Aufsatz 
Der Einfall Ernsts von Mansfeld in Hessen im Jahre 1622
Entstehung
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den Landgrafen zwar nicht nach Jeruſalem, wohl aber an den Hof des Königs von Spa⸗ nien führte) und die Reiſe ſeines älteſten Sohnes Georg nach Spanien im Jahre 1621*) ſind Beweiſe für die innigen Beziehungen zum ſpaniſchen Hofe, die natürlich den Gegnern der Habsburger nicht verborgen geblieben ſind.*)

Der Landgraf hat denn auch keine Gelegenheit verſäumt, ſich den Spaniern erkennt⸗ lich zu zeigen. Mit welchem Eifer verwendet er ſich im Sommer 1620 für den freien Durchzug Spinolas am Rhein, den ihm ſein Vetter Landgraf Moritz ſtreitig machen will.) Nach der Feſtſetzung der Spanier in Oppenheim werden von Darmſtadt aus die freund⸗ ſchaftlichſten Beziehungen zu dem dortigen Gouverneur unterhalten. Man geizte nicht mit der Anfuhr von Proviant für die ſpaniſchen Truppen, wozu die Bewohner der Land⸗ grafſchaft wiederholt durch herrſchaftlichen Befehl verpflichtet wurden.) Bei den Ver⸗ handlungen, die wegen der Uebergabe Frankentals an die belagernden Spanier im Ok⸗ tober 1621 angebahnt worden waren, wurde Landgraf Ludwig mit Erfolg von Cordova als Vermittler angerufen.*) Ja dieſer trat ſogar an die pfälziſchen Räte in Heidelberg mit dem Anſinnen heran, ihr Land unter kaiſerlichen Sequeſter zu ſtellen, um weitere unnütze Zerſtörung des Landes zu verhüten.) Nach der Einnahme der Feſte Otzberg, einer pfälziſchen Enklave, durch die Ligiſten(29. Januar 1622) ließ er ſich ohne Bedenken da⸗ ſelbſt vom Kaiſer Beſatzungsrechte einräumen.*) Wenn man ſich auch ſchon ſeit der Auf⸗ löſung der Union im pfälziſchen Lager darüber klar war, wie man die Neutralität Land⸗ graf Ludwigs einzuſchätzen hatte, ſo hatte man ſich bisher doch nicht über eine offene Feindſeligkeit von ihm zu beklagen. Im Vertrauen auf die Anweſenheit Tillys ſcheute jedoch der Landgraf auch davor nicht zurück. Als es galt, die Vereinigung der aus dem Norden herannahenden Werbetruppen Chriſtians von Braunſchweig mit den in der Unter⸗ pfalz ſtehenden Streitkräften zu verhindern, da verweigerte der Landgraf dem Herzog trotz wiederholter Bitten den freien Durchzug.*) Ja ſchon bei ſeinem Herannahen er⸗ ließ er ein ſtrenges Ausfuhrverbot für Lebensmittel.*) Durch tatkräftige Unterſtützung des bayriſchen Generals von Anholt gelang es ihm unter Aufbietung der oberheſſiſchen Ausſchuſſes den Eindringling im Gefecht bei Kirtorf über die Landesgrenze zurückgewor⸗ fen und zum Rückzug nach Weſtfalen zu nötigen.(20. Dezember 1621.) ¹)

Indeſſen iſt der Landgraf dieſes Erfolges nie recht froh geworden. Die Kriegslage des Frühjahrs 1622 geſtaltete ſich bald derart, daß die Rache Mansfelds unabwendbar zu ſein ſchien. Die Erfolge des pfälziſchen Generaliſſimus im Unterelſaß, das Anwachſen ſeiner Armee, die verdächtigen Werbungen Markgraf Georg Friedrichs von Baden⸗Dur⸗ lach, die Drohungen Chriſtians von Braunſchweig, daß er für die erlittene Schlappe

²) Archiv für Heſſ. Geſchichte. Jahrgang 1845. bSeft 2. Baur, Die Pilgerreiſe des Landgrafen Ludwig von Heſſen⸗Darmſtadt nach dem eil dn.Graß e. ¹]) Archiv für Heſſ. Geſchichte. Band 10. 37. Landgraf Georg hielt ſich vom 22. November bis 25. Dezember 1621 am ſpaniſchen Leſe 4,6 ) St. A. Abt. Marburger Succeſſion Convol. 27. Unterredung des Landgrafen Moritz mit dem ſehigen Geſandten Rittmeiſter Wilhelm von Schätzel:Da ſeht ihr, was euch die ſpaniſchen pensiones für uben. bringen.... und was für Früchte die Berclädiebt mit den Papiſten gebracht hat. t. A. VIII. Convol 20. Seite 143. 1 Vi Cfronſte Seite 326. Die Untertanen des Amtes Dornberg müſſen am 22. Dezember 1621 abermals Hafer, Stroh, Heu und Wein für die Spanier nach Rorum(Rohrheim) führen. Dazu ferner: Archiv für Heſſ. Geſchichte, Band 10. S. 342. Von den herrſchaftlichen Fruchtvorräten wurde im Jahre 1622 an die ſpaniſche General⸗ Proviantkommiſſion 7048 Malter Weizen für 47 692 ½ fl. ver kauft. Außerdem: St. A. VIII. Convol. 24. Seite 183. Ausſage des Kellers von Dornberg über die Belieierung der Spanier mit Proviant. 8) Lirl Figherr von Reitzenſtein, Der Feldzug am Dberrhein 1622 B. I. Seite 16. ³) St. A. VIII. Convol. 29. S. 18. Erwidexung Landgraf Ludwigs auf die Vorwürfe des Pfalzgrafen, A. er die Neutralität wiederholt gebrochen habe. 1⁰) von Reitzenſtein. Band I. S. 66.. 10 Karl Freiberr von Neitenſtein. Band l. S. 94. ¹²) Buchs Chronik S. 324. Am 6. Dezember 1621 erläßt Landgraf Ludwig ein ſtrenges Ver⸗ bot, Frucht außerhalb des Landes zu verkaufen. e ¹3) Karl Freiherr von Reitzenſtein. Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein. Band I. eite 94