Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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einfallen zu laſſen. Gab er doch dem heſſiſchen Geſandten, Rittmeiſter Wilhelm von Schätzel, unumwunden zu, daß er vorhabe, ſelbſt nach Darmſtadt zu gehen um dort nach dem Rechten zu ſehen. Dieſer war von Gießen aus, wo ſämtliche in Oberheſſen ſtehenden Kompagnien beim Anmarſche Chriſtians von Braunſchweig zuſammengezogen waren, an Landgraf Moritz abgeſchickt worden, um Klage über den Einfall Mansfelds bei ihm zu führen und ſeinen Beiſtand zu erbitten. In Mirklichkeit ſollte er ſich jedoch Klarheit über deſſen Haltung verſchaffen und dem Kommandanten von Gießen, Wolf von Weitolshauſen, darüber Bericht erſtatten. Er war ziemlich barſch von dem Landgrafen, der ſich gerade in Nordeck aufhielt, abgefertigt worden und befürchtete das Schlimmſte.) Am Himmel⸗ ſahrtstage(9. Juni) erſchien Landgraf Moritz unmittelbar vor der Ankunft des Braun⸗ ſchweigers in Alsfeld, wo er ſich als Herr aufſpielte und offen die Abſicht ausſprach, den Kommandanten von Gießen gefangen nach Marburg bringen zu laſſen.*) Der offene An⸗ ſchluß Heſſen⸗Caſſels an die Sache des Pfalzgrafen ſchien damals bereits vollzogen. Nur die Bedenken ſeiner Räte und der Vertreter der heſſiſchen Ritterſchaft ließen den Land⸗ grafen noch zögern. Voller Ungeduld verlangte er am 10. Juni, daß ſie ſich innerhalb 24 Stunden entſchloſſen haben müßten, in der Hoffnung, daß inzwiſchen die Nachricht von der Niederlage Tillys und dem Mainübergang Mansfelds eintreffen müſſe.) Die Meldung von deſſen eiligem Rückzuge nach der Pfalz bewirkte, daß nunmehr der geplante Anſchluß trotz wiederholter Aufforderung durch den Braunſchweiger unterblieb. Von jenem Augen⸗ blicke ab trat ein unverkennbarer Umſchwung in der Haltung des Landgrafen Moritz gegen ſeinen Darmſtädter Vetter ein. Er ſelbſt regte nun eine Zuſammenkunft mit deſſen Bru⸗ der Philipp von Heſſen⸗Butzbach an, die am 12. Juni in Treis an der Lumda ſtattfand, doch geht aus dem Verlaufe der Beſprechung deutlich hervor, daß ihm die Sache des Pfäl⸗ zers noch nicht ganz hoffnungslos erſchien.**) Die Gegenſätze der beiden Fürſten in der Auffaſſung der geſamten politiſchen Lage waren ſo groß, daß die Beſprechung ergebnislos verlaufen mußte. So kam ein gemeinſamer Einſpruch(Intercession) beim Pfalzgrafen wegen der Gefangennahme Ludwigs ſchon deshalb nicht zu ſtande, weil man ſich in der Anrede auf den böhmiſchen Königstitel nicht einigen konnte. Als man nun die Frage erörterte, weſſen Schutz die herrenloſe Landgrafſchaft anvertraut werden ſollte, da traten die Gegenſätze noch ſchärfer hervor. Auf Landgraf Philipps Vorſchlag, den Kurfürſten von Sachſen als Schutzherrn zu beſtellen, machte Moritz den Gegenvorſchlag, unter den jetzigen Umſtänden ſei es zweckmäßiger, das Land unter den Schutz Herzog Chriſtians von Braunſchweig zu ſtellen und ihm zu dieſem Zwecke die Feſtung Gießen einzuräumen. Daraufhin wurde die Beſprechung von Landgraf Philipp ziemlich unwillig abgebrochen.*) Während der Rückzug Mansfelds aus Heſſen⸗Darmſtadt die Neutralität des Landgrafen Moritz zur Folge hatte, bewog ihn die Nachricht von der Niederlage bei Höchſt dazu, ſeinem gefangenen Vetter gegenüber eine geradezu freundſchaftliche Haltung an den Tag zu legen. Er beeilte ſich nunmehr, eine ganze Geſandtſchaft an den Pfalzgrafen abzuordnen, um we⸗

) St. A. Abteilung Marburger Succeſſion Convol. 27. Bericht Schätzel über ſeine Sendung zu Landarf Moritz von Heſſen⸗Caſſel; ferner H. A. II, Convol. 65. VII. Seite 261. Ebenda Convol. 66. III. Seite 17. Wolf von Weitolshauſen an Landaraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach, Gießen, den 10./20. Juni 1622.

³) St. A. Convol. 24. Seite 373 und 385. Spricht dort wiederholt die Abſicht aus, am folgenden Tage in Gießen zu ſein.

*) St. A. Abt. Marburger Succeſſion Convol. 27. Landaraf Moritz an Chriſtian von Braunſchweig. Nordeck, den 10. Juni labgefangener Brief, der nach Alsfeld beſtimmt war)...

si que selon le recit du dit mon trompet on attend d'heure en heure la defaite de l'ennemi et une sursuivante rendition de la ville d'Achaffenbourg....

jai proposé aussi à mon conseil d'Etat et à la noblesse de mon pais rengée en bon nombre pres mon dit armée, comme utilment nous nous puissions joindre avec la bonne partie dont j attend aujourd hui la conclusion

¹⁰] H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 47. Landgraf Moritz von Heſſen⸗Caſſel an Landaraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach, den 1./ 10. Juni 1622.

¹1] H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 105. Bericht über die Unterreduna in Treis an d. L.