Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

Nürnberg einverſtanden war und ſein Erſcheinen unter der Bedingung zuſagte, daß der Kaiſer vorher eine klare Erklärung bezüglich des unveränderten Fortbeſtandes der pfäl⸗ ziſchen Kurwürde abgebe.*) Auch hiervon wurde der Kaiſer von Landgraf Ludwig ver⸗ ſtändigt und er hoffte nun von Tag zu Tag auf die erlöſende Antwort aus Wien. In beſonderen Schreiben wandte er ſich an den Reichshofrat Georg von Hohenzollern und den Reichsvizekanzler von Ulm, doch ihren Einfluß auf den Kaiſer geltend zu machen und ihn zu der von Sachſen verlangten Erklärung zu bewegen, da ſonſt die geplanten Ver⸗ handlungen nicht zuſtande kämen.*) Indeſſen die erſehnte Antwort vom Kaiſer iſt nie eingetroffen.) Landgraf Ludwig war in der Beſorgnis um ſein Land weit über das Ziel hinausgeſchoſſen, das ſeine Auftraggeber ihm geſteckt hatten. Durch Gewinnung Württembergs und Badens hatte Ludwig der ligiſtiſchen Partei bei Erreichung ihres Kriegsziels, der Beſetzung der Unterpfalz, behülflich ſein ſollen. Friedensverhandlun⸗ gen kamen ihr vorerſt vollkommen unerwünſcht. Alle Nachrichten vom Kriegsſchauplatze deuteten in jenen Tagen darauf hin, daß ſich das drohende Wetter unaufhaltſam an der Südgrenze des Heſſenlandes zuſammenzog, und das Ausſichtsloſe aller ſeiner Bemühun⸗ gen einſehend, kehrte der Landgraf nach Darmſtadt zurück, wo er am 24. Mai eintraf.**)

Der Einfall Ernſts von Mansfeld in die Landgraſſchaft Heſſen-Darmſtadt)

In der Nacht vom 23. auf 24. April war der Aufbruch Mansfelds erfolgt. Nach dem Erſcheinen des oberſten Kriegsherrn, Pfalzgraf Friedrichs, im pfälziſchen Lager zu Ger⸗ mersheim(23. April) ſetzte dort eine rührige Tätigkeit ein. Auch Markgraf Georg Fried⸗ rich von Baden ließ jetzt die Maske fallen und trat offen auf die Seite des Geächteten. Man ging nunmehr ſofort daran, die gefaßten ſtrategiſchen Pläne zu verwirklichen, und ſetzte ſich nach Ueberſchreitung des Rheins in nördlicher Marſchrichtung in Bewegung. Tilly, der bei Mingolsheim das Vordringen der pfälziſchen Armee aufzuhalten verſuchte, erlitt eine ſchwere Schlappe und wich durch das Neckar⸗Bergland auf Wimpfen zurück. Seine Bekämpfung überließ Mansfeld dem inzwiſchen auf dem Plane erſchienenen Georg Friedrich von Baden, während er ſelbſt ſich durch Belagerung und Einnahme des von den Spaniern beſetzt gehaltenen Ladenburg freien Uebergang über den Neckar ſicherte. ²) In den Tagen, da Landgraf Ludwig noch in Dresden unterhandelte und ſich bemühte, die feindlichen Parteien in Friedensverhandlungen zu bringen, ſtreiften die mansfeld⸗ ſchen Reiter bereits über die Weſchnitz hinaus bis an die heſſiſche Grenze.*) Heſſiſcherſeits ließ man es an Unterſtützung der bedrohten ſpaniſchen Beſatzung Ladenburgs in keiner

³6) St. A. Abteil. VIII. Convol. 28. Fasz. 4. Seite 20. Antwort Sachſens auf die bayriſchen Vor⸗ ſchläge übergehen an Landgraf Ludwig, den 25. April /5. Mai zu Dresden.

47) St. A. Abteil, VIII. Convol. 28. Fasz. 4. Seite 37. Landgraf Ludwig an Graf Ernſt Georg von Hohenzollern aus Dresden, den 27. April/ 7. Mai 1622. Ebenda Seite 35. Landgraf Ludwig an den Reichsvizekanzler von Ulm aus Dresden, den 27. April /7. Mai 1622.

Mai 16425 A. Convol. 66. III. Seite 83. Landgraf Ludwig an den Kaiſer aus Darmſtadt, den 19./29. ai

⁴²) Buchs Chronik. Seite 355.

¹) Dazu ſiehe Kartenſkizze 1...

²) Ueber die Belagerung und Einnahme von Ladenburg ſiehe: Karl Freiherr von Neitzenpein der

Fdana hes Jahres 1622 am Oberrhein. Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins N. F. and 21. eite 282 294..

³) Karl Freiherr von Reitzenſtein, Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein, Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins. Neue Folge Band 21. Seite 285.