Aufsatz 
Die Figur des Oktavio Piccolomini in Schillers Wallenstein
Entstehung
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Ein noch viel plumperer Trugschluß ist derjenige, in den die Rede der Gräfin ausklingt: Was damals Gerecht war, weil du's für ihn tatst, ist's heute

Auf einmal schändlich, weil es gegen ihn Gerichtet wird?

Darauf mußte Wallenstein antworten: Was damals ein Ver- brechen war, so nennt er kurz nachher seine Taten als ich es für meinen Herrscher tat, wird es jetzt besser, weil ich es gegen ihn tue? Oder verliert es nicht dadurch gerade alles das, was ein Verbrechen selbst zu adeln oder doch zu entschuldigen vermag, das Motiv der Treue? Zum mindesten das Ideal eines ritterlichen Helden, der Cid, antwortet auf die tadelnde Frage Don Garzias: Was tut Ihr, edler Cid? mit dem einfachen Worte: Was für Euch ich täte, Wäret Ihr mein Lehensherr. Wallenstein aber

antwortet: Von dieser Seite sah ich's nie. Ja dem Ist wirklich so. Es übte dieser Kaiser Durch meinen Arm im Reiche Taten aus, Die nach der Ordnung nie geschehen durften.

Also weil es ihm gelang, den Kaiser zum Komplizen seiner Untaten zu machen daß es so und nicht umgekehrt war, zeigt unsere Stelle am deutlichsten, denn sonst hätte Wallenstein dies gewiß deutlich gesagt ist es ihm auch erlaubt, dieselben Untaten gegen den Kaiser zu verüben?

Und auf derselben Stufe der Sophistik steht auch die recht durchsichtige Ausrede, die er Questenberg gegenüber gebraucht:

Nein, Herr! Seitdem es mir so schlecht bekam, Dem Thron zu dienen auf des Reiches Kosten, Hab ich vom Reich ganz anders denken lernen. Vom Kaiser freilich hab ich diesen Stab,

Doch führ ich jetzt ihn als des Reiches Feldherr.

Also seitdem der Kaiser ihn gegen den Ansturm der feind- seligen Reichsfürsten nicht mehr zu halten vermochte oder zu halten wagte, seitdem hat Wallenstein erkannt, daß er diesen mehr ver- pflichtet sei als jenem. Das heißt doch ganz unumwunden: Seitdem ich einsah, daß die Reichsfürsten mächtiger sind als der Kaiser, diene ich diesen.

Allein so elend diese Ausreden auch sind und so sehr sie sich auch bei näherem Zusehen als solche zeigen, so ist es doch