Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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lang es zu entkommen. Zwar gab der Landgraf an, daß er das mainziſche Städtchen Gernsheim habe erreichen wollen, doch deutet die Marſchrichtung der Flüchtlinge eher auf Rüſſelsheim.*) Offenbar kam es ihm darauf an, unter allen Umſtänden einee Ueber⸗ gabe des Platzes an Mansfeld zu verhindern. Er wollte es ſogar auf eine Belagerung ankommen laſſen, die bei der Stärke der Feſtung ſie verfügte damals über 73 Ge⸗ ſchütze(19 gewöhnliche und 54 Sturmſtücke)*) und bei der Nähe Tillys und der Spa⸗ nier auch Ausſicht auf Erfolg hatte.

Die fürſtlichen Gefangenen wurden zunächſt im Quartier des Rittmeiſters feſtgehal⸗ ten, bis gegen Mittag Markgraf Karl von Baden mit einer Kutſche erſchien und ſie nach Wolfskehlen in das Hauptquartier des alten Markgrafen überführte. Da dieſer jedoch nicht anweſend war, er hatte ſich wohl zu dem in Darmſtadt ſtattfindenden Kriegsrate begeben mußten die Gefangenen in einer Kammer des Wolfskehler Pfarrhauſes über⸗ nachten und erſt am Dienstag früh, unmittelbar vor dem Abmarſch nach Dieburg, fand die Begegnung der beiden Fürſten ſtatt. Wenn auch die Begrüßung Georg Friedrichs ganz freundlich war und er bedauerte, daß ihre Begegnung unter ſolchen Umſtänden ſtatt⸗ finde, ſo erſparte er doch dem Landgrafen den Vorwurf nicht, daß zur Flucht für ihn keine Veranlaſſung vorgelegen habe und daß er für die evangeliſche Sache wenig übrig habe.)

Pfalzgraf Friedrich war der feſten Ueberzeugung, daß der Landgraf in die geſtellten Bedingungen willigen müſſe, und hatte deshalb für Montag den 6. Juni alle Anordnun⸗ gen zum Abmarſch nach Rüſſelsheim getroffen.*) Auch hatte man nicht verſäumt, Chriſtian von Braunſchweig von der Aenderung des Marſchplanes in Kenntnis zu ſetzen, wodurch er veranlaßt wurde, in Vacha an der Werra die ſeither eingehaltene ſüdliche Marſchrichtung an der Werra aufwärts in eine weſtliche zu verwandeln,*) um durch die Abtei Fulda und Oberheſſen an den Untermain zu gelangen und dort die Vereinigung mit Mansfeld zu vollziehen.**)

Um ſo größer war nun die Ueberraſchung bei den Pfälzern, als Landgraf Friedrich, der Bruder Ludwigs, ind er Frühe des 6. Juni dem Herzog Johann Ernſt von Sachſen⸗ Weimar die Mitteilung machte, daß ſein Bruder verſchwunden ſei. Pfalzgraf Friedrich machte ſeiner Erregung Luft mit der Drohung, daß ſich die Stadt auf Schlimmes gefaßt machen möge, wenn er den Truppen den Befehl zu geben gezwungen ſei, die Flücht⸗ linge zu ſuchen. Man hielt es nämlich im pfälziſchen Hauptquartier für ausgeſchloſſen, daß der Landgraf die Stadt verlaſſen haben könnte.*) Die Vorbereitungen zum Abmarſch nach Rüſſelsheim wurden ſofort abgebrochen, und die Mannſchaften kehrten in ihre ſeitherigen Quartiere zurück. Doch nahm jetzt die Stimmung der Soldaten den Be⸗ wohnern der Stadt gegenüber allenthalben einen bedrohlichen Charakter an.) Ja der Vizekanzler Dr. Terhel, dem man als dem Vertrauteſten des Landgrafen die Hauptſchuld an deſſen Widerſetzlichkeit zuſchrieb, bangte um ſein Leben und er flüchtete unter dem Schutze eines befreundeten pfälziſchen Offiziers nach Frankfurt.*) Johann Ernſt von Sach⸗ ſen⸗Weimar verſuchte die Unterhandlungen mit den Räten zum Abſchluß zu bringen, doch ließen ſich dieſe auf keinerlei Zugeſtändniſſe ein, da ſie dazu keine Befugnis hätten. Als ge⸗ gen Mittag die Nachricht von der Gefangennahme des Landgrafen in Darmſtadt eintraf, ba⸗

e ¹]) Zeitgenöſſiſche Quellen geben ebenfalls ſchon dieſes Ziel an, ſo St. A. VIII. Convol. 24. Discurs. eite 59. ¹) Wilh. Sturmfels, Geſchichte des Marktfleckens Rüſſelsheim Seite 26. ¹s] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 21. ¹] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 32. 20] St. A. zu Marburg 1622. Convol. II. Chriſtian von Braunſchweig an Landgraf Moritz von Heſſen⸗Caſſel, Vacha, den 28. Mai /7. Juni 1622. Dazu ſiehe auch rtenſt zge 3. 7 ] Karl Freiherr von Reitzenſtein, Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein, Heft II. Seite 73. ²²) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 215.

²³) H. A. II. Convol. II. Seite 32. Die Soldaten fangen an grewlich zu ſchelten uff unſern frommen Herrn und ſeine Leute, allenthalben im landt gehen feuer uff. ²4) Buchs Chronik Seite 357. H. A. II. Convol. 65. II. Seite 32.