Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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ſpielt mochte dabei haben, daß Mansfeld, der übrigens trotz wiederholter Einladung nie⸗ mals bei der Tafel im Schloſſe erſchienen war, gerade an jenem Sonntage von einer ſchwe⸗ ren Krankheit befallen wurde.*) Feindlich gefärbte Berichte wollen uns glauben machen, daß er einen Schlaganfall erlitten habe, der zu einer zeitweiligen Lähmung der linken Kör⸗ perſeite geführt habe. Jedenfalls war ſein Geſundheitszuſtand ſo ſchlecht, daß er nicht im⸗ ſtande war, Unterſchriften zu leiſten..) Am Spätnachmittage des 5. Juni muß ſich die pfälziſche Heeresleitung im Gegenſatz zu dem ſeitherigen Marſchplan zum Weitermarſch in nördlicher Richtung entſchloſſen haben.*) Die Bewegungen Tillys in der Aſchaffen⸗ burger Gegend boten hierzu die Veranlaſſung. Man hoffte nach Einräumung der Feſtung Rüſſelsheim, den Main unter dem Schutze dieſes feſten Platzes überſchreiten zu können. Da dieſer Plan ſchon am folgenden Morgen zur Ausführung gebracht werden ſollte, wurde Generalkommiſſar von Peblis damit beauftragt, dem Landgrafen eine Reihe von Forde⸗ rungen des pfälziſchen Hauptquartiers noch am ſpäten Abend zu übermitteln.*) Dieſer beabſichtigte gerade, ſich auszukleiden, als von Peblis ſich melden ließ, um die in 11 Sätzen niedergelegten Forderungen des Pfalzgrafen zu überreichen.*) Landgraf Ludwig mußte darnach das ſchriftliche Verſprechen abgeben, während des Krieges nichts gegen ſeine Königliche Majeſtät zu unternehmen, aber auch ohne deren Vorwiſſen Stadt und Reſidenz nicht zu verlaſſen. Ferner verlangte der Punkt 4 von ihm die Auslieferung von Rüſſels⸗ heim.Im Hinblick auf die Tatſache, daß bisher zu ſeiner Majeſtät größtem Schaden die Gegenparei ſich rückſichtslos jeglicher Mittel und Wege bediente, die ſich ihr dargeboten, ſo bitte Seine Majeſtät den Landgrafen dringend, zur Abſtellung ſolchen Nachteils, zur Sicherung freien Mainüberganges und Concentrierung von Streitkräften auf eine Zeit lang die Veſte Rüſſelsheim auszuliefern, welche man ſich indeſſen verpflichten wolle, ſpäter in gutem brauchbaren Zuſtand zurückzugeben. Außerdem wurde neben der Belieferung der Armee mit Proviant, insbeſondere Brot und Wein, die Abtretung der noch nicht ge⸗ muſterten Werbetruppen gefordert, ſowie wohlwollende Neutralität der Garniſonen und Beſatzungen, die bei etwa erforderlichen weiteren Durchmärſchen den Truppen jede nötige Hilfe angedeihen laſſen ſollten. Für die richtige Einhaltung dieſer Forderungen ſollte einer der Söhne Ludwigs den König auf ſeinem weiteren Zuge als Geiſel begleiten.*)

Landgraf Ludwig geriet in die größte Beſtürzung und ſandte ſofort zu ſeinen Räten, Hofmarſchall Georg Riedeſel von Eiſenbach und dem Vizekanzler Dr. Terhel, um ſich mit dieſen zu beſprechen. Ihnen gegenüber gab er ſofort die Abſicht kund, daß er unter keinen Umſtänden in die Forderungen einwilligen werde und entſchloſſen ſei, lieber zu fliehen. Trotzdem dieſe abrieten, wurden die Vorbereitungen zur Flucht ſofort getroffen.*) Land⸗ graf Johann, der zweite Sohn Ludwigs, für deſſen Sicherheit der Vater auf Grund der pfälziſchen Forderungen beſonders fürchtete, ſollte ihn auf der Flucht begleiten. Ein Kam⸗ merdiener wurde mitgenommen und gegen zwölf Uhr nachts verließen die Flüchtlinge un⸗ ter Benützung des Darmbachdurchlaſſes unbemerkt bei dem Gerberhauſe die Stadt, um in nordweſtlicher Richtung zu fliehen. Doch ſchon gegen zwei Uhr wurden ſie in der Nähe von Büttelborn, als der Landgraf einen Zaun überſteigen wollte, und dabei ein knarren⸗ des Geräuſch entſtand, von einem patrouillierenden badiſchen Reiter entdeckt und feſtge⸗ nommen. Sie wurden bei dem Rittmeiſter der Leibkompagnie des Reiterregiments Her⸗ zog Magnus von Württemberg in Büttelborn eingeliefert.*) Dem Kammerdiener ge⸗

) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 331. Schreiben Landgraf Philipps von Heſſen. Butzbach vom 30. Mai /9. Juni 1622. Außerdem H. A. II. Convol. 65. II. Seite 32.

*) H. A. II. Convol. 66. III. Seite 179. Ferner St. A. VIII. Convol. 24. Seite 58.

¹6) H. A. II. Convol. 65. Seite 32.

¹¹] Dazu ſiehe Beilage I.

¹²) Buchs Chronik Seite 357..

¹3] Ueber die übrigen Forderungen des Pfalzgrafen ſiehe Beilage I.

¹3] Buchs Chronik Seite 357. Berichtet genau über die Flucht des Landgrafen auf Grund von Mitteilungen, die ihm perſönlich von dem beteiligten Kammerdiener gemacht wurden. 4

15) Et. A. VIII. Convol. 24. Seite 208. Rangälteſter Offizier der in Büttelborn liegenden badiſchen Truppen war Rittmeiſter Sickinger.