Aufsatz 
Die Figur des Oktavio Piccolomini in Schillers Wallenstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Vorlesungen zu Schillers Wallenstein findet, daß wir für Oktavio trotz seiner Berechtigung und seiner Leiden deshalb keine rechte Teilnahme fühlen, weil die Sache, der er dient, nicht lauter ist. Besonders hat er(Werder) es auf den Kaiser abgesehen, dem er alles Mögliche und Unmögliche vorwirft, so vor allem und zu wieder- holtenmalen, daß er vor seinen Gegnern zittere, daß er die Be- dingungen Wallensteins nicht annehmen durfte, aber sie doch an-

nimmt,weil er muß« recht sonderbare Vorwürfe, daß er zuerst dem Reiche die Treue bricht wohl durch die Bestellung Wallensteins als Feldherrn und dann dem Feldherrn, als dies sein

Vorteil mit sich bringt, indem er ihn absetzt.

Allein alle diese so leidenschaftlich erhobenen Vorwürfe sind ganz unstichhältig. Daß der Kaiser den Fürsten absetzte, kann doch in keinem Falle als ein Treubruch gelten, zumal wenn wir hören, was Wallenstein selbst über seine Kriegführung sagt:

Doch auf dem Regensburger Fürstentag,

Da brach es auf! Da lag es kund und offen,

Aus welchem Beutel ich gewirtschaft' hatte.

Und was war nun mein Dank, daß ich,

Ein treuer Fürstenknecht, der Völker Fluch

Auf mich gebürdet u. s. w. Die Piccolomini II. 7.

Und einen solchen Feldherrn abzusetzen, sobald es anders die Verhältnisse erlauben, sollte ein Treubruch sein? Berechtigter jedenfalls ist die Anklage, daß der Kaiser diese Taten geschehen ließ denn daß er sie befohlen oder auch nur gebilligt habe, wagt auch sein grimmigster Gegner nicht zu behaupten. Allein wer den Charakter und die Stellung Wallensteins in unserem Stück ins Auge faßt, dem leuchtet ein, daß der Kaiser ihn deshalb gewähren ließ, weil er ihn nicht hindern konnte. Sympathisch ist uns ein solcher Fürst freilich nicht und er soll es auch nicht sein, aber auch der »eigentliche Schuldige ist er gewiß nicht; er kommt sogar im Drama entschieden besser weg als in den historischen Schriften Schillers, in denen sein Bild mit entschiedener Mißgunst gezeichnet ist. Es war offenbar des Dichters Absicht, daß der Kaiser im Drama gar nicht als Persönlichkeit hervortrete, weder Haß noch Liebe erwecke, sondern lediglich als Vertreter eines Prinzips erscheine, jenes Legi- timitätsprinzips, gegen das Wallenstein frevelt und an dem er zugrunde geht.

Ebenso unrichtig beurteilt Werder und manch anderer mit ihm das Verhältnis Wallensteins zum Kaiser. In den Worten Buttlers: »All dieses Volk gehorcht friedländischen Hauptleuten u. s. w.