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verfaſſung, der Ausſchuß, ſollte aufgehoben werden. Neben der ſchon ſeit 1621 beſtehen⸗ den Kompagnie Diel, die in Darmſtadt in Garniſon lag, ſollten alsbald 10 weitere auf⸗ geſtellt werden. Es wurden Werbepatente für 5 Kompagnien zu Fuß zu je 200 Mann und für 5 Kompagnien zu Pferd zu je 100 Mann ausgegeben. Verpflichtungen, die Landgraf Ludwig in dem genannten Abkommen mit den geiſtlichen Fürſten übernommen hatte, mögen für die Stärke der aufzuſtellenden Truppen maßgebend geweſen ſein. Die Neuwerbungen wurden unter den Augen der ſpaniſch⸗ligiſtiſchen Armee vorgenommen und von der Gegenpartei, insbeſondere von Landgraf Moritz von Heſſen⸗Caſſel, mit gro⸗ ßem Argwohn verfolgt. Ende März waren ſie ſoweit gediehen, daß die Kompagnien zu⸗ ſammengeſtellt werden konnten.**) Die fünf Reiterkompagnien wurden folgendermaßen verteilt: Die Kompagnie des Rittmeiſters Hans Heinrich von Moßpach wurde nach Darm⸗ ſtadt gelegt, wo ſie dem landgräflichen Hoſe zur Verfügung ſtehen ſollte. Die Kompag⸗ nie von Wambold wurde in Groß⸗Umſtadt untergebracht.“) Dem Rittmeiſter Wilhelm von Schätzel wurde Alsfeld mit ſeiner Kompanie zugewieſen, während die Kompagnien der Rittmeiſter Otto Reinhard von Ehringshauſen und von Geißmar Homberg an der Ohm und Grebenau als Standort erhielten. Die Fußkompagnie des Kapitäns Hans Diel genannt Dresler behielt ihren ſeitherigen Standort Darmſtadt. Der Kapitän Hans Georg von Pfuel wurde mit der Ueberwachung des Zwingenberger Paſſes betraut.**) Eine weitere Kompagnie, deren Aufſtellung noch im Gange war, unter dem Kapitän Schütz fand in Arheilgen Unterkunft.**) Zur Verteidigung Rüſſelsheims wurde eine wei⸗ tere Kompagnie dem Kommandanten daſelbſt Matthias Frümer(2) zur Verfügung ge⸗ ſtellt,**) während die beiden letzten Fußkompagnien in den Dörfern des Amtes Dreieich vorerſt ins Quartier gelegt wurden.*)
Waren dieſe Vorbereitungen auch nicht derart, daß der Landgraf allein an ernſtlichen Widerſtand denken konnte, ſo glaubte man doch allgemein, daß der Gegner mit Unter⸗ ſtützung der Spanier an der heſſiſchen Landwehr bei Zwingenberg ſolange aufgehalten werden könne, bis Tilly auf dem Plane erſcheinen könnte.“) Unter den Bewohnern Darmſtadts machte ſich aber in jenen Tagen wiederholt eine große Beunruhigung bemerk⸗ bar, ſo am Morgen des 23. März, als ſich in der Stadt das Gerücht verbreitete, daß der Adel in der Nacht unter dem Schutze einiger Soldaten 12 Wagen vollbeladen mit Haus⸗ rat und Vorräten hinter die Mauern Frankfurts hätte in Sicherheit bringen laſſen.*) Der Landgraf erfuhr ſelbſt den Vorfall und ſtellte voller Zorn die in Frage kommenden Adelsperſonen zur Rede. Sie entſchuldigten ſich damit, daß es ohne ihr Vorwiſſen auf Veranlaſſung ihrer Frauen geſchehen ſei, auf Warnungen hin, die ihnen aus dem Lager Mansfelds zugekommen ſeien. Tatſächlich war am Tage vorher, alſo am 22. März, der Aufbruch der Pfälzer in Hagenau erfolgt. Eine ähnliche Panik bemächtigte ſich der Ge⸗ müter am 1. April auf die Nachricht hin, daß das Regiment Oberntraut bereits in Schrießheim ſei und der Einbruch Mansfelds unmittelbar bevorſtehe.**) Viele Frauen. beſonders aus den Kreiſen des Darmſtädter Adels flüchteten nach Frankfurt. Dort war
²²) Buchs Chronik Seite 345. Am 23. März /2. April iſt Landgraf Ludwigs Reiterei zu Darm⸗ ſtadt und Beſfungen einlogiert worden und das Fußvolk auf die Dorger umher. 3
3] Heſ liche Volksbücher. Band 3. Bilder aus der heſſiſchen Vergangenheit. Seite 111. 4
24] St. A. VIII. Convol. 27. Fasz. II. S. 2. Kapitän von Pfuel an Landgraf Ludwig aus Zwin⸗ genberg 21./31. Mai 1622.. 1
²6) Ebenda Convol. 24. S. 187. Die Kompagnie wird während der Beſetzung in das Regiment des pfälziſchen Oberſtleutnants von Limbach lingereibt.
— ²6) St. A. VIII. Convol. 30.(Feſtung Rüſſelsheim). Der Zuname des Kommandanten iſt ſchwer leſerlich, Im Verzeichnis heſſ. Offiziere findet ſich Brüner...
²) Stadtarchiv zu Frankfurt a. M. Reichsſachen I. Nr. 8. 1532 a. Die beiden Kompagnien gehen anfangs Mai als Beſatzung nach Gießen.
²s) Buchs Chronik Seite 357.
26( Buchs Chronik Seite 343. 1 7.
30] Buchs Chronik Seite 345. Dazu ſiehe: Karl Freiherr von Reitzenſtein. Der Feldzug des Jah⸗ res 1622 am Oberrhein. Heft II. Seite 116. Darnach handelt es ſich tatſächlich um eine gewaltſame Erkundung der mansfeldſchen Reiterei unter dem Befehle des General⸗Oberſtleutnants der Reiterei Jo⸗ hann von Streiff zu Lauenſtein.


