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kümmerteste Philister, je aus Goethes Egmont die Lehre gezogen: Seht, Kinder, so geht'’s, wenn man leichtsinnig ist. Im Gegenteil, gerade der so wunderbar verklärte Tod dieses Helden wirft einen verklärenden Schimmer auch auf sein Leben und seine Taten als die Ursachen dieses Unterganges, er läßt uns dieselben als gut und schön und nachahmenswert erscheinen— und daher der Vorwurf der Unsittlichkeit, der gegen dieses Stück ebenso wie gegen Werthers Leiden und die Wahlverwandtschaften öfters erhoben worden ist.
Und bei Oktavio Piccolomini wird diese Ungunst des Schicksals, bezw. des Dichters, noch besonders dadurch verschärft, daß die be- siegte Gegnerin, die Gräfin Terzky, ihm noch im Sterben die Worte zuruft:
Doch wir denken königlich Und achten einen freien mut'gen Tod Anständiger als ein entehrtes Leben!
Wobei der Zuhörer natürlich in ihrem Sinne ergänzend hinzu- fügt: Wie das deine..
Eine weitere Ungunst des Schicksals ist es, daß Oktavio in dem ganzen Stück keinen Lobredner, sondern nur lauter Feinde und Ankläger findet. Er selbst verteidigt sich zwar, aber er tut dies in einer so ruhig sachlichen Weise, die gegen das leidenschaftliche Pathos seiner Ankläger nicht aufzukommen vermag, zumal da diese auch stets das letzte Wort behalten, zuerst Max, dann Buttler, zu- letzt die Gräfin. Und Wallenstein selbst ist wie alle politischen Größen, z. B. Napoleon I., ein Meister in der Verunglimpfung seiner Gegner.
III.
Forschen wir nun nach den Ursachen dieser poctischen Un- gerechtigkeit, so finden wir dieselben sowohl in dem Wesen unseres Dichters als auch in der Tendenz seines Werkes..
Octavio durfte kein gemeiner Intriguant sein. Hoffmeister sagt(IV. St. 64):«Man sieht deutlich des Dichters Absicht, das Gehässige des Verhältnisses, in welches sich dieser Mann aus Dienst- eifer zu seinem Freunde gestellt hatte, möglichst zu mildern, damit diese ganze Tugendgattung der Pflichttreue und des Gehorsams nicht durch den verdunkelt würde, der sie hauptsächlich vertritt“ Gewiß, Schiller war ein anderer geworden; iafolge der französischen Revolution hatte sich seine jugendliche Freiheitsschwärmerei in eine


