C. Neuere Bearbeitungen
Moritz Ritter, Deutſche Geſchichte im Zeitalter der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges. 3. Band.
Anton Gͤindely, Geſchichte des Dreißigjährigen Krieges. Band 4. Prag 1880.
Dieſes Werk gibt einen überaus klaren Einblick in den Stand der diplomatiſchen Verhandlungen in den Frühjahrsmonaten des Jahres 1622.
Schließlich ſind anzuführen die Arbeiten des Freiherrn Karl von Reitzenſtein, die in der Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins veröffentlicht ſind.
Karl Freiherr von Reitzenſtein. Der Feldzug des Jahres 1622 am Oberrhein.
Zeitſchrift für die Geſchichte des Oberrheins. Neue Folge Band 21. Heidelberg 1906 Seite 624—631.
Dazu die Fortſetzungen in derſelben Zeitſchrift Band 25.(Seite 605— 613), Band 26(Seite 267— 282) und Band 27.(Seite 52— 69).
Der Verfaſſer gibt darinnen unter Benützung der Akten des Geheimen Staats⸗ archivs und des Bayriſchen Allgemeinen Reichsarchivs zu München eine richtige Darſtellung der Kriegsereigniſſe des fraglichen Zeitabſchnitts.
Die Stellung Landgraf Ludwigs V.
zu den briegführenden Parteien
Im Spätherbſte des Jahres 1621 klopfte der dreißigjährige Krieg zum erſtenmale mit eiſenklirrender Fauſt an die Grenzen der Landgrafſchaft Heſſen⸗Darmſtadt. Nach⸗ dem der Winterkönig in Böhmen endgültig verſpielt und ſein General Ernſt von Mans⸗ feld ſich nach der von den Spaniern bedrohten Unterpfalz zurückgezogen hatte, beſtand für die Landgrafſchaft, deren unmittelbares Nachbarland, natürlich die größte Gefahr, daß ſie zum Kriegsſchauplatz wurde. Tilly, der Oberbefehlshaber der ligiſtiſchen Armee, ſcheute ſich denn auch nicht, das Land Landgraf Ludwigs V. als Aufmarſchgebiet gegen die Un⸗ terpfalz zu benützen und vom Odenwald und der Bergſtraße aus gemeinſam mit Cordova, dem Führer der Spanier, der jenſeits des Rheins ſein Vorgehen unterſtützte, gegen das Erbland Pfalzgraf Friedrichs V. vorzugehen. Mitbeſtimmend für ſeinen Feldzugsplan mochte dabei die allenthalben bekannte Hinneigung des Landgrafen Ludwig zur kaiſer⸗ lichen Sache geweſen ſein, die jenem Fürſten damals ſchon unter ſeinen Glaubensge⸗ noſſen den Schimpfnamen„Pfaffenknecht“ eingetragen hatte.
Der heſſiſche Bruderzwiſt um die Marburger Erbſchaft hatte den Enkel Philipps des Großmütigen den Weg in das Lager der Habsburger finden laſſen. Voller Beſorgnis wegen der engen Beziehungen ſeines Vetters, des Landgrafen Moritz von Heſſen⸗Caſſel, zu Heinrich IV. von Frankreich, hatte Landgraf Ludwig Annäherung an Spanien geſucht und gefunden.*) Schon ſeit dem Jahre 1610 bezog er ein Jahrgeld aus Spanien, wel⸗ ches ihm noch im Frühjahr des Jahres 1622 durch die ſpaniſche Geſandtſchaft in Wien überwieſen wurde.*) Auch die geheimnisvolle Pilgerreiſe Ludwigs vom Jahre 1618, die
1¹) Chr. von Rommel, Geſchichte von Heſſen. VII. Band. Seite 265 ff. ²] Archiv für Heſſ. Geſchichte Band 4. Seite 389. Schon 1610 erhielt Langraf Lowog von Spanien 6000 Reichstaler. In der Folgezeit bezon er vermutlich ein ſtändiges Jahrgeld. St. A. Ab⸗ teilung Marburger Succeſſion Convol. 26. Schreiben des heſſiſchen Geſandten Jeremias Piſtorius aus Wien vom 20. April 1622. Nach der Abrechnung des Geſandten wurden ihm von der ſpaniſchen Ge⸗ ſandtſchaft etwa 7000 Reichstaler übergeben.


