Aufsatz 
Die Figur des Oktavio Piccolomini in Schillers Wallenstein
Entstehung
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manch willkommener Ausblick auf Schillers eigenartige poetische Anlagen und die ebenso eigenartige Ausnützung derselben ergibt.

I.

Wenn wir sehen, daß Oktavio Piccolomini nach all den leiden- schaftlichen Anklagen, die während des ganzen Stückes auf ihn niederprasseln, am Schlusse noch einstimmig als der eigentlich Schuldige bezeichnet wird und zwar von Buttler:Ihr sätet Blut und seid bestürzt, daß Blut ist aufgegangen; von der Gräfin:Es sind die Früchte Ihres Tuus.... Doch wir denken königlich Und achten einen freien mutigen Tod Anständiger als ein entehrtes Leben; und endlich von dem Schicksal selbst, das ihm mit gräßlicher Ironie gerade jetzt den langersehnten Lohn seiner Bestrebungen, die Fürstenwürde, überbringt, in einem Momente, da dieser Lohn für ihn keinen Wert mehr hat und nur geeignet ist, ihn recht schmerzlich an die Verödung seines Hauses und den gräßlichen Untergang seines einzigen Sohnes zu erinnern wenn wir uns das vergegenwärtigen und noch dazu erwägen, daß Oktavio dem gegenüber kein Wort der Verteidigung, der Rechtfertigung findet, so wird es uns nicht wundern, daß auch der unbefangene Zuhörer in ihm den wirklich Schuldigen erkennt und ihn am Schlusse etwa auf dieselbe Stufe stellt, wie den Präsidenten in Kabale und Liebe.

Und ebenso natürlich ist es, daß diese Auffassung auch in den Kritiken und Literaturgeschichten ihren Ausdruck findet, daß Oktavio auch hier als derfalsche, tückische Verräter verdammt wird, z. B. Kluge, Geschichte der deutschen Nationalliteratur). Schon Schiller sah sich veranlaßt, gegen diese Auffassung Stellung zu nehmen, allerdings mit großer Zurückhaltung und, wie mir scheint, mit einer gewissen Unsicherheit. Kräftiger schlägt Goethe gegen dieSchufte los, die sich unterstehen können, den Oktavio einen Buben zu nennen. Noch weiter geht Julian Schmidt, der in seiner Geschichte der deutschen Literatur II. S. 122, geradezu die Bebauptung wagt. daß Oktavio genau so handelt, wie er handeln mußte, um nicht pflicht- widrig zu werden. Andere Beispiele sind bei Beckhaus zitiert.

Wer hat nun Recht?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zunächst die Sache ansehen, der Oktavio dient, und die Person, durch welche diese Sache vertreten wird: Den Kaiser. Karl Werder in seinen

y) Andere Beispiele bei Beckhaus: Zu Schillers Wallenstein. Programm des Staats-Gymnasiums zu.Ostrowo, 1892. Die gediegene Arbeit erlaubt uns, auch im folgenden manche einschlägige Punkte kurz abzutun.