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ten ſie darum, mit dieſem ſelbſt die Verhandlungen wieder aufzunehmen.**) Das Verhalten des Landgrafen hatte jedoch gezeigt, daß man auf eine gutwillige Ueberlaſſung Rüſſelsheims nicht rechnen konnte. Die Tatſache, daß er zum Gegner zu flüchten verſuchte, bewies vielmehr, daß man ſich von ſeiner Seite nichts Gutes zu verſehen hatte. Daher kam man im Ver⸗ laufe der Beratungen vom Nachmittage des 6. Juni dahin überein, ihn als Kriegsgefan⸗ genen zu betrachten*) und den Weitermarſch in der urſprünglich geplanten Richtung auf Dieburg anzutreten. Ein koſtbarer Tag war damit für die Armee Mansfelds verloren gegangen. Noch in der Frühe des 7. Juni verlor die pfälziſche Heeresleitung Zeit durch vergebliche Verhandlungen mit den heſſiſchen Räten, die die Sicherung der Rückzugsſtraße und die Lieferung von Proviant bezweckten.*)
Der Abzug der pfälziſchen Armee
Am Dienstag früh, den 7. Juni, gegen neun Uhr, wurde der Abmarſch in Richtung Dieburg angetreten. Als letzter verließ Johann Ernſt von Sachſen⸗Weimar die Stadt, um den Plünderungsgelüſten der abziehenden Truppen entgegentreten zu können.“) Der Geſundheitszuſtand des Oberbefehlshabers war derart, daß er beim Abzuge zu ſeiner Kutſche getragen werden mußte, während er den linken Arm in einer Binde trug. ²¹) Die markgräfliche Armee ſchloß ſich dem Weitermarſche an, und Markgraf Georg Friedrich ge⸗ leitete ſeine beiden fürſtlichen Gefangenen mit ſeiner eigenen Kutſche in das pfälziſche Hauptquartier.*) Um Mittag traf die Spitze des pfälziſchen Heeres vor Dieburg ein und ließ eine Aufforderung zur Uebergabe an die Stadt ergehen. Auch vor Steinheim erſchien ein Trompeter und 8 Musketiere mit der gleichen Forderung. Letzteres ſollte jetzt an Stelle Rüſſelsheims den Uebergangsſtützpunkt abgeben. Vor beiden Städten wurden die Parlamentäre zurückgewieſen. Ja die Dieburger ſteckten ſogar ihre eigene Vorſtadt in Brand und deuteten damit an, daß es ihnen mit ihrem Entſchluſſe, ſich bis zum äußerſten zu wehren, ernſt war.*) Daraufhin traf man die Anſtalten zur Belagerung des Platzes: während die Armee Mansfelds im ſchützenden Walde zwiſchen Dieburg und Meſſel Biwak bezog,²) ſchlug der Markgraf in Arheilgen ſein Hauptquartier auf. Auch die Dörfer der Umgebung waren in jener Nacht dicht mit badiſchen Truppen belegt.“) Am folgenden Morgen wurden erneute Aufforderungen an Dieburg und Steinheim mit der gleichen Ent⸗ ſchloſſenheit wie Tags zuvor zurückgewieſen, und zwar geſchah dies in der ſicheren Hoff⸗ nung auf baldigen Entſatz durch Tilly. Ehe es noch zu einem Angriff auf Dieburg kam, gewannen die Aufklärer Mansfelds ſchon mit der von Oſtheim aus herannahenden Vor⸗ hut Tillys Fühlung und gingen fluchtartig auf die Hauptarmee zurück. ⁵) Daraufhin
4 ²⁵] Dazu ſiehe H. A. II. Convol. 66. I. Seite 8. Zu den Verhandlungen mit den landgräflichen Räten ſiehe auch Beilage II. 3—.. 2 15
²6] H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 195. Pfalzgraf Friedrich an die Fürſten des niederſächſiſchen Kreiſes 28. Mai/7. Juni 1622. Wortlaut des Schreibens in Beilage III.
²⸗] H. A. II. Convol. 65. V. Seite 1. Enthält die überreichten Forderungen des Pfalzarafen ohne Unterſchrift der heſſiſchen Räte.
¹] Dazu ſiehe Kartenſkizze 2.. Buchs Chronik. Seite 360. a] H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 213.
4] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 21. 2.
³] St. A. VII. Convol. 27. II. Seite 2. Der Keller von Roßbach an Landgraf Philipp von Heſſen⸗ Butzbach den 30. Mai /9. Juni 1622.
6) St. A. VIII. Convol. 24. Seite 75. 3
7I] St. A. VIII. Convol. 24. Seite 152. Darnach lag in jener Nacht der alte Markgraf mit 1200
Mann in Arheilgen..
s) Du Cornet, Histoire générale des guerres 1616— 1627. Seite 41. L'on ne fut pas avancé de quelques lieux que ceux qui estorient devant ceste ville ne sceurent leur venué, ce fut lors de fuyr bien hastivement et d'en porter les nouvelles à leur prince Palatin et au bastard de Mansfelt.....


