Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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Da dieſe Pläne den Wünſchen Landgraf Ludwigs in jeder Beziehung entgegen⸗ kamen, ſo erklärte er ſich ſofort zu tatkräftiger Förderung der kaiſerlichen Abſichten bereit und verſprach, ſich des gewordenen Auftrages ſchon innerhalb der nächſten acht Tage zu entledigen.) Zwar konnte er ſein Verſprechen nicht halten, da durch den Aufbruch Mansfelds aus Hagenau am 22. März in Heſſen, wie ſchon oben erwähnt, eine derartige Beunruhigung ausgelöſt wurde, daß der Landgraf es nicht wagte, durch ſeine Abreiſe den herumſchwirrenden Gerüchten noch mehr Nahrung zu geben.**) Um aber die koſtbare Zeit nicht ungenützt verſtreichen zu laſſen, ordnete er ſeine beiden vertrauteſten Räte, den Hofmarſchall Georg Freiherr von Riedeſel zu Eiſenbach und den Vizekanzler Dr. Terhel, am 26. März nach Ansbach ab.*) Nach kurzen Beſprechungen mit dem Biſchofe in Würz⸗ burg, wobei ihnen die ſchon verſprochene Unterhaltung zweier Kompagnien nochmals ausdrücklich zugeſichert wurde, trafen ſie in Ansbach ein. Dort waren die Unterhand⸗ lungen mit dem bereits anweſenden Geſandten von Baden und Württemberg ſchriftlich ſchon aufgenommen. Joachim Ernſt von Ansbach erklärte der heſſiſchen Abordnung rund⸗ weg, daß er jetzt, nachdem allenthalben die Heere in Bereitſchaft geſetzt ſeien, die ganze Vermittlungsaktion für verſpätet und ausſichtslos halte. Württemberg und Baden ſeien nicht dafür zu haben, ihr Volk auf die eine Seite zu ſchlagen. Der Herzog von Würt⸗ temberg hatte dies in einem Schreiben bereits unumwunden zum Ausdruck gebracht, der anweſende badiſche Geſandte Mollinger hüllte ſich vollkommen in Stillſchweigen. Der Markgraf von Ansbach trat nunmehr mit dem Gegenvorſchlage hervor, der Kaiſer möge ſofort Friedensverhandlungen unter der Mitwirkung einiger Kurfürſten und Fürſten ganz unabhängig von den Brüſſeler Beſprechungen in einer deutſchen Stadt aufnehmen.) Zwecks näherer Beſprechungen ließ er den Landgrafen nach Tauberbiſchofsheim einla⸗ den, wo ſich Ludwig am 13. April tatſächlich einfand.*) Da Mansfeld ſeit dem 24. März ruhig in Germersheim lag, konnte er es jetzt eher wagen, ſein Land zu verlaſſen. Bei der Zuſammenkunft gewann Landgraf Ludwig die Ueberzeugung, daß eine Waf⸗ fenniederlegung jetzt nicht mehr zu erreichen ſei, daß nur ſofort einzuleitende Friedens⸗ verhandlungen das neue Aufflammen des Krieges noch verhindern könnten. Er ſetzte deshalb ſogleich ſeine Reiſe nach München fort, um bei Herzog Maximilian ſeine Be⸗ mühungen in dieſer Richtung fortzuſetzen.) Der Bayernherzog war bereit, ſich bei dem Kaiſer dafür einzuſetzen, daß baldigſt die Ausſchreibung eines Fürſtentages nach Nürnberg erfolgen ſollte, Aufgabe des Landgrafen dagegen ſollte es ſein, Sachſen unter allen Umſtänden zur Teilnahme hieran zu gewinnen.*¹) Auf der Durchreiſe nach Dres⸗ den unterrichtete der Landgraf von Ansbach aus am 25. April den Kaiſer über das bis⸗ herige Ergebnis ſeiner Vermittelung.) Schon in den erſten Tagen des Mai nahm er in Dresden die Beſprechungen mit Johann Georg von Sachſen auf, der mit der Tagung in

3s) St. A. VIII. Convol. 28. iTas 13. Seite 9. Beſprechung Landgraf Ludwigs mit dem bay⸗ riſchen Sondergeſandten Bartholomäus Richel.

36) St. A. Abt. VIII. Convol. 29. Fasz. 12. Seite 2, Landgroff Ludwig an Johann Georg von Sachſen aus Darmſtadt den 14./ 24. März 1622. Desgl. St. A. Abt. VIII. Convol. 29. Fasz. 12. S. 6. Landgraf Ludwig an Joachim Ernſt von Brandenburg aus Darmſtadt den 16./ 26. März. 1622.

St. A. Abt. VIII. Convol. 28. Fasz. 12. S. 62. Propoſition Landgraf Ludwigs für die Zu⸗ ſammenkunft in Ansbach.

41) St. A. Abteil. VIII. Convol, 28. Fasz. S. 13. Bexricht der beiden Geſandten über die Ver⸗ handlungen aus Ansbach vom 22. März/ 1. April 1622. Ebenſo Bericht Dr. Terhels über die Reiſe nach Ansbach vom 27. März /6. April 1622.(Convol. 28. Fasz. 12. S. 20.) Ferner: Joachim Ernſt von Hrundenburg an Landgraf Ludwig aus Ansbach, den 22. März/ 1. April 1622.(Convol. 28. Fasz. 12. S. 36.

¹²) St. A. Abteil. VIII. Convol. 28. Fasz. 12. Seite 41. Landgraf Ludwig an Joachim Ernſt von Brandenburg aus Darmſtadt den 28. März/7. April, 1622..

4a) St. A. Abteil. VIII. Convol. 28. Fasz. 4. Seite 13. Landgraf Ludwig an Johann Georg von Sachſen aus Ansbach, den 15./25. April 1622.. 3

M 44) St. A. VIII. Convol. 28. 4. Landgraf Ludwig an Maximilian von Bayern. Dresden 27. April 7. Mai 1622

45] St. A. Abteil. VIII. Convol. 28. Fasz. 4. Seite 25. Landgraf Ludwig an Kaiſer Ferdinand II. aus Ansbach, den 15./ 25. April..