Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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19 Derhandlungen während der Beſetzung)

Am Hofe zu Darmſtadt gab man ſich nach dem Einmarſche der Pfälzer der Hoffnung hin, daß am 3. Juni in der Frühe der Weitermarſch angetreten werde, und der Landgraf hatte deshalb angeordnet, daß bei Zeiten das Arheilger Tor geöffnet werden ſollte.*) Mit Schrecken erkannte man bald, daß pfälziſcherſeits keine Anſtalten zum Wei⸗ termarſche getroffen wurden. Zwar deuteten die erſten Forderungen, welche Friedrich an den Landgrafen richtete, darauf hin, daß die Abſicht beſtand, weiterzumarſchieren. Er forderte die Geſtellung von 40 beſpannten Fahrzeugen zum Bagagefahren und die Aus⸗ zahlung von 60 000 Reichstalern zur Begleichung rückſtändiger Soldſchulden an die Ar⸗ mee, ferner die Freigabe derjeniger heſſiſchen Offiziere, die in pfälziſche Dienſte übertre⸗ ten wollten. Landgraf Ludwig lehnte die Forderungen ab mit der Begründung, daß er nicht im Stande ſei, ſie zu erfüllen, weil es ihm an Pferden und Geld fehle. Auch iſt von den heſſiſchen Offizieren niemand zur Armee Mansfeld übergetreten. Nur die Mann⸗ ſchaften der in Arheilgen liegenden Kompagnie Schütz wurden in das Regiment des Oberſtleutnants von Limbach eingeſtellt.) Der anfänglich geplante Weitermarſch ſollte in Richtung Dieburg auf Aſchaffenburg angetreten werden, um die Vereinigung mit Chri⸗ ſtian von Braunſchweig im Bistum Würzburg zu vollziehen. Als nun am Nachmittag des 3. Juni ein ſpaniſcher Kommiſſar gefangen in Darmſtadt eingebracht wurde, fand darauf hin ein langer Kriegsrat ſtatt.*) Jedenfalls erfuhr man durch ihn, daß Tilly am Abend vorher ſein Hauptquartier von Wimpfen nordwärts nach Amorbach verlegt hatte, daß er alſo willens war, den Uebergang über den Main ſtreitig zu machen. Infolgedeſſen faßte man den Entſchluß, unter allen Umſtänden die Ankunft des Markgrafen abzuwarten, zu⸗ mt da auch Herzog Chriſtian noch viel zu weit nördlich ſtand, um gegen Tilly mitwirken zu können.*

Im Darmſtädter Schloſſe verkehrte man ſcheinbar ganz freundſchaftlich in jenen Tagen, indem Quartiergeber und Gäſte ſich bei reichbeſetzter Tafel zu den gemeinſamen Mallzeiten trafen.) Dabei kam Landgraf Ludwig auch auf die Submiſſionserklärung zu ſprechen, die ja nach der Mainzer Beſprechung zur Einleitung von Verhandlungen ſchriftlich von dem Pfalzgrafen abgegeben werden ſollte. Friedrich erklärte unumwunden, daß er ſich an der Spitze einer ſolch anſehnlichen Armee auf etwas derartiges nicht einlaſſen könne. Ja er vermied abſichtlich jegliche Verhandlung in der Friedensfrage, weil er ſich ſeinen eignen Anhang dadurch zu entfremden fürchtete. Beſonders mögen dabei Rückſichten auf den Markgrafen von Baden maßgebend geweſen, den er nicht mißtrauiſch gegen ſich machen wollte.*) Von der großen Not, in der das platte Land ſchwebte, merkte man in Darm⸗ ſtadt wenig, erging ſich doch die Hofgeſellſchaf noch am Samstag nachmittag auf dem Ballonplatz im Federballſpiel.*) Indeſſen die Ereigniſſe des folgenden Tages, die Ankunft des Markgrafen mit ſeiner Armee am 5. Juni, drängte zur Entſcheidung, forderte neue Entſchließungen im pfälziſchen Hauptquartier. Die Maßnahmen, die dort getroffen wur⸗ den, ließen zeitweilig eine an Ratloſigkeit grenzende Unentſchloſſenheit erkennen. Mitge⸗

¹) Für die während der Beſetzung gepflogenen Verhandlungen kann als beſte Quelle derSum⸗ mariſche Bericht angeführt werden.

³) H. A. II. Convol. 66. Seite 176.

²ſ St. A. VIII. Convol. 24. Seite 187. 1

4) H. A. II. Convol. 65. II. Seite 32. Kurtz Verzeichnus des pfälziſchen und des Mansfeldiſchen Einfalls in die Obergrafſchaft Catzenelnbogen und fürſtl. Reſidengorit zu Darmbſtatt, Am 24. Mai 8 Funi gehen Palatinus und ansfeld fleißig zu rath, bekommen gefangen einen Spaniſchen

omiſſarium.

³]) H. A. r Ponvo. 8. IT Geite 213. ZAm Donnertag Frehtag Sambstag und Sonntag Iſt die vornembſte Taffel in der Pfalz eingegebenen Zimmer gehalten worden.....

döſter ferner St. A. VIII. Convol. 26. Seite 3. üalte wird in der Schädenliſte für die Koſten der Speiſung im Darmſtädter Schloß eine Summe von 7000 Reichstalern angeführt.

) H. A. II. Convol. 66. Seite 53.

] H. A. II. Convol. 65. II. Seite 32.