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Und einen Beleg dafür, wie sehr er unter diesem Bewußtsein leidet, sehen wir schon in der Schlußszene unseres Dramas. Wir sehen aber auch ebendaselbst, wie sehr sein guter Ruf unter der Mitwelt bedroht ist.
Ein dritter Grund, warum sich Oktavio„nicht als einen so gar schlimmen Mann darstellen soll“, mag auch der sein, daß Schiller in seinem Wallenstein bewußter- und eingestandenermaßen der Goethe- schen Kunstpraxis nachzueifern bestrebt war, jener vielbesprochenen Ob- ektivität, die oft so weit geht, daß wir im Zweifel sind, für welche der beiden Parteien der Dichter eigentlich unsere Parteinahme er- wecken will..
Vor einem solchen Extrem nun wußte sich Schiller sicher. Seine Neigung und Gewohnheit sowohl, wie auch seine Er- fahrung und seine Theorie trieben ihn eher nach der entgegengesetzten Richtung. In einem Briefe aus der Bauerbacher Zeit findet sich dies- bezüglich die ungemein bezeichnende Bemerkung:„Der Dichter muß weniger der Maler seines Helden, er muß mehr dessen Mädchen, dessen Busenfreund sein“. So sehr nun auch Schiller späterhin das Einseitige und Verhängnisvolle dieser Kunsttheorie erkannte und sich davon freizumachen bemüht war, so war dieselbe doch so innig mit seiner dichterischen Naturanlage verbunden, daß er sie nicht aufgeben konnte, ohne sich selbst mitaufzugeben, und so ist er denn auch in seinen folgenden Dramen, Maria Stuart u. s. w. wiederum mehr oder weniger zu derselben zurückgekehrt. Dies zeigt sich besonders in der Zeichnung der Gegenspieler, die bei Schiller nicht wie bei Goethe als das Komplement der Hauptpersonen auf- gefaßt werden— in Goethes Tasso z. B. werden Tasso und sein Gegner Antonio als zwei Männer bezeichnet,„die darum Feinde sind, weil die Natur nicht einen aus ihnen machte“— sondern stets nur den finsteren Hintergrund bilden, auf dem sich die Lichtgestalt des Helden um so glänzender abheben soll. Zwei Beispiele hiefür mögen genügen. In Maria Stuart, I. Aufz. 7. Auftr. sagt die Heldin zu Burleigh:
Ich will mich nicht der Rechenschaft entziehen;
Die Richter sind es nur, die ich verwerfe, u. zw. deshalb, wie sie vorher erklärt hat, weil diese Richter nicht ihresgleichen sind; denn nur Könige seien ihre Peers. Diese Ver- wahrung Marias ist so naiv, daß sie den ingrimmigsten Hohn eines Staatsmannes herausfordern mußte, der nur halbwegs seiner Aufgabe gewachsen war. Mit großartiger Pose, die nur der Unschuld eigen ist, erklärt sie sich zur Rechenschaft bereit, aber nur unter einer Voraussetzung, die sie selbst nicht formuliert, nicht formulieren darf,


