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abhängig ſei. Er ſollte zu dieſem Zweck einen pfälziſchen Rat nach Darmſtadt entſen⸗ den. ³⁵) Gelang es, dies beim Pfalzgrafen zu erreichen, dann mußte er ſich vorerſt jeg⸗ licher feindlichen Handlung enthalten, und das Ziel dieſer Verhandlungen, Zeit zu ge⸗ winnen, war erreicht. Nach Darmſtadt zurückgekehrt, ſchickte der Landgraf den Trom⸗ peter Johann Heim, dem er einen Paßzettel von Cordova beſorgt hatte, am 31. Mai nach Heidelberg ab. Doch vermochte er ſein Ziel nicht mehr zu erreichen; bei Bensheim fiel er pfälziſchen Aufklärern in die Hand, die ihn als Gefangenen im Hauptquartier in Lam⸗ pertheim einlieferten. Pfalzgraf Friedrich ging ſcheinbar auf den Wunſch Ludwigs, einen Rat zu entſenden, bereitwillig ein. Am Morgen des 1. Juni wurde Oberſt von Peblis mit dem Antwortſchreiben Friedrichs nach Darmſtadt geſchickt, begleitet von dem landgräflichen Trompeter. Darinnen brachte er ſein Befremden zum Ausdruck darüber, daß ſich der Landgraf nicht an ihn ſelbſt gewandt habe. Der beſondere Wunſch Ludwigs, daß Johann Kaſimir Kolb von Wartenberg nach Darmſtadt geſchickt werden möchte, wurde ebenſo ſtillſchweigend übergangen, wie die geforderte ſchriftliche Submiſſionserklärung.*) Der Oberſt war zu Unterhandlungen überhaupt nicht ermächtigt, ſondern er hatte nur die kurze Mitteilung zu machen, daß ſein Herr durch die Kriegslage gezwungen ſei, durch die Landgrafſchaft zu ziehen. Gleichzeitig erſuchte er um Belieferung der Armee mit Pro⸗ viant, der zum Lager geſchafft werden ſollte, um Ausſchreitungen der Soldaten zu ver⸗ meiden. Am Hof zu Darmſtadt erklärte man ſich ſofort bereit, den Forderun⸗ gen der pfälziſchen Heeresleitung zu willfahren, ja man atmete ſogar erleichtert auf, weil ſich die Verhandlungen mit dem Böhmenkönig ſo reibungslos ab⸗ wickelten. Man hatte jenem und Mansfeld gegenüber ein zu ſchlechtes Gewiſſen, um daran glauben zu können, daß man die Gefahr, der man ſeit Monaten mit ſolcher Furcht entgegengeſehen hatte, ſo maßlos überſchätzt haben ſollte.*) Als Peblis am frühen Morgen des 2. Juni, ehe er zurücktritt, bekannte, daß die Armee ſeines Herrn geſtern abend ſchon bis an die heſſiſche Landesgrenze herangerückt ſei, ließ dieſe Tatſache ſchon Zweifel in die Offenheit der pfälziſchen Heeresleitung ſetzen.*) Tatſächlich war auch an jenem Abende die Grenze bereits überſchritten worden, ohne daß man die Einwilligung des Landesherrn abgewartet hatte. Mansfeld ſchob noch am Abend des 1. Juni Teile ſeiner Armee bis zur heſſiſchen Landwehr, die ſich von Zwingenberg bis Gernsheim erſtreckte, vor. Das pfälziſche Hauptquartier wurde für jene Nacht nach Auerbach verlegt.*) In der Frühe des folgenden Tages durchzogen die Regimenter der pfälziſchen Vorhut unter der Führung der Reiterführer Oberntraut und Megant, ohne Widerſtand zu finden, den Zwingenberger Paß, deſſen Sicherung dem Führer des Neuen Regiments Oberſtleutnant von der Lipp anrertraut wurde.*) Er trat mit dem Führer der in Zwingenberg liegenden Beſatzungskompagnie, von Pfuel, in Unterhandlungen und einigte ſich mit ihm dahin, daß die den Paß beherrſchenden Graben⸗ und Schanzanlagen während des Durchmarſches ſeinen Truppen eingeräumt werden ſollten. Ihre Ver⸗ pflegung hatte während dieſer Zeit die Stadt zu übernehmen.*) Für eine noch auszu⸗ ſtellende Salve Guardia mußte die Stadt 1600 Reichstaler bezahlen, dafür erhielt die fürſtliche Kellerei während des Durchmarſchs ein beſonderes Schutzkommando zugebilligt.
5) Ebenda Convol. 28. 1. Seite 20. Landgraf Ludwig an die Heidelberger Räte am 30. Mai
2¹) St. A. VIII. Convol. 28. I. Seite 21. Pfalzgraf Friedrich an Landgraf Ludwig aus Lam⸗ pertheim, den 22. Mai/ 1. Juni 1622.
²²) H. A. Convol. 66. III. Seite 73. Ein bekannter Diener an Landgraf Georg Darmſtadt, den 27. Mai /6. Juni 1622. Als man nun gemeint, die Sachen ſtehen gar in den beſten terminis und daß vielleicht nur durch das Darmſtattiſch Land ein Durchzug genommen werden ſollte,.....
²sſ H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 212...
24] St. A. VIII. Convol. 24. Seite 171. Ausſage von Auerbacher Einwohnern über die Vor⸗ gänge am Abend des 1. Juni 1622...
²3] Ueber den Durchmarſch durch den Zwingenberger Paß ſiehe: St. A. VIII. Convol. 26. Seite 867. Ferner ebenda Convol. 24. Seite 58..
²3] St. A. VIII. Convol, 26. Seite 867. Während den Soldaten die Verpflegung in die Schanzen geſchickt wurde, nahmen die Offiziere ihre Mahlzeit im Gaſthauſe„Zum Löwen“ und„Zum Hirſchen ein.
1622.


