Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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raſcht war.*) Jedenfalls aber mochten ihm die Widerſtände, die ſich ihm in Geſtalt meh⸗ rerer feſter Plätze und eines angriffsbereiten Gegners entgegenſtellten, zu ſchwer dünken, um ihrer Herr zu werden. So kam er wiederum auf den Plan zurück, den Main unter dem Schutze der Feſtung Rüſſelsheim zu überſchreiten, und ließ deshalb am Vorabend des Him⸗ melfahrtstages die ganze pfälziſch⸗badiſche Armee in der Umgebung von Groß⸗Gerau biwa⸗ kieren, während die Heeresleitung ſich in dem Städtchen ſelbſt einquartierte.*)

Durch dieſen Entſchluß wurde die Standhaftigkeit des gefangenen Landgrafen auf eine neue, ſchwere Probe geſtellt. Auf das eindringlichſte wandte ſich Pfalzgraf Friedrich in Groß⸗Gerau an ihn, um die Einräumung Rüſſelsheims als Stützpunkt für den Main⸗ übergang zu erreichen.*) Zunächſt verſuchte er es auf gütlichem Wege.

Er gewährte dem Gefangenen mancherlei Erleichterungen, indem er ihm die Erlaub⸗ nis gab, zwei Adelsperſonen, zwei Pagen und zwei Kammerdiener, ſowie ſeine eigene Kutſche ſamt Beſpannung und zwei Reiſigen aus Darmſtadt kommen zu laſſen, Vergünſti⸗ gungen, von denen Ludwig nur teilweiſe Gebrauch gemacht hat.**) In der Einräu⸗ mungsfrage von Rüſſelsheim blieb der Landgraf nach wie vor unnachgiebig. Da güt⸗ liches Zureden nichts fruchtete, verſtieg ſich Pfalzgraf Friedrich in zorniger Erregung ſo⸗ gar zu der Drohung, ihn bei der bevorſtehenden Beſtürmung dem Kanonenfeuer der Fe⸗ ſtung auszuſetzen, dann werde ſich der Kommandant wohl hüten, das Feuer zu eröffnen.**) Alles war umſonſt. Zur Bekräftigung ſeiner ablehnenden Haltung ließ der Landgraf in der Frühe des 9. Juni die Antwort auf die in Darmſtadt überreichten elf Forderungen an den Oberſten von Peblis übergeben, worin er ſeine Ablehnung damit begründete, daß die Feſtung im Falle gutwilliger Einräumung der verliehenen kaiſerlichen Regalien ver⸗ luſtig gehen werde.**) Er bat darum, von ihrer Auslieferung abzuſehen, zumal da ſie ja auch noch nie zum Nachteile der Pfalz gebraucht worden ſei. Die übrigen Forderungen wurden ebenfalls abgelehnt mit der Begründung, daß ihre Durchführung nicht in der Macht des Landgrafen ſtehe.

Während der Anmarſch der ligiſtiſchen Armee den gefangenen Landgrafen in ſei⸗ ner ablehnenden Haltung beſtärkte, zog bereits bei Pfalzgraf Friedrich jene kleinmütige Stimmung ein, die ihn bei jedem Mißerfolg befiel. Seine Zuverſicht auf eine günſtige, militäriſche Entſcheidung ſchwand ſichtlich, denn, als ſeine Bemühungen um Rüſſelsheim ſcheiterten, legte er dem Landgrafen nahe, doch dahin mitzuwirken, daß die diplomatiſchen Verhandlungen wieder in Fluß kämen.**) Ja er erbot ſich, die Verhandlungen zwecks Uebernahme der Armee Mansfelds in ſpaniſche Dienſte, welche bei ſeiner Ankunft abge⸗ brochen worden waren, tatkräftig zu fördern, wenn man ihm auf der Gegenſeite die Reſti⸗ tution der Pfalz und Schadenerſatz für die darinnen angerichtete Zerſtörung zuſichere. Dieſe neue Verhandlungsgrundlage mußte Landgraf Ludwig ſofort brieflich dem Erz⸗ biſchof von Mainz übermitteln und ihn beſonders darauf aufmerkſam machen, daß nur ſo der ſchwierigſte Teil des Friedensproblems, die Zufriedenſtellung der mansfeldſchen Ar⸗ mee und ihre Entfernung von deutſchem Boden,für beide Parteien befriedigend gelöſt wer⸗ den könne. Die hochfliegenden Pläne Friedrichs, die vor wenigen Tagen noch auf eine

¹7) Du Cornet, Histoire des guerres etc. 1616 27. Band IlI. Seite 42. il ne vouloit, pour tout cela, croire qu'il fut veritable, disant que estoit abus et que les Espagnols estoient trop esloignez de ces cartiers, pour en être ainsi surpris.....

¹8) H. A. II. Convol. 65. II. Seite 33. Kurzes Verzeichnus des.... Die gantze armée kompt uff Geraw zu, wo über nacht das Hauptlager iſt. Dazu ſiehe Kartenſkizze 2.

¹⁵) H. A. II. Convol. 65. II. Seite 21. Protokollum deſſen, was ſich vom 27. Mai bis 27. Juni er⸗

20) H. A. II. Convol. 66. III. Seite 179.

21¹] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 21.

²²) H. A. II. Convol. 66. III. Seite 59. Erklärung des Landgrafen Ludwig auf die von dem Oberſten von Peblis übergebenen 11 Forderungen. Gerau, den 30. Mai /9. Juni 1622. Dazu ſiehe Beilage IV.

²3) Ueber die Verhandlungen in Groß⸗Gerau ſiehe: H. A. II. Convol, 66. III. Seite 53. Landgraf Ludmwig an Exzbiſchof Joh. Schweikard von Mainz. Groß⸗Gerau, den 30. Mai/9. Juni 1622. Siehe ie Beilage