Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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gen ſadiſtiſcher Rohlinge ausgeſetzt, gegen deren Wiedergabe ſich die Feder ſträubt. Faſt ſämtliche Dörfer der Landgrafſchaft hatten Opfer an Toten zu beklagen. Viele Einwohner trugen auch geſundheitliche Schädigungen auf Lebenszeit davon. So wurde am 4. Juni der Pfarrer von Kelſterbach, Konrad Rupp, im Pfarrhofe von plündernden Reitern mit einem Latthammer erſchlagen;*) in Weiterſtadt wurde ein Bürger, der in die Kirche ge⸗ flüchtet war, vor dem Altare tot niedergeſtreckt.*) Weiter hat vielfach als Erpreſſungs⸗ mittel die Drohung mit der Einäſcherung der Hofreite dienen müſſen, und in vielen Dör⸗ fern iſt man vor dieſem äußerſten Mittel nicht zurückgeſchreckt, obwohl die Gemeinden durchweg größere Beträge als Brandſchatzung bezahlt hatten. So konnte man am Sams⸗ tag nachmittag, dem 4. Juni, eine Reihe brennender Dörfer rings um Darmſtadt beobach⸗ ten, ſo daß ſich Prinz Johann Ernſt von Sachſen⸗Weimar veranlaßt ſah, nach Griesheim hinauszureiten, um dem mordbrenneriſchen Treiben zu wehren.*) Doch am folgenden Sonntage bot ſich das gleiche Bild.

Die Plünderer waren um Entſchuldigungsgründe für ihr barbariſches Vorgehen kei⸗ neswegs verlegen. Den verzweifelten Bewohnern gegenüber betonten ſie ſtets, daß die Bayern und die Spanier in der Pfalz noch viel ſchlimmer gehauſt hätten. Nach ihrer Auffaſſung war der Landgraf mitſchuldig am Unglück der Pfalz dadurch, daß er die Spanier in das Land gebracht, ſie ſtändig durch Zufuhren unterſtützt und mitſamt ſeinen Ratgebern ſpaniſche Duplomen als Beſtechungsgelder empfangen habe.)

Wenn nicht ein feſter Platz wie Rüſſelsheim oder Lichtenberg den Umwohnern eine Zuflucht vor den raubenden Rotten bot, dann flüchteten die Bewohner in die Wälder, um wenigſtens das nackte Leben zu retten. So ſuchten die Einwohner von Auerbach Zu⸗ flucht auf dem Malſenſtein,*) während die Alsbacher auf dem feſten Schloſſe den Pei⸗ nigern zu entgehen ſuchten. Vereinzelten glückte es auch, nach Darmſtadt hineinzuge⸗ langen und ſich dort bei Freunden verborgen zu halten, andere flüchteten oſtwärts in die unbeſetzte Gegend von Groß⸗Umſtadt.*) Ganze Scharen von Geſindel mit Karren ausgerüſtet erſchienen in den pfälziſch⸗heſſiſchen Grenzdörfern und ſchleppten an Hausrat ab, was ihnen immer begehrenswert erſchien.*) Auerbacher Bürger, die in der Dunkel⸗ heit nach dem Dorfe zurückſchlichen, um nach ihrem Beſitztum zu ſehen, mußten die Be⸗ obachtung machen, daß in ihrem Hauſe fröhliche Zechgelage abgehalten wurden. Neben den Soldaten der in Bensheim zurückgebliebenen pfälziſchen Beſatzung nahmen ſie man⸗ ches bekannte Bensheimer Geſicht unter den ungebetenen Gäſten wahr, die ſich an den Vorräten ihres Weinkellers gütlich taten.*) Nachdem die Bewohner zum großen Teil aus den Dörfern geflüchtet waren, nahmen dort die Brände immer mehr zu, ſo daß ſchließlich kein Dorf mehr vom Feuer verſchont blieb. Auch hierbei ſind es wiederum die Dörfer des Riedes, die am ſchwerſten mitgenommen wurden. So gingen in Dornheim, wo das Feuer planmäßig von den Soldatenan verſchiedenen Enden des Ortes angelegt wurde, 21 Wohnhäuſer, 26 Scheunen und zahlreiche Nebengebäude in Flammen auf.*) In Wallerſtätten wurden 11 Wohnhäuſer mitſamt den Scheunen bei der Plünderung am 5. Juni ein Raub der Flammen. In Griesheim, wo es mehrfach während der Beſetz⸗ ung brannte, lagen ſchließlich nach der großen Feuersbrunſt, welche das Dorf während des Rückzuges am Vormittage des 9. Juni heimſuchte, 84 Herdſtätten, darunter das

¹u¹] St. A. VIII. Convol, 24. Seite 214. Bericht eines Augenzeugen über den Vorfall.

¹²] Ebenda Seite 210. Außerdem ſtarben darnach noch 4 Perſonen an den erlittenen Mißhand⸗ lungen in Weiterſtadt.

¹z] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 31. 4 880 771. A. VIII. Convol. 24. Seite 189. Angaben des Pfarrers Oſterroth aus Wolfskehlen bei em Verhöre.

2) St, A. VIII. Convol. 24. Seite 169. Es handelt ſich dabei wahrſcheinlich um den auf dem

Gipfel des Melibokus(Malſchen) ſtehenden Malſtein..

¹6) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 126 und 163.

¹7] Ebenda Seite 155 u. 171. Ausſagen von Einwohnern aus Brandau und Auerbach.

¹s) Ebenda Seite 169. 7.

¹) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 70. Verzeichnis des Brandſchadens. Ebenda Seite 136, 182 und 203. Genauere Angaben über die Brandlegung in den genannten Dörfern.