Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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gelang es ihnen, ſich überall in den Beſitz mehr oder weniger großer Beträge zu ſetzen. Dadurch wurden jedoch nur immer neue Forderer angelockt, ohne daß der gewünſchte Er⸗ folg erzielt worden wäre.*) Schon am nächſten Tage ſetzte, als man ſich in den neuen Quartieren etwas umgeſehen hatte, die planmäßige Ausplünderung der Dörfer ein. Alle einigermaßen brauchbaren Pferde wurden den Beſitzern weggenommen. Das Rindvieh wurde in ganzen Herden geſammelt und die Bergſtraße aufwärts nach Mannheim oder gar in die überrheiniſche Pfalz getrieben. Vielfach mußten ſich die Bauern dazu hergeben, ihr eigenes Vieh hinwegzutreiben.*) Ganze Wagenzüge mit Getreide beladen wurden zu⸗ ſammengeſtellt, um über die pfälziſche Grenze abgeſchoben zu werden.*) Auch Klein⸗ tiere wurden nicht verſchmäht. Schaf⸗, Ziegen⸗ und Schweineherden fanden ebenfalls jen⸗ ſeits der Grenze willige Abnehmer. Pfälziſche Metzger und Bauern kauften den Plün⸗ derern ihre Beute um Schleuderpreiſe ab. Den Soldaten lag indeſſen weniger daran, den notleidenden Bewohnern der Pfalz zu heifen, als ihr Vieh möglichſt ſchnell zu Geld zu machen. So erſchienen auch am Abend des 4. Juni vor den Toren der Stadt Frank⸗ furt Reiter vom Regiment von Oberntraut, die 248 Stück Rindvieh zum Verkaufe an⸗ boten.) Es war der Viehſtand des Dorfes Wixhauſen, der nach kurzen Verhandlungen um zwei Reichstaler pro Stück in den Beſitz dieſer Stadt überging. Innerhalb zweier Tage war ſo die ganze weitere Umgebung Darmſtadts ihres Viehes beraubt. Nur Rüſſels⸗ heim und Lichtenberg blieben bei dieſem Treiben verſchont. Auch gelang es vereinzelten Gemeinden, ihr Vieh dadurch zu retten, daß ſie es an geheimen Plätzen verſteckt hielten.) Beſonders waren dabei die in der Nähe des Rheines gelegenen Dorfſchaften, wie Stock⸗ heim und Geinsheim, vom Glücke begünſtigt. Ihnen boten die Rheininſeln und Ufer⸗ ſümpfe Gelegenheit, ihre Habe vor den Räubern in ſichere Verſtecke zu retten. Vielleicht war es auch die Furcht vor den jenſeits des Rheines ſtehenden Spaniern, die den Plünderern ein längeres Verweilen im Ufergelände des Rheins unratſam erſcheinen ließ. Waren die Dörfer beſetzt, ſo beſorgte die Beſatzung die Ausplünderung ihrer Quartiergeber ſelbſt, um ſofort ihre Streifen auf die unbeſetzten Dörfer der Nachbarſchaft auszudehnen. Beſonders ſchwer hatten daher die Dörfer in der Umgebung des Beſſunger Lagers unter den Plünde⸗ rungszügen der feindlichen Fußtruppen zu leiden. Die Reiterregimenter der Vorhut Oberntraut und Megant ſuchten die Dörfer bis vor die Tore Frankfurts heim,*) während die Reiter des Haupttrupps die heſſiſchen und mainziſchen Dörfer des Riedes bis vor die Tore Rüſſelheims abſtreiften. Als die markgräflichen Regimenter am 5. Juni in ihre Unterkunftszone einrückten, fanden ſie gar ſchnell Gefallen an dem Treiben der Mansfel⸗ der. Georg Friedrich ſelbſt ſchrieb die Schuld für die Ausſchreitungen ſeiner Truppen dem ſchlechten Beiſpiele der Mansfelder zu.**) Hand in Hand mit dem Suchen nach verſtecktem Vieh ging die Suche nach dem Bargeld der Bewohner, das von dieſen meiſtens vergraben war. Durch die ausgeſuchteſten Peinigungen und Folterungen ſuchten nun die Soldaten die Herausgabe ihrer Barſchaft zu erzwingen. Die grauſamſten Schläge hatten oft nicht den gewünſchten Erfola, führten aber gar häufig zur Tötung der unglücklichen Opfer. Bar⸗ bariſche Erpreſſungsmittel kamen dabei allenthalben in den Dörfern zur Anwendung, ſo das Einſchrauben des Daumens auf das Gewehrſchloß, das Aufſchlitzen von Ohren und Wangen, das Aufhängen an Seilen. Andere Opfer ließ man auf Seilen reiten, oder miß⸗ handelte ſie durch Verbrennuna beſonders empfindlicher Körperteile durch aufgeſtreutes Pulver. Beſonders der weibliche Teil der Bevölkerung ſah ſich vielfach den Mißhandlun⸗

) St. A. VIII. Convol. 24. Angaben der Bewohner aus den Dörfern bei dem amtlichen Verhöre. St. A. VIII. Convol. 24. Seite 190. Ausſagen von Einwohnern aus Wolfskehlen. ) Ebenda Seite 210. Ausſage von Einwohnern aus Weiterſtadt.

*] H. A. II. Convol, 65. Seite 327. Bericht aus Frankfurt vom 25. Mai /4. Juni 1622. Frank⸗ furter Stadtarchiv. Abteilung Krieg und Frieden 1532 b und Convol. 6. Seite 59. Verhandlungen über den Rückkauf des geraubten Viehs...

) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 204. Ausſagen von Einwohnern aus Wallerſtätten.

) St. A. VIII. Convol. 24. Seite. Ausſagen von Einwohnern aus Wirhauſen.

¹5]) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 37. Schreiben Georg Friedrichs von Baden aus Mannheim vom 4./14. Juni 1622.