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Infanterie Tillys in Seeheim und Eberſtadt Maſſenquartiere bezog oder biwakierte.*) Mansfeld benützte das Dunkel der Nacht dazu, ſeine um Bensheim angeſammelten Ba⸗ gagen und Geſchütze über die Weſchnitz in Sicherheit zu bringen.**) Indeſſen ſchon zwi⸗ ſchen 3 und 4 Uhr in der Frühe erneuerte der Feind ſeinen Angriff gegen die Stellung Goldſteins, der ſich gezwungen ſah, der Uebermacht zu weichen und auf die pfälziſche Landwehr, die von Bensheim längs der Weſchnitz zum Rhein führte, zurückzugehen. Allein die Loslöſung vom Feinde gelang ihm nicht mehr.; nur unter ſchweren Verluſten ver⸗ mochte er zurückzuweichen und geriet ſelbſt am Kopfe verwundet in Gefangenſchaft. Da⸗ mit war der Boden der Landgrafſchaft vom Feinde frei, abgeſehen von wenigen Maro⸗ deuren, die ſobald die Kaiſerlichen ihrer habhaft wurden, erbarmungslos niedergeſchoſſen wurden. Durch die tatkräftige Verfolgung der ligiſtiſchen Reiterei ſah ſich Mansfeld jen⸗ ſeits der Grenze am Vormittage des 10. Juni zu einem verluſtreichen Rückzugsgefechte ge⸗ nötigt. Infolge der Ueberrumpelung Goldſteins durch die bayriſche Vorhut mußte er die Brücken über die Weſchnitz vorzeitig abbrechen und büßte dadurch einen Teil ſeiner Ba⸗ gagen ein, die er nicht mehr über dieſes Flüßchen in Sicherheit bringen konnte.“) Um ſeine Armee zu retten, verteidigte Mansfeld die Weſchnitzlinie. Der Feind wurde da⸗ durch zur Entwicklung umfangreicherer Streitkräfte genötigt, deren Abwehr zu dem Ge⸗ fecht auf der Lorſcher Heide führte. Wenn ſich die Ligiſten ſchließlich den Sieg in dieſem Treffen auch zuſchrieben, ſo konnten ſie Mansfeld doch nicht hindern, ſich in den Lorſcher Wald zurückzuziehen, wohin ihm Tilly nicht zu folgen wagte.
Die Plünderung der Landgrafſchaft Heſſen-Darmſtadt durch die pfãälziſch- badiſche Armee
Ehe der Aufbruch in Lampertheim erfolgte, hatte Mansfeld eine Verſammlung ſei⸗ ner Regimentskommandeure abgehalten und ausdrücklich darauf hingewieſen, daß auf ſtrenge Manneszucht geſehen werden ſollte.*) Indeſſen iſt nur unter den Augen des in Darmſtadt liegenden Armeeoberkommandos dieſem Befehle Folge geleiſtet worden. Innerhalb der Mauern dieſer Stadt iſt es zu gröberen Ausſchreitungen nicht gekommen.) Deſto ſchrecklicher wurde auf dem flachen Lande gehauſt, wo ſich die wehrloſen Einwohner vollſtändig der Willkür der verwilderten Soldateska ausgeſetzt ſahen. Die kommenden Ereigniſſe hatten ihre Schatten ſchon vorausgeworfen, als in der Nacht vom 24. Mai die Pferde der Auerbacher Einwohner von der Weide verſchwanden, und als in der fol⸗ genden Nacht Plünderer in das Grenzdorf Großhauſen eindrangen, Pferde und Rindvieh über die pfälziſche Grenze trieben und ſogar fünf Häuſer regelrecht ausplünderten.“)) Am Tage des Einmarſches der pfälziſchen Armee in die Landgraſſchaft erſchienen allenthalben in den Dörfern zunächſt kleinere Reitertrupps, die ſich als Qartiermacher ausgaben, deren Hauptbeſchäftigung jedoch darin beſtand, den erſchreckten Bauern klar zu machen, daß ſie ſich gegen Zahlung einer größeren Ranzion von der Einquartierung befreien könnten. So
2u) Ebenda Seite 9. Als nach dießem die Bayriſche Armada auch herbeigerücket und ſich mit ihnen konjungirt haben dieſelben von Diepura auß in erſtgemelten dreyen Dörfern uff Sechstauſend ſtarkh zu Roß und Fuß ein Nachtlager unverſehens gehalten.....
4³) Buchs Chronik. Seite 360..
2a) Buchs Chronik Seite 360. M. Tilly und Don Gonzalo fallen bei Bensheim herein andern Tag. und llhlagen den Troß alle zu Tod, nehmen über 200 Pagagi ihnen ab und führen den Raub nach Oppenheim.
¹) H. A. II. Convol. 66. III. Seite 73. Ein bekannter Diener an Landgraf Georg aus Darmſtadt, den 27. Mai(6. Juni 1622..
²) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 99—121. Ausſagen der Einwohner aus Darmſtadt bei dem ange⸗ ſtellten amtlichen Verhör.
²) Buchs Chronik Seite 355.


