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allen verfügbaren Streitkräften bei Aſchaffenburg den Main überſchritt und nach Heran⸗ ziehung der böhmiſchen Truppen des Generals Caraccioli zum entſcheidenden Schlage gegen den Welfenherzog ausholte, nichts zu deſſen Unterſtützung unternahm.*) Erſt der Kanonendonner der Schlacht von Höchſt rüttelte Mansfeld aus ſeiner Ruhe auf. Jetzt alar⸗ mierte er ſeine Armee und ſetzte ſie nach Norden in Marſch, viel zu ſpät, um bei der Ent⸗ ſcheidung mitwirken zu können.*) Nur die Reiterei überſchritt nochmals 52 Kornet ſtark die heſſiſche Grenze. Am Pfingſtmontage, nachmittags gegen 5 Uhr, zog ſie im Eilmarſch an Zwingenberg vorüber.*) In Pfungſtadt wurde halt gemacht, da ihr nichts anderes übrig blieb, als die Trümmer der bei Höchſt geſchlagenen Armee aufzunehmen. Um die Flüchtlinge zu ſammeln und ſie auf die richtage Straße aufmerkſam zu machen, wurden in Pfungſtadt nach Einbruch der Dunkelheit von den Dächern verſchiedener Häuſer Feuer⸗ zeichen gegeben, wobei mehrere Gebäude aus Unvorſichtigkeit in Brand gerieten.*) Schon gegen Mitternacht erſchienen die mansfeldſchen Reiter in eiligem Rückmarſch wieder bei Zwingenberg. Sie geleiteten die geſammelten Ueberreſte der braunſchweigiſchen Armee nach Bensheim, wo auch der Herzog ſich einquartierte.“) Andere ganz erſchöpfte Trup⸗ penteile begehrten unter Drohungen Einlaß in Zwingenberg und nur gegen das Ver⸗ ſprechen, ſie mit Proviant zu beliefern, bequemten ſie ſich zu einem Biwak auf der nahen Weide, wo ſie 4 Fuder Wein, 2 Fuder Bier, 600 Brote und 15 Malter Hafer in Empfang nahmen. In ſtändiger Furcht vor der Verfolgung der Kroaten ſetzten ſie ſchon in aller Frühe ihren Marſch in Richtung Bensheim fort.*) Der Vorbeimarſch verſprengter Trup⸗ penteile dauerte indeſſen bis zum Mittag des 21. Juni; alle ſuchten in höchſter Eile die ſchützende pfälziſche Grenze zu erreichen.“) Auch die Infanterie Mansfelds war noch am Schlachttage mit nördlicher Marſchrichtung abmarſchiert, hatte aber die heſſiſche Grenze nicht mehr erreicht, ſondern war auf die Nachricht von der Höchſter Niederlage ſofort wieder in ihr Lager zurückgekehrt.*) Chriſtian von Braunſchweig führte bei ſeiner An⸗ kunft in Maunheim bittere Klage darüber, daß man ihn ſo ſchmählich im Stiche ge⸗ laſſen hatte.“*
Es waren die gerade ſchwebenden diplomatiſchen Verhandlungen, die Mansfeld in jenen entſcheidenden Tagen vom 15. bis 20. Juni die Hände banden. Auf ſie ſoll im Folgenden näher eingegangen werden, zumal da auch der gefangene Landgraf eine Rolle dabei ſpielte.
³) H. A.II. Convol. 66. I. Seite 321. Dex Vitztum von Aſchaffenburg, Hans Philipp von Hoheneck, an die Darmſtädter Räte, den 18. Juni 1622. Am letzten Donnerstag(16. Juni) iſt die bayriſche und ſpaniſche Armee 121 Cornet Reiter und 16 000 Mann zu Fuß durchmarſchiert, Haben geſtrigen Tages Rendez⸗vous bei Kahl in der Grafſchaft Hanau gehalten(mit General Caraccioli). 4 4
³) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 301. Der Keller von Zwingenberg an die Darmſtädter Räte, den 9./ 19. Juni 1622. Er meldet, daß Mansfeld marſchbereit iſt, die Bergſtraße herunter zu ziehen.
⁵³) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 177. Die Darmſtädter Räte an den Vitzthum zu Aſchaffenburg, den 12. /22. Juni 1622.—. 1
³) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 143. Ausſage von Pfungſtädter Einwohnern. Die Feuerzeichen werden nrit in Brand geſetzten Strohwiſchen, die an Beſen befeſtigt ſind, von den Dächern des Dorfes aus gegeben. 8.
f§. A. II. Convol. 65. II. Seite 21. Dazu ſiehe Kartenſlizze 3.
8] St. A. VIII. Convol. 27. Seite. Kriegsſchädenliſte von Zwingenberg.
) Buchs Chronik Seite 861. 1..
¹) H. A. II. Convol. 65. II. Seite 24. Prtokollum deſſen, was ſich vom 27. Mai/ 6. Juni bis 17./27. Juni ereignete. 3. 3
¹¹]) H. A. II. Convol. 65. II. Seite 37. Er wollte nach Behmen durch ſein(Sachſen) Land gangen ſein, wan man In nit hette hieher gehohlet und danach Im auch nit entiegen kommen und in ſtich gelaſſen.


