Aufsatz 
Die Figur des Oktavio Piccolomini in Schillers Wallenstein
Entstehung
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weil sonst das Widersinnige derselben sofort zu tage getreten wäre. Diese Voraussetzung würde nämlich etwa darauf hinauslaufen, daß die Könige Europas oder so etwas zu einem Haager Schiedsgericht zusammentreten sollten, um über diese interne Angelegenheit Englands zu entscheiden, was doch einfach unerhört ist. Statt diesen Wider- spruch geltend zu machen, antwortet Burleigh mit einem Preisgedicht auf die zweiundvierzig Richter, wodurch er seiner zungenfertigen Gegnerin erst recht zu einer vernichtenden Replik Anlaß bietet. Und ebenso unglaublich ungeschickt verteidigt auch der Gegenspieler des Wilhelm Tell, der Vogt Geßler, seine Sache:

Das Kaiserhaus will wachsen; Dies kleine Volk ist uns ein Stein im Weg So oder so Es muß sich unterwerfen.

Es gilt seit Platos Zeit als das gute Recht aller Schriftsteller, die Gegner ihrer Helden nebst allem andern auch als äußerst be- schränkt hinzustellen, aber es dürfte doch kaum einen Tyrannen gegeben haben, der zur Bemäntelung seiner fHerrschsucht nicht wenigstens eine und die andere Floskel von Recht und Notwendigkeit, von Ehre und Sicherheit des Staates u. dgl. m. beizubringen gewußt hätte, der also in unserem Falle nicht wenigstens gesagt hätte: Das Kaiser- haus muß wachsen, um sich zu behaupten u. s. w. Unserem Dichter aber, dem auch die Weltgeschichte das Weltgericht ist, erscheint es wichtiger, daß die poetische Gerechtigkeit nicht hinter der historischen zurückbleibe und daß an dem vollen Rechte des siegenden wenigstens vor unserem Herzen siegenden Streitteiles kein Zweifel aufkommen und unsere Gefühle somit voll und ungeteilt sich aus- sprechen können. Das ist Schillers berühmte Subjektivität und die Tfauptursache seiner großartigen volkstümlichen Wirkung.

Und so hat er sich denn auch seiner beiden Helden Max und Wallenstein mit größter Sorgfalt angenommen, damit sie nicht durch ihren Gegner Oktavio allzuschr in die Enge getrieben werden und es war dies auch nõtig. Inbezug auf Wallenstein hat Schiller dies selbst anerkannt, indem er am 28. November 1796 an Körner schreibt: Sein Charakter ist niemals edel und darf es nie sein und durchaus kann er nur furchtbar, nie eigentlich groß erscheinen. Um ihn nicht zu erdrücken, darf ihm nichts Großes gegenüberstehen. Und wahrlich er ist auch nichts weniger als edel; er betrügt alle, er mißbraucht alle, zunächst den Kaiser, dann seine Gattin, die sich an ein feuriges Rad gefesselt zu sein scheint, seine Tochter, die seiner Ansicht nach keine andere Aufgabe hat, als ihn zum Ahnherrn eines Fürstengeschlechtes zu machen, IIlo und Terzky, denen er auf jede Weise sein Mißtrauen