Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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Lord Chicheſters vermochten aber an der Entſcheidung nichts mehr zu ändern.*) Nur ſo iſt es erklärlich, daß Mansfeld ſeinen Verbündeten in den entſcheidenden Tagen vom 15. bis 20. Juni, entgegen ſeinem gegebenen Verſprechen, im Stiche ließ. Markgraf Georg Friedrich von Baden, der ſich durch das Eingreifen des engliſchen Geſandten, allein der Rache des Kaiſers preisgegeben ſah, verließ das pfälziſche Hauptquartier in höchſtem Un⸗ willen über die Nachgiebigkeit des Pfalzgrafen, ohne ſich von dieſem zu verabſchieden. (18. Juni.) Er kehrte nach Durlach zurück mit dem Entſchluſſe, ſeine Truppen abzudanken.**)

Drückendſter Mangel an Lebensmitteln swang Mansfeld, nachdem er die Ueberreſte der braunſchweigiſchen Armee an ſich gezogen hatte, zum Abmarſch über die Rheinbrücke nach Landau. Während des Abmarſches ritt Pfalzgraf Friedrich vor die Wohnung ſeines Gefangenen, um ſich von ihm zu verabſchieden. Doch ſchon drei Tage ſpäter erhielt Ludwig die ſchriftliche Aufforderung, dem Heere nach Landau zu folgen. Oberſtleutnant Gyffen gab ihm mit einer Reiterkompagnie dahin das Geleit. In Landau traf der Landgraf den württembergiſchen Geſandten von Buwinghauſen, der eigens ſeiner Befreiung wegen von Herzog Friedrich abgeſchickt worden war und den ausdrücklichen Befehl hatte, ſich auch bei Landgraf Ludwig zu melden. Sofort nach ſeiner Ankunft wurden dieſem von dem pfäl⸗ ziſchen Kanzler Vollrat von Pleſſen der Entwurf eines aus drei Punkten beſtehenden Reverſes vorgelegt und ihm die Mitteilung gemacht, daß er nach deſſen Unterzeichnung ſofort aus der Gefangenſchaft entlaſſen werden ſolle.*) Pfalzgraf Friedrich richtete da⸗ rinnen die Forderung an ſeinen Gefangenen, ſich für ſeine Reſtitution bei dem Kaiſer zu verwenden und für die bisherige Behandlung keine Rache zu üben. Der Landgraf wei⸗ gerte ſich zunächſt, die verlangten Verpflichtungen zu unterzeichnen mit der Begründung, daß er ſich durchaus keiner Schuld bewußt ſei und auch fernerhin gegen die Pfalz nichts Feindliches im Schilde führe, wenn man ihn nur unangefochten laſſe. Erſt auf eindring⸗ liches Zureden Buwinghauſens ließ er ſich ſchließlich zu Verhandlungen herbei. Der Ge⸗ ſandte machte den Landgrafen auf die große Gefahr aufmerkſam, in ver er ſich befinde, und gab ihm den Rat, ſich möglichſt bald aus der Gewalt der mansfeldſchen Scharen zu be⸗ freien, da nach Anſicht der Führer wegen der hohen Soldrückſtände und der Lebenenittel⸗ not eine Meuterei der Truppen zu befürchten ſei.**) Nachdem ihm noch einige Aende⸗ rungen im Wortlaut des Reverſes zugeſichert und der dem Pfalzgrafen beigelegte Titel des Königs von Böhmen daraus beſeitigt war, erklärte ſich Ludwig ſchließlich, wenn auch unter Proteſt, zur Unterſchrift bereit und übernahm folgende Verpflichtungen.*)

Erſtlich, daß dieſelbige bei der Kaiſerlichen Majeſtät und ſonſten einen General⸗ und beſtändigen Frieden in Deutſchland ſamt der Reſtitution der Churpfalz zugehörigen ſonderlich aber ahnererbten Landen und dignitet, So viel S. fürſtl. Gnaden möglich ver⸗ mitteln und befördern helfen wollte.

Zum andern, daß dieſelbige wider die Churpfalz in dieſem Kriegsweſen dero Land und angehörige nichts feindliches vornehmen wolle, Inmaßen S. fürſtl. Gnaden auch gleichergeſtalt zugeſagt und verſprochen worden. Zum dritten, daß S. fürſtl. Gnaden wegen deßen, daß bei dieſem weſen biß dato vorgangen nichts rechen wollen noch anden.

* Pfalzgraf Friedrich an ſeine Gemahlin Mannheim, den 11./,21. Juni 1622. Abgedruckt bei X. Seirhan zgraf Friedrich, von Bayern, Franken, Pfalz und Schwaben, Band II. Seite 140.

Deux jours devant que cela est arrivé(Höchst) l'ambassadeur qui est ici à envoyé vers Cordua et Tilly pour traiter une treve sur l'assurance que l'on lui avoit donné commandement. Cordua a avoué le commandement mais s'est remis à Tilly et luy à l'Empereur et Duc de Bavière ainsi on les envoye plus loin. Lembassadeur en est fort scandalisé et dit le vouloir remontrer au roy comme ils procedent faussement Nous ne craignons rien plus que faute de vivres. 3

N Ss taendierhegfeia

²2] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 25. Protokollum deſſen, was ſich vom 27. Mai /6. Juni bis 17./27a,dän Rerfiodeterwol 66. II. Seite 150. Erklärung Landgraf Ludwigs auf die abermals von Pleſſen übergehfnen un tonwol. 65. VII. Seite 174. Der Landauer Revers.

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