Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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Weiſe fehlen. In den Tagen, die der Einſchließung vorausgingen, fielen den Pfälzern mehrere Wagen beladen mit Brot, Getreide und Heu in die Hände, die zur Verprovian⸗ tierung Ladenburgs beſtimmt waren. Die Fuhrleute, Bürger aus Leeheim, Goddelau und Nieder⸗Ramſtadt, wurden als Gefangene in Heidelberg und Hagenau eingebracht.*) Wiewohl dieſer Vorfall die Neutralität des Landgrafen auch wiederum in bedenklichem Lichte erſcheinen ließ, ſo ſcheute man ſich in Darmſtadt doch nicht, mit dem Gouverneur von Heidelberg, van der Merven, in Unterhandlungen wegen Freigabe der Gefangenen einzu⸗ treten. Wenn die Landgrafſchaft jetzt nach der Rückeroberung Ladenburgs von der Ueberſchwemmung durch die mansfeldſchen Scharen nochmals verſchont blieb, ſo ver⸗ dankt ſie dies der Bedrohung Hagenaus durch den aus dem Oberelſaß vordringenden Erzherzog Leopold. Die Beſorgnis um dieſen Waffenplatz nötigte Mansfeld am 11. Mai nochmals zur Rückkehr über den Rhein. Auch hatte der Sieg Tillys und Cordovas bei Wimpfen über den Markgrafen von Baden die Kriegslage weſentlich zugunſten der Kaiſerlichen verſchoben. Nach dieſem großen Erfolge konnte die Landgraſfſchaft, welche in den erſten Maitagen wehrlos dem Einmarſch der pfälziſchen Armee offenſtand, wie⸗ derum auf die Hilfe der Spanier vertrauen, zumal da Cordova nach dem Wimpfener Siege wieder über Hirſchhorn, Wald⸗Michelbach und Weinheim nach Oppenheim zurück⸗ kehrte.) Seine Reiterei blieb rechts des Rheins auf die Dörfer des erbachiſchen Amtes Reichenberg und die pfälziſchen Bergſtraßenorte von Bensheim bis Weinheim verteilt. Ihr Führer, Generalkommiſſar Pascal de Beringhen, welcher in Bensheim im Quartier lag, hatte die Verbindung mit der Armee Tillys aufrecht zu erhalten.*) Tillys Hauptmacht, beſtehend aus fünf Regimentern Infanterie, ſtand in jenen Tagen abwartend bei Hirſch⸗ horn, ſeine Reiterei war im ſüdöſtlichen Odenwald bis nach Amorbach hin verteilt.*) Während alſo Cordova auosſchließlich die Unternehmungen Mansfelds zu über⸗ wachen hatte, zeigte dieſe Gruppierung der Truppen ſchon an, daß Tilly auch den Bewe⸗ gungen des Herzogs von Braunſchweig ſeine Aufmerkſamkeit ſchenkte.

Als Landgraf Ludwig am 24. Mai von ſeiner diplomatiſchen Rundreiſe nach Darm⸗ ſtadt zurückkehrte, mochte er ſich der Hoffnung hingeben, daß er auf den Schutz beider ligiſtiſcher Armeen rechnen könne, ſetzten doch täglich ſtarke berittene Aufklärungstrupps der Spanier bei Stockſtadt über den Rhein und ritten die Bergſtraße aufwärts zur Ueberwachung der Verbindung zwiſchen der ſpaniſchen Reiterei und der Infanterie.*) Da erſchienen Mansfeld nach der überraſchend ſchnellen Entſetzung Hagenaus ſchon am 27. Mai wieder am Rheine und biwakierte in unmittelbarſter Nähe von Speyer. Durch ſein zögerndes Verhalten ließ er die Gegner über ſeine nächſten Ziele im Unklaren und machte ſie in ihren Entſchlüſſen ſchwankend. Tilly war der Anſicht, daß der nächſte An⸗ griff des Gegners nach Ueberſchreitung des Rheines ihm gelte und überſandte Cordova den Befehl, ſofort zu ſeiner Unterſtützung herbeizueilen. Tatſächlich brach dieſer in der Frühe des 27. Mai mit einem Teile ſeiner Infanterie zur Unterſtützung Tillys auf, gab jedoch vor den Toren von Bensheim plötzlich den Befehl zur Umkehr, auf die zuver⸗ läſſige Nachricht aus Weinheim hin, daß Mansfeld erſt am folgenden Tage vorhabe, den Rhein zu überſchreiten, und über die Bergſtraße nordwärts marſchierend bei Hanau über

¹) St. A. Abt. VIII. Convol. 24. Seite 131. Ausſage des Bürgers Philipp Baur aus Nieder⸗ Ramſtadt, der beim Brotfahren nach Ladenburg gefangen genommen und in Hagenau feſtgehalten wurde.

) H. A. Convol. 66. Jas I. Seite 53. Die Darmſtädter Räte an den Gubernator zu Heidelberg van der Merven vom 18./ 28. April 1622. Ferner ebenda Seite 63. Van der Merven an die Darmſtädter Räte Heidelberg den 2./12. Man 1622; außerdem ebenda Seite 280286 Verhandlungen wegen der Frei⸗ laſſung der Gefangenen.

] Buchs Chronik Seite 357..

*) Karl Freiherr von Reitzenſtein, Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein, Zeitſchrißt für die Geſchichte des Oberrheins. N. F. Band 21. Seite 292. Ebenda Seite 632. ff. Abdruck und Ueberſetzung von 7 Briefen Cordovas an Tilly aus der Zeit vom 10.27. Mai 1622.

*) St. A.VIII. Convol. Seite 116. Kurjex Bericht, was die Grafſchaft Erbach und Herr⸗ ſchaft Breuberg für Schaden erlitten von den Kayſerl Volk anno 1621 und 22.

) Buchs Chronik Seite 354 und 357.