Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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wurde von Mansfeld ſofort noch am Nachmittage des 8. Juni der Rückzug der ganzen Armee auf Groß⸗Gerau angeordnet.

Um dieſe Maßnahme zu verſtehen, muß man die Bewegungen, welche inzwiſchen vom Feinde vorgenommen worden waren, etwas genauer verfolgen. Wie wir ſahen hatte Tilly auf die Kunde vom Vordringen Mansfelds an die Bergſtraße ſeine etwa 6000 Mann ſtarke Infanterie ruhig im Lager bei Hirſchhorn ſtehen laſſen und nur ſein eigenes Haupt⸗ quartier von Wimpfen nach Amorbach verlegt.) Erſt als der Markgraf dem Vorgehen Mansfelds folgte, da zog er ſeine Fußtruppen aus dem Neckartale nordwärts in das erbachiſche Amt Freienſtein, wo dieſe am 4. Juni bei Beerfelden Biwak bezogen.*) Sämt⸗ liche Verſtärkungen, die für die Verteidigung des vom Herzog von Braunſchweig vermeint⸗ lich bedrohten Bistums Würzburg unterwegs waren, erhielten von Tilly Befehl zu ſofor⸗ tiger Aenderung der Marſchrichtung, da dieſer ja noch viel zu weit nördlich in jenen Tagen ſtand, um zu Beſorgniſſen Anlaß zu geben.*) So ſtießen die Truppen des Gene⸗ rals von Anholt, der nach dem Aufbruche Herzog Chriſtians in Weſtfalen durch die Wetterau ziehend in Hanau eingetroffen war, bei Aſchaffenburg zu ihm, während Oberſt Freiherr von Herberstorf mit 3000 Knechten und 1000 Reitern vom Jagſttale über Buchen(4. Juni) nach dem Odenwalde abbog und ſeine Vereinigung mit Tilly anſtrebte. Dieſe Zuzüge verſtärkten deſſen Armee um etwa 7000 Mann, ſo daß er es nunmehr wagen konnte, angriffsweiſe gegen Mansfeld vorzugehen. Als daher am 7. Juni der Anmarſch der pfälziſchen Armee auf Dieburg erfolgte, beſchränkte ſich Tilly nicht mehr darauf, dieſer den Uebergang über den Main ſtreitig zu machen, ſondern er ließ noch am gleichen Tage die rechts des Fluſſes ſtehenden Truppen Anholts bei Aſchaffenburg die Brücke überſchrei⸗ ten und bereitete den Aufmarſch ſeiner geſamten Streitkräfte im öſtlichen Bachgau um Oſt⸗ heim herum vor. Die bei Beerfelden lagernde bayriſche Infanterie gelangte durch das Mümlingtal und den Breuberger Grund in das Aufmarſchgebiet,*) während die ſpani⸗ ſchen Reiter Beringhens durch das Gerſprenztal nordwärts gezogen wurden. ¹²) Unter dieſen Umſtänden war für den Himmelfahrtstag, den 9. Juni, mit einer größeren Entſchei⸗ dung bei Dieburg zu rechnen, wobei Tilly der 23 000 Mann ſtarken pfälziſchen Armee etwa 18 000 Mann Bayern und Spanier entgegenzuſtellen hatte. Die Freunde der evangeliſchen Sache ſahen ihr daher ziemlich zuverſichtlich entgegen.*) Man rechnete beſtimmt damit, daß Mansfeld im Anſchluß an die Schlacht den Main werde überſchreiten können. Land⸗ graf Moritz von Heſſen⸗Kaſſel hatte ſogar von dem Erfolge dieſes Tages ſeinen offenen Uebertritt zur pfälziſchen Partei abhängig gemacht.**)

Mansfeld vermied das Treffen und trat ſchon am Nachmittage des 8. Juni den Rück⸗ zug an,) ohne jedoch das ſtrategiſche Ziel, welches er verfolgte, aufzugeben. Wohl iſt möglich, daß er durch das Erſcheinen der ſpaniſchen Reiterei in ſeiner rechten Flanke über⸗

*) St. A. VIII. Convol. 19. 1. Seite 116. Kurzer Bericht, was die Grafſchaft Erbach und Herr⸗ ſchaft Breuberg für Schaden erlitten von dem Kaißl. Volk anno 1621 und 22. Wir erfahren dort Seite 4 unterm 16. Mai: Darneben haben die fünf Regiment zu Fuß, So bey Hirſchhorn ein Läger geſchlagen.. ¹) Ebenda Seite 4. Als nun ſolch Fußvolk den 25. May bey Hirſchhorn uffgebrochen, hat es ſeinen Weg auch ins Amt Freyenſtein gen Bayerfelden genommen allda ſich wieder kampiert und..... fünf Tag verharrt. Dazu ſiehe Kartenſkizze 1. u) K. Irh. v. Reitzenſtein, Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein, Zeitſchrift für die Ge⸗ ſchichte des Oberrheins, N. F., Band 21. Seite 631. ¹²) St. A. VIII. Convol. 19. Seite 4. ¹3) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 157. Ausſagen von Bewohnern aus Groß⸗Bieberau. ¹¹) St. A. Abteilung Marburger Succeſſion Convol. 27. Abgefangener Brief des Landgrafen Moritz an Herzog Chriſtian von Braunſchweig aus Nordeck, den 10. Juni. Siehe Seite 40. Anm. 19. ¹5) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 373 und 385. ¹6]) St. A. VIII. Convol. 27. II. Seite 4, Der Keller von Roßbach an Landgraf Philipp von Heſſen⸗ Butzbach. Roßbach, den 30. Mai /9. Juni 1622. Es kommt auch Poſt, daß die Mansfeldſchen ſich heute mehrenteils auf Gerau retirieren.....