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ſtraße alle Nachzügler des pfälziſchen Heeres erbarmungslos von den Kroaten und Spa⸗ niern niedergehauen wurden,**) vollzog alſo die Hauptarmee auf der angegebenen Straße unbehelligt ihren Rückzug. Falſch wäre es von einer kopfloſen Flucht der Pfälzer zu ſpre⸗ chen, wie dies die ligiſtiſche Geſchichtsſchreibung darſtellt, denn bei Eſchollbrücken machen die der Nachhut angehörenden Reiterregimenter eine längere Raſt.“) Auch ſpricht da⸗ gegen, daß die an der Geleitsſtraße gelegenen Dörfer einer nochmaligen gründlichen Plün⸗ derung unterzogen wurden. Große Brände in den Dörfern Büttelborn, Eſchollbrücken, Griesheim und Pfungſtadt kennzeichneten den Weg der Soldateska, die ihrer Enttäuſchung über die raſche Beendigung ihres Siegeszuges durch Brandlegung Luft machte. Entſetzen bemächtigte ſich der Bewohner Darmſtadts und der dort zurückgebliebenen Räte. Sie ſand⸗ ten ſofort einen Boten an Herzog Johann Ernſt von Sachſen⸗Weimar ab, um ſeine erneute Fürſprache bei dem General zu erbitten.**)
Erſt die Marſchkolonnen der bayriſchen Infanterie, die am Abend mit Muſik unter den Mauern der Stadt vorüberzogen, gaben ihnen die Gewißheit, daß Mansfeld auf dem Rückzuge nach der Pfalz ſei.**) Bereitwilligſt wurde den Befreiern Brot geliefert und Wein zur Erfriſchung in Eimern über die Stadtmauer heruntergelaſſen.“*) Unterdeſſen hatte die pfälziſch⸗badiſche Armee das heſſiſche Gebiet bereits geräumt. Mansfeld ſelbſt führte die von der bayriſchen und ſpaniſchen Reiterei bedrohte Nachhut, während die Haupt⸗ armee unter Markgraf Georg Friedrich und der Vortrupp unter Oberntraut die heſſiſche Landwehr bei Zwingenberg überſchritten hatte.“) Zwiſchen Bensheim und Lorſch wurde in der Nacht vom 9. auf 10. Juni Biwak bezogen.**) Beim Durchmarſch durch die Zwin⸗ genberger Befeſtigungsanlagen übernahm Oberſt Goldſtein mit 800 Musketieren die Siche⸗ rung und hatte Befehl, die verfolgenden feindlichen Reiter an weiterem Vordringen zu hindern. Während des Durchzuges ließ er die neu angelegten Erdbefeſtigungen für die Verteidigung nach Norden notdürftig umbauen und zwang hierauf durch das Feuer ſeiner Musketiere die feindlichen Reiter, von der Verfolgung abzulaſſen und die Ankunft der In⸗ fanterie abzuwarten.*) Da dieſe erſt am Abend unter den Mauern von Darmſtadt vorübergezogen war und mit ihrer Unterſtützung vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr gerechnet werden konnte, ſo nahmen die Reiterkompagnien die Gelegenheit wahr, in der Zwiſchenzeit die erbachiſchen Dörfer an der Bergſtraße Seeheim, Jugenheim und Bickenbach auszuplündern.“) Als man ihnen in Jugenheim eine kaiſerliche Salve Guardia entge⸗ genhielt, wurde ſie höhniſch von den Kroaten zerxiſſen. In Bickenbach mußten ſogar mehrere Bauern, die ſich den Plünderern widerſetzten, ihren Wagemut mit dem Leben be⸗ zahlen, während die Kirche und mehrere andere Gebäude ein Raub der Flammen wurden. Auch in der Nacht waren die genannten Dörfer dicht mit Reiterei belegt, während die
3¹) Buchs Chronik Seite 357. Die übrigen Mansfeldiſchen, welche ſich hin und wieder in den Dörfern uffgehalten, zerhauen die Crabaten alle zu Stücken, daß ſie gebrüllet haben, wie die Ochſen. Ferner H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 77. Dazu ſiehe Kartenſkizze 2.
34) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 150. Ebenda Seite 136 und Seite 208.
²s) H. A. II. Convol. 66. I. Seite 108. Die Darmſtädter Räte an Herzog Johann Ernſt von Sachſen⸗ Weimar aus Darnſtadt, den 31. Mai /9. Juni 1622.
³0) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 263...
³7) Du Cornet Band II. Seite 43. Et pourpuoi les soldats en estant triès harassez et agant tres?grand ch aud et soif ilz se firent 1afrechir de ceux de la ville d'Amerstadt qui leur donnèrent du vin aux portes e en dévalèrent dans des seaux par dessus les murailles„.....
³²s) K. Freiherr von Reitzenſtein. Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein, Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins, N. F., Band 27. Seite 60.
. 1 H. A. II. Convol. 65. II. Seite 31. Protokollum deſſen, was ſich vom 27. Mai bis 27. Juni
ereignet.
4⁰) H. A. II. Convol. 66. Seite 325.
¹¹) St. A. VIII. Convol. 19. Seite 9. Dort geben die Kriegsſchädenliſten der Grafſchaft Erbach über das Treiben der Ligatruppen am Abend des Himmelfahrtstages nähere Auskunft.


