗ ten.*) Als Landgraf Ludwig nach Darmſtadt zurückkehrte, befand ſich das ligiſtiſche Hauptquartier gerade in Eberſtadt, und er begab ſich ſchon am folgenden Tage mit dem engliſchen Sekretär dorthin, um ſich ſeines Auftrages zu entledigen, der jetzt gerade in dem Augenblicke, wo die Feldherrn der Liga zum letzten entſcheidenden Schlage ausholten und im Begriffe waren, die Früchte ihres Sieges zu ernten, wenig Ausſicht auf Verwirk⸗ lichung hatte. Tilly weigerte ſich denn auch, in den Waffenſtillſtand zu willigen ohne ausdrücklichen Befehl des Kaiſers und des Herzogs von Bayern. Selbſt Cordova erkannte den Befehl aus Brüſſel nicht an, weil er ja die Bedingung enthalte, daß der Kaiſer und Herzog Maximilian mit der Waffenruhe einverſtanden ſein müßten. Dem Drängen des Engländers nachgebend, erklärte ſich Landgraf Ludwig bereit, eine gemeinſame Be⸗ ſprechung mit Johann Schweikart, dem Erzbiſchof von Mainz, herbeizuführen, um durch ihn beim Kaiſer den Befehl zur Einſtellung der Feindſeligkeiten zu erwirken. Natürlich verliefen auch dort die Unterhandlungen reſultatlos. Bei der jetzigen Kriegslage hatte außer dem engliſchen Unterhändler keiner der Beteiligten ein Intereſſe an dem Waffen⸗ ſtillſtand. Auch Landgraf Ludwig lag an dem Zuſtandekommen der Waffenruhe wenig. Hatte er doch bei Fortſetzung der Feindſeligkeiten die baldige Befreiung ſeines Landes von der ligiſtiſchen Armee zu erhoffen.

So mußte der engliſche Sekretär wieder unverichteter Dinge nach Mannheim zurück⸗ kehren, und die kriegeriſchen Ereigniſſe, die zur Beſetzung der Unterpfalz führten, nahmen ihren Fortgang.

Wirtſchaftliche und politiſche Folgen des mansfeldſchen Einfalles für die Landgraſfſchaft Heſſen-Darmſtadt. 1

Als die Ligatruppen bei ihrem Durchzug am 1. Juli die heſſiſche Nordgrenze über⸗ ſchritten, um die Belagerung Heidelbergs in Angriff zu nehmen, da kamen für die Land⸗ grafſchaft nach acht ſchweren Monaten wieder ruhigere Zeiten. Indeſſen konnten die un⸗ heilwollen Erſchütterungen, welche der Einfall der Pfälzer auf wirtſchaftlichem Gebiete zur Folge hatte, nur langſam überwunden werden. Zwar gelang es, den Bewohnern des Landes, ihren Viehbeſtand teilweiſe durch Ankauf von geraubtem Vieh bei den durchziehen⸗ den ligiſtiſchen Truppen wieder zu ergänzen und damit die größte Not zu beheben.) Handel und Wandel lagen jedoch vollkommmen darnieder. Die Zerrüttung der Währungs⸗ verhältniſſe, welche ſich ſchon ſeit dem Jahre 1621 im ganzen Reichsgebiete fühlbar gemacht

20) Buchs Chronik Seite 163. H. A. II. Convol. 66. III. Seite 126. Die nach Frankfurt geflüchteten Räte an Landgraf Georg. 3 31) H. A. Convol. 66. I. Seite 396 und Seite 272..

¹) Ueber die Verwirrung jener Tage auf wirtſchaftlichem Gebiete insbeſondere im Münzweſen, ſiehe: Hoffmeiſter, Beſchreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen heſſiſchen Münzen. Band 1I. Seite 195 ff. .») Frankfurter Stadtarchiv Abt. Krieg und Frieden Convol. 6. Seite 37. Ebenda: Reichsangelegen⸗ heiten 1532 b. Verhandlungen wegen Rückkaufs von Vieh, das in Sachſenhauſen geraubt worden war.