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Erfolgreiche Derhandlungen zur Befreiung des gefangenen Landgrafen
Daß dem Pfalzgrafen die Gefangenhaltung Landgraf Ludwigs als ein gefährliches Unternehmen erſchien, beweiſt ſchon die Tatſache, daß er es für nötig hielt, ſich ſchon am 7. Juni in einem Rechtfertigungsſchreiben an die Fürſten des niederſächſiſchen Kreiſes zu wenden.¹*) Er ſuchte darinnen den Beweis zu erbringen, daß er den Landgrafen fer⸗ nerhin als ſeinen Feind betrachten müſſe. Während er ſein Eindringen in das Heſſen⸗ land mit Verpflegungsſchwierigkeiten zu entſchuldigen ſuchte, klagte er ſeinen Gefangenen unverhohlener Unterſtützung ſeiner Feinde an; die Proviantzufuhren für die Spanier ſo⸗ wohl, wie für die bayriſche Armee, offene Feindſeligkeiten im Gefechte bei Kirtorf, die Verſuche, die Heidelberger Räte während ſeiner eigenen Abweſenheit zur Aufgabe aller feſten Plätze zu überreden, ſchließlich die heimlich unternommene Flucht, all das waren Gründe, die es dem Pfalzgrafen unmöglich machten, den Landgrafen noch als Neutralen zu betrachten. Auf die Kunde von der Abführung Ludwigs nach Mannheim ließ deſſen Bruder Landgraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach nichts unverſucht, um das Verhalten des Pfalzgrafen als das eines wortbrüchigen Friedensbrechers zu brandmarken. Er wandte ſich um Hülfe an die Erbverbrüderten Heſſens, die Kurfürſten von Sachſen und Branden⸗ burg, er erbat das Eingreifen des Kaiſers, Maximilians von Bayern und des Erzbiſchofs von Mainz, er ſuchte um Vermittlung nach bei dem König von Dänemark, bei dem Herzog von Württemberg und ſogar bei ſeinem Vetter, dem Landgrafen Moritz von Heſſen⸗ Caſſel, um ſeinem Bruder ſobald als möglich die Freiheit wieder zu verſchaffen.*) Tat⸗ ſächliche Unterſtützung fand er jedoch nur bei Sachſen und Württemberg. Johann Georg von Sachſen trat nämlich ſofort mit Tilly in Verhandlungen, um einen Austauſch des Landgrafen mit dem bei Lorſch gefangenen Pfalzgrafen Chriſtian von Birkenfeld⸗Biſch⸗ weiler anzuregen.*) Gleichzeitig gab er ſeinem Geſandten bei den Brüſſeler Friedens⸗ verhandlungen, Hans Georg von Pöllnitz, Anweiſung, dort unter beſonderer Einwirkung auf den engliſchen Geſandten auf die bedingungsloſe Freigabe Landgraf Ludwigs zu dringen. Herzog Friedrich von Württemberg ſchickte ſogar einen Sondergeſandten, den württembergiſchen Rat von Buwinghauſen, der über die Freilaſſung des Landgrafen un⸗ mittelbar mit dem Pfalzgrafen Verhandlungen anknüpfen ſollte.*)
Beſonders ſchwer mag es Landgraf Philipp geworden ſein, Landgraf Moritz von Heſſen⸗Caſſel, mit dem er perſönlich auf ſehr geſpanntem Fuße ſtand, um Vermittelung bei dem Pfalzgrafen anzugehen. Wenn er ſich auch von deſſen bandiuß bei der Gegen⸗ partei viel verſprach, ſo überwog bei ihm doch das Mißtrauen gegen ſeinen Vetter, und er wollte ihn durch ſein Vorgehen wohl zwingen, offen Farbe gegen den gefangenen Landgrafen zu bekennen.*) In den Tagen des mansfeldſchen Einfalls teilte Philipp von Butzbach mit ſeinem Bruder die Beürchtuna daß mit einer Ueberrumpelung Gießens durch Landgraf Moritz zu rechnen ſei.*) Tatſächlich war dieſer Argwohn nicht unbegrün⸗ det. Landgraf Moritz hatte die Abſicht, ſich offen an die pfälziſche Partei anzuſchließen und ſeine Truppen mit denen Chriſtians von Braunſchweig in das Darmſtädter Gebiet
¹) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 197. Pfalzgraf Friedrich an die Fürſten des niederſächſiſchen Kreiſes Daymſtadts den 28. Mai/7. Juni 1622. Siehe Beilage III.
²] H. A. Convol. 65. VII. und Convol. 66. III. enthält den umfangreichen Schrſitrerlehr Land⸗
graf Wjiltbos von Heſſen⸗Butzbach mit zahlreichen Fürſten wegen der Befreiung ſeines Bruders. A. Convol. 65. VII. Seite 27. Johann Georg von Sachſen an Tilly. Langenſalza, den
22. J 172. Juli 1622. Ebenda Seite 195. Johann Georg von Sachſen an Hans Georg von Pöllnitz in Brüſfel, den 24. Juni /4. Juli 1622.
³]) H. A. II. Come 66. l. Seite 118. Joh. Friedrich von Württemberg an Ludwig Friedrich von Württemberg auß Stuttgart, den 10./20. Juni 1622.
⁵) H. A. II. Convol. 66, III. Seite 12. Landgraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach, den 26. /4. Juni 1622: ebenda Seite 11 8 30. Mai /8. Juni 1622.
³) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 287. Landgraf Philipp von Heſſen⸗B. an Wolf von Weitolshauſen, den Kommandanten von Gießen, den 6./ 16. Juni 1622. Ebenda Seite 284.


