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heim in Freiheit geſetzt und kehrte nach Darmſtadt zurück.*) Ludwig benützte dieſe Ver⸗ günſtigung nur dazu, um die zurückgebliebenen Räte zu weiterem Widerſtande zu ermu⸗ tigen. Insbeſondere ließ er dem Kommandanten von Gießen Befehl zukommen, die Feſtung unter allen Umſtänden zu halten.*) Dieſe Räte richteten, den Anweiſungen Tillys folgend, ihr Hauptaugenmerk auf die Verſtärkung von Rüſſelsheim. In den Dör⸗ fern Büttelborn, Groß⸗Gerau und Trebur wurden ſämtlichen jungen Bauern ausgehoben und zur Vervollſtändigung der Beſatzung in die Feſtung gezogen.*) Außerdem wurden ihre Vorräte an Lunten und Blei ſowie der Proviantvorrat weſentlich erhöht durch Zu⸗ fuhr von Darmſtadt.*) Ferner mußten auf Befehl des Landgrafen ſchleunigſt alle Ori⸗ ginalſchreiben aus der Darmſtädter Kanzlei nach Frankfurt in Sicherheit gebracht wer⸗ den.“) Als dieſer Befehl am Vormittage des 19. Juni ausgeführt werden ſollte und Landgraf Johann ſich gleichzeitig, begleitet von einer ſtarken Eskorte der Reiterkompagnie Moſpachs, nach Frankfurt flüchten wollte, ließ Chriſtian von Braunſchweig, der wohl durch Spione von dieſem Vorhaben unterrichtet war, ein größeres Kommando von Rei⸗ tern über den Main ſetzen, um es zu vereiteln. Nur durch Zufall entgingen die Flücht⸗ linge den Braunſchweigern, die ihre geſamte Begleitmannſchaft auf dem Rückwege gefan⸗ gen nahmen und in ihr Lager bei Höchſt ſchleppten.*¹)
Ernſt von Mansfeld und die Schlacht bei Höchſt
Man hat den Rückzug Ernſts von Mansfeld aus dem Darmſtädter Land als einen der ſchwerſten ſtrategiſchſten Fehler des dreißigjährigen Krieges bezeichnet, obwohl dieſer bei der damaligen Kriegslage kaum anders handeln konnte und den Rückzug in die Pfalz auch mit anerkennenswertem Geſchick durchgeführt hat. Auch nachher hätte Mansfeld noch eine entſcheidende Wendung in der Kriegslage am Oberrhein herbeiführen können, wenn er ſich zu rechtzeitiger Unterſtützung Chriſtians von Braunſchweig aufgerafft hätte. Es ſcheint unbegreiflich, daß er die Gelegenheit hierzu ungenützt verſtreichen ließ, als die Bergſtraße am 15. Juni von Tilly aufs neue geräumt worden war und die Landgrafſchaft den Pfäl⸗ zern bis zur Mainlinie hin offenſtand.*) Nur dadurch, daß Mansfeld ruhig in jenen entſcheidungsvollen Tagen im Lager bei Mannheim ſtehen blieb und die ſpaniſche⸗ligi⸗ ſtiſche Heeresleitung ihre ganze Aufmerkſamkeit ungeſtört der aus dem Norden heran⸗ nahenden Armee Chriſtians von Braunſchweig zuwenden ließ, machte er die Niederlage bei Höchſt möglich. Dabei hatte er den Braunſchweiger durch eine Offizierspatrouille, die in Schotten in deſſen Hauptquartier am 11. Juni eintraf, über ſeinen Rückzug unterrich⸗ tet und ihn wiſſen laſſen, daß er ſich in dem feſten Höchſt einen Uebergangspunkt zur Ueberwindung des Untermains gewinnen könne, wobei er ihm ſeine tatkräftige Unter⸗ ſtützung zuſicherte.*) Um ſo erſtaunlicher iſt es, daß er, ſelbſt als Tilly am 16. Juni mit
¹⁰) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 337. Darnach erfolgte die Freilaſſung des jungen Landgrafen auf
Erſuchen ſeines Vaters,„damit er nicht an ſeinen studiys und education gehindert werde.“ . 0)] H. A. II. Convol. 66. II. Seite 261.— 265. Langraf Philipp von Heſſen⸗Butzbach an Wolf von
Weitolshauſen, den Kommandanten von Gießen, den 16./26. Juni 1622. 4
2¹ſ St. A. VIII. Abt. II. Convol. 30. Die nach Frankfurt geflüchteten Räte an den Keller von Rüſſelsheim, den 5./25. Juni 1623.
²²] H. A. II. Convol. 66. I. Seite 345. Der Centgraf von Rüſſelsheim an die Darmſtädter Räte, den 6./16. Juni 1622. Ebenda Convol. 66. II. Seite 33. Die nach Frankfurt geflüchteten an die Darmſtädter Räte, den 5./15. Juni 1622. 3
²3ſ H. A. II. Convol. 66. I. Seite 329. Die nach Frankfurt geflüchteten an die Darmſtädter Räte, den 4./ 14. Juni 1622.
²¹) Buchs Chronik Seite 361. Ferner: H. A. Convol. 66. I. Seite 188. ¹) Tann ſiehe Kartenſkizze 3.
.») St. A. VIII. Convol. 24. Seite 324. Angaben des Stadtwirts zu Schotten, Henrich von Rehe, der hörte, wie ſich der mansfeldſche Offizier ſeines Auftrages bei dem Herzoge entledigte.


