Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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den Main zu gelangen hoffe.*) Daraufhin ging er im Laufe des 28. Mai ganz über den Rhein zurück und gab ſeiner Reiterei Befehl zur Räumung der Bergſtraße, ſo daß bis zum 30. Mai ſelbſt die feſten Plätze wie Bensheim Heppenheim und Weinheim auf⸗ gegeben waren.*) Nur die Feſte Starkenburg blieb weiterhin von einem ſpaniſchen Kommando unter dem Befehle des Kapitäns Staſſin beſetzt, um von hier aus die Vor⸗ gänge an der Bergſtraße auf das ſchärfſte zu beobachten und die ligiſtiſche Heeresleitung genau davon zu unterrichten.*) Die Reiterei Beringhens marſchierte durch das Reichen⸗ bacher Tal 18 Kornet ſtark in die Grafſchaft Erbach ab, wo ſie auf die Aemter Freien⸗ ſtein und Erbach verteilt wurde.*) Um ſeine Maßnahmen bei Tilly zu rechtfertigen, hatte Cordova den Alvaro de Loſada nach Wimpfen abgeſchickt. Dieſer kehrte am 31. Mai von dort zurück mit der erneuten, dringenden Aufforderung, mit allen verfügbaren Trup⸗ pen zur Unterſtützung Tillys herbeizueilen. Gleichzeitig hatte er über die Pläne Tillys zu unterrichten, die daraus hinausliefen, unter Preisgabe der Ober⸗Landgrafſchaft Katzenelnbogen dem Gegner den Uebergang über den Main ſtreitig zu machen.*) Groß war die Enttäuſchung der heſſiſchen Grenzbewohner, als ſie das Ziel der ſpaniſchen Trup⸗ penbewegungen erkannten.Wir wollen dem Landgrafen ſein Land ſchützen, ſoll ihn aber wenig nützen, war der Spottvers, den man überall in jenen Tagen hören konnte. Zum wenigſten mit einer Verteidigung der feſten pfälziſchen Grenzplätze hatte man ge⸗ rechnet.*) Cordova wollte und konnte wohl auch den durch Loſoda überbrachten Befehl nicht mehr befolgen.

Mansfeld hatte in Speyer am 28. und 29. Mai zwei Ruhetage eingeſchoben, die die Vereinigung mit Markgraf Georg Friedrich von Baden ermöglichten. Dieſer hatte aus den Trümmern der bei Wimpfen geſchlagenen Armee eine neue aufgeſtellt, die 6000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter ſtark bei Rusheim ſtand und aufs neue mit Mansfeld zu⸗ ſammen das Kriegsglück verſuchen ſollte. Nachdem man am 30. Mai bis Rheingönnheim vorgerückt war, wurde am 31. Mai Rhein und Neckar bei Mannheim überſchritten. Das pfälziſche Hauptquartier wurde nach Lampertheim verlegt*³⁴) und die Reiter der Vorhut ſtreiften die Bergſtraße ab bis zur heſſiſchen Grenze. ³)

Auch Landgraf Ludwig war in jenen Tagen nicht müßig geblieben und machte einen letzten Verſuch, ſein Land vor dem Einfall zu bewahren. Er wollte vor allem Zeit ge⸗ winnen und ſuchte dies durch direkte Verhandlungen mit dem Pfalzgrafen zu erreichen. Er reiſte deshalb am 27. Mai, als er ſchon das Verhängnis unabwendbar über ſeinem Land drohen ſah, über Rüſſelsheim nach Mainz zu ſeinem Freund und Berater, dem Erz⸗ biſchof Johann Schweikard von Cronberg, deſſen Oberſtift ja den Durchzug Mansfelds nicht weniger zu fürchten hatte als das Gebiet Landgraf Ludwigs.) Bei der Mainzer Beſprechung einigte man ſich dahin, einen Boten ſofort nach Heidelberg abzuſchicken.**)

Durch ein Schreiben wollte man dem Pfalzgrafen klar machen, daß die Aufnahme von Friedensverhandlungen nur noch von einer ſchriftlichen Submiſſionserklärung ſeinerſeits

¹1⁰) Zeitſchrift dür die Geſchichte des Oberrheins, N F. Band 21. Seite 639. Beilage 6a und b Brief Cordovas an Tilly aus Bickenbach, den 27. Mai 1622

¹1) Ebenda Seite 640 und 641. Beilage 7a und b. Brief Cordovas an Tilly aus Oppenheim den 31. Mai 1622. Ferner Buch⸗ Chronik Seite 354.

) H. A. II. Convol 66. I. Seite 301. Der Keller von Zwingenberg an die Darmſtädter Räte. gwimensen den 9./ 19. Juni 1622. Dazu ſiehe ferner K. v. Reitzenſtein Der Feldzug des Jahres 1622 a Herrheineg Zeiti chrift für die Geſchichte des Oberrheins N. F. Band 26. Seite 271. Anm. 4.

VIII. Convol. 19. Seite 4. Kurzer Bericht was die Grafſchaft Erbach etc.

1 Segarhe für die Geſchichte des Oberrheins Band 28. Beilage 7 a und b. Brief Cordovas an Tilly aus Oppenheim, den 31. Mai 1622.

¹⁵) Buchs Chronik Seite 356.

¹6] St. A. VIII. Convol. 29. Seite 28. Pfalzgraf Friedrich an Herzog Friedrich von Württemberg aus Lampertheim, den 31. Mai 1622.

Hei ¹7) H. A. II. Convol. 65. VII. Seite 211. Gefangennahme des landgräflichen Trompeters Joh. eim.

8 ¹) Buchs Chronik Seite 356. 26] Ueber die Mainzer Verhandlungen ſiehe: St. A. VIII. Convol. 29. I. Seite 17 und Seite 25.