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furchtbare Rache nehmen wolle, dies alles beunruhigte den Landgrafen ernſtlich.“*) Er hatte hierzu um ſo mehr Grund, weil Tillys Erfolge in der Unterpfalz nicht von durch⸗ ſchlagender Bedeutung waren, während Cordova jenſeits des Rheins eigene Pläne ver⸗ folgte und den pfälziſchen Streitkräften keineswegs gewachſen war. Doch ließ ſich Lud⸗
wig V. in der nunmehr eingeſchlagenen Politik nicht beirren, obgleich ſie nicht einmal im eigenen Lande ungeteilte Zuſtimmung fand.*) Sein ganzes Streben war vielmehr darauf gerichtet, den Gefahren, die er durch ſie über das Land heraufbeſchworen hatte, nach Kräften zu begegnen und ſie, wenn möglich, ganz zu bannen.
Mansfeld ſollte nach den Plänen der ligiſtiſchen Heeresleitung im Frühjahr 1622 durch das Zuſammenwirken der Streitkräſte Tillys, Cordovas und des im Oberelſaß ſtehenden Erzherzogs Leopold erdrückt werden.*) Ja man ließ nichts unverſucht, auch noch eine Reihe von Neutralen zur Durchführung dieſes Planes zu gewinnen. Wäh⸗ rend man der Mitwirkung Landgraf Ludwigs ſicher ſein konnte, gab man auch die Hoff⸗ nung auf andere evangeliſche Stände wie Württemberg und Baden noch nicht auf. ¹) Mansfeld ſeinerſeits ſuchte ſich dieſer geplanten Umklammerung zu entziehen, indem er die Abſicht verfolgte, unter Heranziehung der in Weſtfalen ſtehenden Armee Chriſtians von Braunſchweig, den Krieg aus der Pfalz in das Bistum Würzburg und ſchließlich nach Böhmen hinüberzuſpielen. Während Jakob I. von England ſich durch Verhandlun gen mit Spanien und dem Kaiſer in Brüſſel ernſtlich bemühte, einen Waffenſtillſtand zwiſchen den feindlichen Parteien anzubahnen,) trafen dieſe ſelbſt beiderſeits alle Vor⸗ bereitungen, ihre Pläne mit Waffengewalt zur Durchführung zu bringen, Pläne, die die Landgrafſchaft Heſſen⸗Darmſtadt geradezu in den Brennpunkt der kommenden krieger⸗ iſchen Ereigniſſe rückten. Tilly, dem es zunächſt darauf ankommen mußte, eine Ver⸗ einigung Mansfelds mit dem Herzog von Braunſchweig zu verhindern, machte den Land⸗ grafen wiederholt auf die ſeinem Lande drohende doppelte Gefahr aufmerkſam und for⸗ derte ihn auf die erforderlichen militäriſchen Maßnahmen zu treffen. Auch Johann Schweikard, der Erzbiſchof von Mainz, ließ es an Warnungen nicht fehlen.*) 3
Deshalb trat der Landgraf zunächſt mit ſeinen gleichfalls bedrohten Nachbarn, den geiſtlichen Fürſten zu Mainz, Würzburg und Fulda in Unterhandlungen, die zu Aſchaffen⸗ burg in der Partikularverfaſſung vom 2. Februar ihren Abſchluß fanden. Ihr zu Folge ſicherten ſich die Beteiligten gegenſeitige militäriſche Unterſtützung im Falle einer feind⸗ lichen Bedrohung zu, ja Würzburg verſprach dem Landgrafen ſogar die Unterhaltung zweier Kompagnien. ⁵*⁹³)
In den erſten Tagen des Februar wurden in Darmſtadt Pläne fertiggeſtellt zur Schaffung einer ſtehenden Truppe.**) Die Koſten hierfür ſollten durch eine beſondere Be⸗ ſteuerung der zum Ausſchuſſe verpflichteten Bürger aufgebracht werden. Die alte Wehr⸗
¹¹) St. A. Abteilung VIII. Convol. 29. 12. S. 2. Brief Landgraf Ludwigs an Joh. Georg von Sachſen aus Darmſtadt vom 14. März 1622. Dieweil ſich der Mansfelder und viele andere von Rinonr wegen vieler Bedrohungen gegen uns und die unſrigen hat vernehmen laſſen, ſowie uns deswegen unterſchiedliche Schreiben und Berichte zukommen ſind.... Dazu ferner: H. A. Convol. 66. III. Seite 179. Copie eines Briefes der Fürſten und Stände des niederſächſiſchen Kreiſes an Friedrich V. von der Pfalz vom 27. März 1622.
igen Krieges. Prag 1880. Band 4. Seite St. A. VIII. Convol. 29. Fasz. 13. S. 19.
2I] Staatsarchiv zu Marburg. Abt. Kriegsangelegenheiten 1622. Convol. II. Bericht über die Rüſtungen Landgraf Ludwigs an Landgraf Moritz von Heſſen⸗Caſſel vom 17. Februar 1622.


