Aufsatz 
Die Figur des Oktavio Piccolomini in Schillers Wallenstein
Entstehung
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findet WerderDas Recht der Diktatur mit zermalmender Präzision ausgesprochen. Ich finde darin bloß die Tatsache konstatiert, daß Wallenstein der mächtigere ist. UÜber jene Hauptstellen, die den Entschluß herbeiführen, ruft Werder aus: Wie wahr ist das u. s. w. Ich finde es grundfalsch und sophistisch u. zw. ist die Sophistik gar nicht einmal sonderlich raffiniert, wenn Wallenstein da sagt: Nicht ihrem guten Willen, das ist wahr! Noch seiner Neigung dank ich dieses Amt. Mißbrauch ich's, so mißbrauch ich kein Vertrauen. w. T. 1. 7. Hierauf wäre zu antworten: Zugegeben, daß es im eigentlicheren Sinne des Wortes Vertrauensmißbrauch ist, wenn man denjenigen hintergeht, der sich uns freiwillig und aus Neigung anvertraut, als wenn man einen verrät, der sich bloß aus Verzweiflung in unsere Arme wirft, weil er keine andere Zuflucht hat. Aber ein Vertrauens- mißbrauch ist doch auch dies letztere u. zw. vielleicht sogar noch ein schändlicherer. Und gerade im politischen Leben spielt die Neigung und der gute Wille eine kleine Rolle gegenüber den Staats- notwendigkeiten; Staatswürden z. B. sollen nur nach diesem letzteren Gesichtspunkte verliehen werden. Wenn also ein Staatswürdenträger sein Amt zum Nachteil seines Herrn mißbraucht, so wäre das kein Vertrauensbruch, weil er seine Stellung ja nicht eigentlich demguten Willen seines Auftraggebers verdankt, sondern einer Staatsnotwendig- keit? Es wäre also auch kein Vertrauensbruch, wenn ein freigegebener Kriegsgefangener die Bedingungen nicht einhält, unter denen er freigegeben wurde, weil er seine Freiheit nicht dem guten Willen und der Neigung derjenigen verdankt, die ihn freigegeben haben? Man sieht, wohin diese Grundsätze führen. Und wenn dieRiesen- geister so denken und fühlen, dann wäre es nicht nur natürlich, sondern das einzig Denkbare, was die Gräfin dem Kaiser und seinem Anhange ebendaselbst höhnend vorwirft, indem sie sagt: Denn lange, bis es nicht mehr kann, behilft Sich dies Geschlecht mit feilen Sklavenseelen Und mit den Drahtmaschinen seiner Kunst. Doch wenn das Kußerste ihm nahe tritt, Der hohle Schein es nicht mehr tut, da fällt, Es in die starken Hände der Natur, Des Riesengeistes, der nur sich gehorcht, Nichts von Verträgen weiß und nur auf ihre(der Natur) Bedingung, nicht auf seine(dieses Geschlechtes), mit ihm handelt. Ich will sagen: Die Angstdieses Geschlechtes vor einem solchen Riesengeiste und die Vorsichtsmaßregeln, die es ihm gegenüber trifft, wären dann gewiß berechtigt.