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zu, in der Hoffnung, daß der Landgraf, um die ungebetenen Gäſte möglichſt bald los zu werden, ihre Forderungen deſto eher erfüllen werde. Dieſer wurde jedoch nur dadurch zu noch hartnäckigerer Ablehnung aufgeſtachelt.
Sicherungsmaßnahmen gegen ein erneutes Vordringen Mansfelds
Ein lähmendes Entſetzen lag über der Bevölkerung der Landgrafſchaft nach dem Ab⸗ zuge Mansfelds. Nur zögernd wagten ſich die Bewohner in ihre ausgeplünderten Dörfer zurück. Im Amte Lichtenberg kehrten vorerſt nur die Männer heim, während die Frauen und Kinder ſich noch zu Hunderten im Schutzbereich der Feſte Lichtenberg aufhielten. ¹) Man hatte allen Grund, auch den Befreiern zu mißtrauen, denn dieſe entblödeten ſich nicht, das zu rauben, was die Mansfelder übrig gelaſſen hatten. So wurden die Rheinorte Stockſtadt und Leeheim am 10. Juni in barbariſcher Weiſe von den Spaniern ausge⸗ plündert.*) Erhöht wurde die allenthalben herrſchende Beſtürzung durch das Herannahen Chriſtians von Braunſchweig, der am Himmelfahrtstage in Alsfeld heſſiſchen Boden be⸗ treten hatte und über den Vogelsberg das Niddatal abwärts ziehend ſich dem Untermain näherte. Seine Scharen waren nicht weniger gefürchtet als die Mansfelds, da man mit ihrer Rache für das Kirtorfer Treffen zu rechnen hatte.—
Als nun gar am 11. Juni die Bayern ihr Lager bei Auerbach abbrachen und ſich nordwärts bis nach Eberſtadt zurückzogen, da verloren die in Darmſtadt zurückgebliebenen Räte vollkommen den Kopf. Man ſah im Geiſte ſchon die Horden Mansfelds aufs neue über die entblößte Südgrenze vorbrechen.*) Hofmarſchall Georg von Riedeſel flüchtete mit den jungen Prinzen nach Frankfurt und vermehrte dadurch die Angſt der Bevöl⸗ kerung.) In dem Kirchengebete wurde der drohenden Gefahren beſonders gedacht und die Hülfe Gottes gegen ſie angerufen.*)
Tilly ſelbſt, der ſein Hauptquartier in Eberſtadt hatte, während die Armee zwi⸗ ſchen Eberſtadt und Pfungſtadt biwakierte, machte die Darmſtädter Räte auf die gefahr⸗ volle Lage des Landes aufmerkſam.*) Er forderte eine gründliche Ausbeſſerung der Zwingen⸗ berger Landwehr, zu deren Ueberwachung die Spanier beſtimmt waren, die ihr Lager ſeit 10. Juni in unmittelbarſter Nähe des Paſſes auſgeſchlagen hatten.*) Von ihnen ſollte man ſich die nötigen Anweiſungen für die Ausbeſſerung erteilen laſſen. Daraufhin wurden ſämtliche Aemter der Oberlandgrafſchaft Katzenelnbogen angewieſen, alle männlichen Bewohner mit Schanzgerät und Verpflegung für 2—3 Tage nach Zwingenberg zu entbieten.“) Nirgends
¹) H. A. II. Convol. 66. Seite 109. Bericht. Schrautenbachs, des Kommandanten von Lichtenbera, an den Statthalter Georg Riedeſel von Eiſenbach aus Lichtenberg vom 31. Mai /9. Juni 1622.. — ²) Buchs Chronik Seite 360; ferner H. A. II. Convol. 66. Seite 30. Beſchwerdeſchreiben, welches die in Darmſtadt gebliebenen Räte an Tilly richten, wegen der Plünderungen ſeiner Truppen aus Darmſtadt, den 4. /14. Juni 1622; außerdem ebenda Seite 21. Der Jägermeiſter von Hertingshauſen an den Statt⸗ halter Riedeſel von Eiſenbach aus Darmſtadt, den 7.717. Juni 1622...
) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 162; ferner H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 263. Landaraf
Friehrich will noch eine Weile da bleiben dem Landvolk zum Troſt, denn wegen des Abzugs der jungen Herrſchaften werden die Leute gar kleinmütig.
²) Buchs Chronik Seite 365. Bey dieſen itzigen ſchweren gefehrlichen Kriegsweſen, da faſt alle Junker der Haſen im Bußen geſteckt, von Darmbſtats und L. L. Unterthanen gewichen, iſt allein Hertings⸗ hauſen, Jegermeiſter blieben....
⁵) H. A. II. Convol. 66. I. 319. ferner ebenda II. 138 und 169— 176 Verhandlungen der nach Frank⸗ furt geflüchteten Räte mit den in Darmſtadt zurückgebliebenen über Feſtſetzung eines Bußtags und des Kirchengebets; außerdem ebenda Convol. 66. 1. Seite 224. Wortlaut des Gebetes; ſiehe Beilage VI.
*) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 11. Tilly an die Darmſtädter Räte aus Eberſtadt vom 12. Juni 1622.
*]) H. A. II. Convol. 66. Seite 325. Kapitän Hans Georg v. Pfuel an die Darmſtädter Räte. Zwin⸗ genberg, den 4./14. Juni 1622. Die ganze ſpaniſche Armada liegt hier am Paß im Felde. 1
H. A. II. Convol. II. Seite 138. Befehl an die Untertanen, Mittwoch den 15. Juni in Zwingen⸗ berg zu erſcheinen.


