Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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gen der Befreiung Landgraf Ludwigs vorſtellig zu werden.*) An ihrer Spitze ſtand Graf Philipp Reinhard von Solms, von der Ritterſchaft ſtand ihm Philipp von Scholley und von den Räten der Vizekanzler Dr. Jakob Jungmann zur Seite. Sie erreichten jedoch Mannheim nicht mehr, ſondern kehrten auf die Kunde von der Entlaſſung des Landgraf Ludwigs aus der Haft in Darmſtadt wieder um. Dem gefangenen Landgrafen ſelbſt wa⸗ ren übrigens die Verhandlungen mit ſeinem Vetter Moritz durchaus unerwünſcht. Beſon⸗ ders als ſich die Wagſchale des Kriegsglücks ſichtbar mehr auf die Seite des Kaiſers neigte, hätte er ihn am liebſten ganz in der Reihe von deſſen Feinden geſehen. Aus dieſem Grunde ließ er ſchon bei der Entlaſſung ſeines Sohnes Johann durch ſeinen Begleiter, den Kam⸗ mexjunker von Münnichrod, dem Kommandanten von Gießen neben der Auforderung zu treuem Ausharren den Befehl zukommen, ſich mit Landgraf Moritz in Unterhandlungen irgendwelcher Art überhaupt nicht einzulaſſen.**)

Die Haft Landgraf Ludwigs in Mannheim war eine äußerſt milde. Er nahm täg⸗ lich an der pfalzgräflichen Tafel teil und hatte die Erlaubnis, auf dem Feſtungswall ſpa⸗ zieren zu gehen. Pfalzgraf Friedrich überzeugte ſich perſönlich davon, daß er in ſeinem Quartier gut untergebracht war.*) Auch wurde ſeiner Bitte um Freilaſſung ſeines Soh⸗ nes, damit dieſer in ſeiner Erziehung und ſeinem Unterricht keinen Schaden erleide, an⸗ ſtandslos willfahrt. Wie ſehr ſich Pfalzgraf Friedrich täuſchte, wenn er ſich dadurch in dem Landgrafen einen wohlwollenden Vermittler für die Verhandlungen mit dem Kaiſer zu gewinnen hoffte, wurde bereits an anderer Stelle gezeigt. Dieſer benützte vielmehr ſein Entgegenkommen nur dazu, den Plänen des Pfalzgrafen nach Möglichkeit entgegen⸗ zuarbeiten, zumal da es ihm nicht entging, daß das Einvernehmen zwiſchen dem Pfalz⸗

grafen und ſeinem Verbündeten, dem Markgrafen Georg Friedrich von Baden, nicht mehr das beſte war.*)

Am 12. Juni war nänlich ein kölniſches Schiff in Mannheim angekommen, das eine engliſche Geſandtſchaft an Bord hatte.*½) Lord Chicheſter, der an ihrer Spitze ſtand, hatte den ſtrikten Befehl König Jakobs von England an ſeinen Schwiegerſohn zu überbringen, die Feindſeligkeiten abzubrechen und unter keinen Umſtänden mehr die pfälziſche Grenze zu überſchreiten. Chicheſter behauptete, daß bei den Verhandlungen in Brüſſel ein Waffen⸗ ſtillſtand abgeſchloſſen worden ſei, und daß er gekommen ſei, den Brüſſeler Abmachungen Geltung zu verſchaffen.*) Auch an Tilly und Cordova wurde ein Bote abgeſandt, um den Befehl der Infantin Iſabella, der ſpaniſchen Statthalterin in Brüſſel, zur Waffenruhe zu übermitteln. Dieſe hielten den Boten einige Tag hin, und da ſie nunmehr die Gewiß⸗ heit hatten, daß von Mansfeld nichts zu fürchten ſei, konnten ſie ungeſtört mit allen ver⸗ fügbaren Streitkräften zum entſcheidenden Schlage gegen Chriſtian von Braunſchweig aus⸗ holen.*) Erſt der Kanonendonner von Höchſt erbrachte der pfälziſchen Heeresleitung den Beweis, daß man falſches Spiel mit ihr getrieben hatte. Der Zorn und die Drohungen

¹²) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 69. Landgraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach an Johann Georg von Sachſen⸗ den 25 Tun 142: iexnen Con el 03 VII. Landgraf Moritz von Heſſen⸗Caſſel an Landaraf

ilipp von Heſſen⸗Butzbach, den 23. Juni 1622.

1 85 mnhhe 65. 1. Feiſg D5l olf von Weitolshauſen an Landgraf Philipp von Heſſen⸗ utzbach aus Gießen, den 12./22. Juni 1622..

1 44) H. A. ieben den 65. II. Seite 24. Protokollum deſſen, was ſich vom 27. Mai/ 6. Juni bis 17./27. Iun reifheie: außerdem H. A. II. Convol. 66. Seite 309. Landgraf von Heſſen⸗Butzbach an Joh. Georg von Sachſen.

15 19 A. II. Convol. 65. II. S. 21.

¹] Buchs Chronik Seite 361,.

¹7]) H. A. II. Convol. 66. II. Seite 309. Landgraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach an Joh. Georg von Sachſen, den 18. Juni 1622. 3.

18) H. A. Abt. II. Convol, 66. Fasz. III. Seite 67. Memorial was Buwinahauſen mit Vorwiſſen des Pfalzgrafen mit mir geredt. Weil dann der Kaiſer der Infanta die Handlung hat ganz heimgeſtellt zu Brüſſel der anſtandt gewilligt auch Don Gonzalo und dem Tilly ſolches notificierret, ſonder Zweifel aber von Inen, weil der Hertzog von Braunſchweig dazumal, in dem Stift Mainz gelegen und in der Kluppe geweſen, nit ingegangen werden können.