34
wurde jedoch dem Befehle Folge geleiſtet, teils weil die Bewohner noch nicht nach Hauſe zurückgekehrt waren, teils weil ſie ihre in der Nähe des Paſſes liegenden Verteidiger, die Spanier, ſo ſehr fürchteten, daß ſie lieber dem Befehl nicht folgten.“*) Auf Vorſchlag des Zwingenberger Kommandanten von Pfuel wurden deshalb die Ausbeſſerungsarbeiten bis zum Abmarſche der Spanier verſchoben, zumal da die Zerſtörungen nur geringfügiger Natur waren.) Die großen Verpflegungsſchwierigkeiten der Ligatruppen beunruhigten die in Darmſtadt verbliebenen Räte ſehr. Sie waren nicht in der Lage, die von Tilly ge⸗ ſtellten Forderungen auch nur annähernd zu erfüllen und wandten ſich deshalb um Hilfe an den Erzbiſchof von Mainz.*¹*) Dieſer ließ ſich jedoch zur Lieferung von Lebensmitteln nicht herbei, ſondern vertröſtete ſie nur auf den baldigen Abmarſch der Ligiſten aus der Landgrafſchaft.*) Die Not ſtieg, und am Morgen des 14. Juni erſchienen die Soldaten Tillys aus dem Eberſtädter Biwak in Maſſen vom Hunger getrieben vor den Toren der Landeshauptſtadt, deren Oeffnung ſie unter ſtürmiſchen Drohungen erzwangen.*) Er⸗ leichtert atmete die Bevölkerung auf, als am folgenden Tage der Abmarſch der Bayern nach Dieburg und der Spanier nach Roßdorf erfolgte.“) Andererſeits wurde dadurch aber wieder die Beſorgnis vor der Rückkehr Mansfelds geſteigert. Zwar überwog zu⸗ nächſt die aus dem Norden drohende Gefahr, denn die Zwingenberger Beſatzung, die Kom⸗ pagnie des Kapitäns von Pfuel, wurde am 16. Juni nach Rüſſelsheim gezogen.“*) Auf die Ermahnungen Tillys hin, die Bewegungen Mansfelds genau zu überwachen und ihm von jeglicher Aenderung Mitteilung zu machen, gaben die Darmſtädter Räte dem Keller von Zwingenberg Befehl, ſich dieſer Aufgabe zu unterziehen.“*) Daraufhin ſtellte dieſer bei Tag und Nacht zwei Mann am Zwingenberger Paß auf, um jeden Durchziehenden auszufragen. An jedem Vormittage und Nachmittage ſchickte er außerdem einen Boten auf Kundſchaft die Bergſtraße aufwärts. Aus dem gleichen Grunde wurde auch mit dem Kommandanten der ſpaniſchen Beſatzung auf der Starkenburg Verbindung aufgenom⸗ men.*) Doch Mansfeld lagerte in jenen Tagen ruhig bei Mannheim, während Pfalz⸗ graf Friedrich mit dem gefangenen Landgrafen ſich in dieſem feſten Platze aufhielt. Die Gefangennahme Ludwigs, die ſeines feindſeligen Verhaltens wegen aus Gründen der Sicherheit erfolgt war, erſchien, ſolange ſich die pfälziſche Armee auf heſſiſchem Boden befand, vollkommen gerechtfertigt. Ihre fernere Aufrechterhaltung nach dem Rückzuge auf pfäl⸗ ziſches Gebiet war jedoch zwecklos. Wenn Pfalzgraf Friedrich den Heſſenfürſten auch jetzt noch feſthielt, ſo war daran nur die Ueberſchätzung des Einfluſſes ſchuld, den man ihm als Unterhändler auf den Gang der diplomatiſchen Verhandlungen pfälziſcherſeits zu⸗ ſchrieb. Aus dieſem Grunde ließ man ihm auch die beſte Behandlung zuteil werden.*) So wurde auf ſeinen Wunſch der junge Landgraf Johann ſchon am 14. Juni in Mann⸗
*) H. A. II. Convol. 66. Seite 130. Schreiben der Darmſtädter Räte an Tilly vom 7./17. Juni 1622.
¹⁰) H. A. II. Convol. 66. Seite 325. Hans Georg v. Pfuel an die Darmſtädter Räte, Zwingenberg, den 4./ 14. Juni 1622...—.
¹¹]) H. A. II. 66. II. Seite 26. Schreiben der Darmſtädter an die nach Frankfurt geflüchteten Räte vom 3./ 13. Juni 1622.. 4
¹²) H. A. II. Convol, 66. I. Seite 158. Die Darmſtädter Räte an den Erzbiſchof von Mainz, den 4./ 14. Juni 1622; ferner H. A. II. Convol. 66. I. Seite 331. Johann Schweikard von Mainz an die Darm⸗ ſtädter Räte. 4—
¹3]) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 162. Die Darmſtädter an die nach Frankfurt geflüchteten Räte.
¹4) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 342. Tilly an Landgraf Johann aus Dieburg, den 16. Juni 1622. . ¹5) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 170. Die Darmſtädter Räte an den Keller und Centgrafen zu
Zwingenberg, den 7./17. Juni 1622..—
¹0) Ebenda Seite 175. Die Darmſtädter Räte an den Keller und Centgrafen zu Zwingenberg, den
8./18. Juni 1622. 1 1) G. A. II. Convol. 66. I. Seite 301. Der Keller von Zwingenberg an die Darmſtädter Räte.
Zwingenberg, den 9./ 19. Juni 1622; ebenda Seite 312. Der Vitzthum von Aſchaffenburg an die Darm⸗ ſtädter Räte vom 18. Juni 1622.. 3 35 4
¹8] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 24. Protokollum deſſen, was ſich vom 27. Mai bis 27. Juni er⸗ eignete. So lang S. fürſtl. Gn. zue Manheim geweſen, ſeindt ſie alle Malzeit zue des Pfalzgrauen tafel erfordert worden, welcher gar auch einmal mit bis an das quartir gegangen, zu ſehen wie ſie accommodirt weren.


